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Die Aufgabe einer Ratingagentur ist, die Bonität eines Schuldners auszudrücken. Das kann eine Person, ein Unternehmen oder auch ein Staat sein. Jetzt hat die Ratingagentur Standard & Poor’s den Ausblick von fünfzehn der 17 EU Länder auf negativ gesetzt. Sie will damit sagen: was ihr da so macht, das hat keine Hand und Fuss, eine Lösung für die Schuldenkrise ist bisher nicht in Sicht. Das einzige, was der Bonitätswächter sehen kann ist, dass die Schuldensituation der betroffenen Länder kritischer wird, und darauf reagiert die Ratingagentur S&P.

 

Was als ganz normaler Vorgang gilt, ist jetzt auf einmal nicht mehr normal. Denn diesmal sind die Flaggschiffe der Euro Retter, Frankreich und Deutschland betroffen. Solange über andere Nationen gesprochen wurde, die von einer möglichen Herabstufung betroffen waren, war die Arbeit der Ratingagenturen noch „normal“. Das Blatt hat sich nun gewendet, weil jetzt die beiden starken Staaten Europas in den Fokus geraten sind. Eben diese beiden, Frankreich und Deutschland, haben immer einen schlauen Spruch auf den Lippen gehabt, wenn es um die Einsparmöglichkeiten und eine Verbesserung der jeweiligen Haushaltssituation anderer Länder ging.

 

Die Medien haben schon zum großen Schlag ausgeholt. In dramatischen Schreckensbildern und -szenarien wird kommuniziert, dass auch die letzten Bestnoten der Euroländer in Gefahr sind. Da fallen auch Begriffe wie „S&P attackiert…“. Die Fronten sind demnach geklärt. Die bösen Buben der Ratingatentur auf der einen Seite gegen die um Besserung bemühten Europäer auf der anderen.

 

Frankreich und Deutschland haben sich erst einmal unberührt gezeigt, was bleibt ihnen auch anderes übrig, als sich unbeeindruckt zu zeigen. Jede Sorgenfalte kann in diesen Tagen sofort in eine unkontrollierten Reaktion der Finanzmärkte ausarten. Ausserdem hat nicht die Poltik das Sagen, sondern die Ratingagenturen. Wie man in den letzten drei Jahren der Finanzkrise sehen konnte, heben oder senken die Ratingatenturen den Daumen über Staaten und Staatenlenker, nicht die Politik.

 

Die Entrüstung und das Unverständnis, die sich bei den betroffenen Ländern breit macht, ist tatsächlich nicht zu verstehen. Die Ratingagentur ist da um zu bewerten, das ist ihre Aufgabe. Ob dies nun Merkel und Sarkozy gefällt oder nicht. Die Agentur muss keinem Staat folgen und keine Nation retten. Damit ist sie autark in ihrer Entscheidungsgewalt.

 

Die Ratingagentur muss reagieren, da offensichtlich die Investoren hier mit einer neuen Situation konfrontiert sind. Die Staaten, die nun den Ausblick negativ bekommen haben, darunter auch Frankreich und Deutschland, halten sich nicht an ihre eigenen Regeln. So war das nicht ausgemacht und nun steigen deren Risiken. Die EZB als Teilinstanz der EU hält sich ebenso nicht an ihre Regeln. Es ist wichtig, dass eine Organisation auf diesen Missstand hinweist.

 

Zu Zeiten, als die Finanzunternehmen Giftpapiere verkaufen wollten; damals, als die Staaten mit der AAA Note noch die Musterschüler waren, da hat man sich gerne mit den Bewertungen der Ratingagenturen gerühmt. Man hat mit seiner Benotung geklingelt und geworben, damit man seine Produkte (Banken) oder seine Staataanleihen (Staaten) zu günstigen Zinsen vertickern konnte.

 

Es ist wie im richtigen Leben. Solange es keine Probleme gibt, alles seine Bahnen geht, ist alles schön. Nun, nachdem der Ausblick auf negativ gesetzt wurde, ist die scheinbare Freundschaft der beiden Parteien (Ratingagentur und Staat) dahin. Es bringt nichts, mit den Fingern auf die Ratingagentur zu zeigen. Einen sauberen Haushalt und eine gesunde Finanzlage wird auch S&P nicht negativ bewerten.

 

Mit freundlichen Grüßen

 

Ihr

start-trading Team

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