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England trägt die Neugestaltung der Europäischen Union nicht mit. Damit steht das Land zunächst isoliert da. Es will sich nicht von der Europäischen Union diktieren lassen, wie ein autarkes Land zu funktionieren hat. Mit dem symbolischen Akt des „NEIN“ zu Europa, beginnt das kaputte Konstrukt der Europäischen Union zu zerfallen.

 

Seitdem die Haushaltsprobleme der Staaten aus Südeuropa deutlich geworden sind, weiß man über die Ungleichgewichte in Europa Bescheid. Im Norden und in der Mitte sind die wirtschaftlich stärkeren Länder mit ordentlichem Haushalt und ordentlichen Finanzen zu finden. Im Süden ist meist der wirtschaftlich schwächere Teil Europas versammelt. Das sind diejenigen mit den undisziplinierten Haushalten und großen Schulden.

 

Im Zuge der Finanzkrise wurde das Problem schnell lokalisiert. Es liegt an dem wirtschaftlichem Ungleichgewicht, das sich quer durch Europa zieht. All die Nationen unter einen Hut zu zaubern, indem man allen eine einheitliche Währung verpasst hat, war falsch. Denn nun können sich die schwächeren Nationen nicht mehr dem Wettbewerb stellen, da sie ihre eigene Währung nichts mehr abwerten können.

 

Es war also falsch, alle Nationen mit einer einzigen Währung und unterschiedlichen wirtschaftlichen Stärken in einer Eurozone zu vereinen. Es schien, als hätte man verstanden, was falsch gemacht wurde, doch was macht man jetzt? Mit der Absichtserklärung des letzten EU-Gipfels will man mit aller Gewalt alle 27 Nationen zwingen das zu tun, was sie bisher schon getan hatten, sich in ein europäisches Korsett zwingen. Der Fehler den man in der Vergangenheit getan hat, wird jetzt wiederholt.

 

Die Engländer, angeregt durch ihre starke Finanzindustrie, haben den Mut gehabt, mit Nein zu stimmen. Sie sind die ersten, die Europa den Rücken kehren. Noch wird vehement geschimpft, noch wird mit dem Finger auf die Insel gezeigt. Noch versucht man England als Verlierer dieses Schrittes darzustellen, aber ist das wirklich so?

 

Denn England ist gar nicht die Ausnahme. Ähnliche Absichten, sich nicht unter ein EU-Diktat zu stellen, haben weitere Länder wie Ungarn oder Finnland. England ist gar nicht die Ausnahme, wie es in den Medien kommuniziert wird. England ist der erste Stein, der den europäischen Zerfall ins Rollen gebracht hat.

 

Noch ist der Schock allgegenwärtig. Ein Land wendet sich von Europa und somit auch von der gemeinsamen Idee ab. Es kehrt Europa den Rücken, die demonstrative Einigkeit ist dahin. Sobald sich herausstellt, dass England auch ohne Europa zurechtkommt, werden die anderen Nationen mit der Abkehr folgen. Noch wird still beobachtet, wie ein „Nein“ in der EU aufgenommen wird, außerdem ist man als Ungarn oder Finnland froh, das die Medien auf England schimpfen und nicht auf einen selbst.

 

Doch sobald sich die Wogen glätten und England sich mit dem „Nein“ nicht geschadet haben sollte, werden sofort weitere Länder schnell zusehen, sich der europäischen Knechtschaft zu entziehen. Das ist so sicher wie das Amen in der Kirche. Dass es auch ohne Europa geht, zeigt die Türkei. Das Land ist nicht in der Europäischen Union, hat eine eigene Währung und wächst seit Jahren mit 7% und manchmal sogar mehr. Es geht also auch ohne das europäische Bündnis.

 

Es ist ein ganz gefährliches Spiel, wenn von Seiten Sarkozy und Merkel Gelassenheit demonstriert wird. Es wird mit den Schultern gezuckt, in der Art und Weise, dass die Engländer ja später dazu stoßen könnten, wenn sie denn wollten. Dass dem nicht so ist, verdeutlicht dieser Artikel, denn sobald das Pendel in Richtung Englands umschlägt, weil es zum Beispiel vorteilhafter ist, nicht in einer Fiskalunion zu sein, werden andere Nationen diesem Schritt folgen. Es ist nur eine Frage der Zeit.

 

Ein Bündnis, das mit aller Kraft zusammenhalten will, was nicht zusammen gehört, muss auseinanderbrechen. Man hat lange genug versucht, das Konstrukt zu stützen, Fehler zu kaschieren und Lecks zu schließen, doch jetzt ist es passiert, das erste Land ist ausgeschert und der Prozess des Zerfalls hat begonnenen.

 

Mit freundlichen Grüßen

 

Ihr

start-trading Team

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