Indikatoren-Trading

An Tagen wie dem gestrigen kann man sich als Trader die Finger verbrennen, ja sogar einen Totalverlust einfahren. Der DAX eröffnete bereits mit einer Kurslücke und stieg im Tagesverlauf immer weiter. Was machte der Trader an so einem Handelstag? Er suchte nach einem Shorteinstieg und shortete den Index. Er setzte auf fallende Kurse, obwohl der Markt stieg. So wurde aus einem kleinen Verlust ein großer und aus einem großen ein Totalverlust. Solche Tage sind Verlusttage, wie sie im Buche stehen.

 

Der Handelstag begann damit, dass der DAX mit einem steigenden GAP eröffnete. Das heisst, dieser Börsentag startete wesentlich höher, als er am Vortag geschlossen hatte. Die erste Aktion ist damit für viele Anleger schon fest eingeplant. Die Trader spekulieren auf das Schliessen der Kurslücke. Es gilt an der Börse als üblich, dass Kurslücken zunächst geschlossen werden. Das muss zwar nicht eintreffen, da dies in der Vergangenheit aber oft geschehen ist, nimmt man es an.

 

Der DAX bescherte den Anlegern mit dem Ausbleiben eines Gap-close schon den ersten Verlusttrade. Denn vom Schliessen einer Kurslücke war nichts zu sehen, der DAX stiegt direkt weiter. Der neu eröffnete Trade war schnell wieder geschlossen, der Verlust realisiert. Anstatt es einmal ruhiger angehen zu lassen, kauften die Anleger wie wild weiter Aktien und trieben die Kurse und den DAX höher. Die Markttteilnehmer, die mental auf „Short“, also auf fallende Kurse setzen wollten, sahen den Index bereits ins Verderben rennen. „Mit jedem weiteren Anstieg ist der DAX anfälliger für einen Kursrücksetzer“, dachten viele, und das wollen die Trader nun nutzen.

 

Mit einem erneuten Shorttrade wollten es die Trader wissen. Der Markt sollte zur Besinnung kommen und die Kurse endlich fallen. Bei 3% Kursplus muss jeder Index auch mal Luftholen, davon ging man einfach aus. Und auch diesmal machte der DAX den Short Investoren nicht die Freude. Die Position lief direkt ins Minus und wurde ausgestoppt.

 

Die Trader waren nun eingeschossen auf „Short“. Auch wenn die ersten beiden Trades Verluste eingebracht hatten, war man sich seiner Sache sehr sicher. Was bei 2% Anstieg überbewertet war und bei 3% fällig für eine Kurskorrektur, das sollte bei 4% zweifellos ein sicherer Short Kandidat sein. Der Trader machte sich also wieder bereit, gegen die Marktmeinung zu investieren. Er war sich seiner Sache jetzt sehr sicher, daher wurde angenommen: Der Markt kann gar nicht anders und muss fallen.

 

Die trügerische Sicherheit führte dazu, dass höchstwahrscheinlich die Positonsgröße erhöht wurde. Hatte der Trader in den ersten beiden Trades bereits viel Geld verloren, dann lief er jetzt Gefahr, All-In zu gehen und den vollen Einsatz zu fahren. Bei 5600 Punkten war der erste Short, bei 5650 der zweite und bei 5700 jetzt der dritte Shortversuch. „Jetzt muss es klappen“, wurde angenommen, denn bekanntlich wachsen die Bäume nicht in den Himmel.

 

Die Situation ist ähnlich den bei fallenden Aktien. Die Aktie, die zum Beispiel 10 Euro kostet und damit interessant für einen Kauf ist, ist  für 7 Euro günstig und bei 5 Euro halb so teuer wie die ursprünglichen 10 Euro. Wenn diese Aktie auf 3 Euro fällt, ist die Aktie in den Augen des Käufers geschenkt. Dass diese Aktie immer tiefer fällt, wird nicht realisiert.

 

Zurück zum DAX Trade. Auch bei 5700 Punkten machte der DAX den bearish eingestellten Tradern nicht die Freunde und fiel. Stattdessen stieg der Index weiter. Auch dieser Trade wurde mit einem Verlust beendet. Die Verluste an einem solchen Tag können sehr weh tun.

 

Nicht immer lässt sich eine Marktlage leicht interpretieren. Nachdem der DAX mehrere hundert Punkte gestiegen war, will niemand der Letzte sein, der noch long geht. Also lässt der Börsianer den Einstieg in steigende Kurse. Wie zuvor erläutert, ist auch die Wette auf fallende Kurse nicht so einfach, da der Markt keine Anzeichen von Schwäche zeigt.

 

An solchen Tagen kann man viel Geld verlieren. Es ist daher ratsam, sich nach einem kleinen Verlust (erster Shorttrade) an der Seitenlinie zu positionieren und den Markt nur noch zu verfolgen. Es braucht mentale Stärke, sich nicht verleiten zu lassen, wieder und wieder in den Markt zu tauchen. Es ist immer eine Option an der Börse, nicht investiert zu sein. Ein separater Artikel mit dem Titel: „Trading: Sie müssen nicht“ hat sich mit dieses Option beschäftigt.

 

 Quelle: Deutsche Börse

 

Ein Blick auf den abgeschlossenen Tagesverlauf zeigt einen durchgehend steigenden DAX, der am Ende über 4% gewonnen hat. Was für die neutralen Beobachter wie ein besonders profitabler Tag aussieht, war für viele kurzfristigen Trader ein Verlusttag, den sie so schnell nicht vergessen werden.

 

Mit freundlichen Grüßen

 

Ihr

start-trading Team

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