Service

Alles, was die Börsen dieser Tage bewegt, ist nicht neu. Das ist wichtig, weil einige überraschte Anleger nun fragend in die Runde schauen, warum denn die Kurse abschmieren. Oft erwähnt ist eine mögliche harte Landung der chinesischen Wirtschaft oder die Krise in Europa, außerdem das Schuldendebakel in den USA, ferner die schwachen Wachstumsaussichten für die Weltwirtschaft. Sogar, dass die EZB mit den Anleihekäufen ihr Mandat überschritten hätte, ist plötzlich ein Vorwand um die fallenden Börsenkurse zu rechtfertigen. Die Aktionäre brauchen nicht überrascht zu sein, die harte Realität hat sie eingeholt.

 

Was auch immer nun als Grund für fallende Börsenkurse vorgeschoben wird. Es ist nicht neu. Jeder Anleger und Investor wusste was er tat, als er Aktien in den vergangenen Monaten kaufte. Die oben genannten Themen existieren nicht erst seit gestern. Besonders der Punkt mit der EZB ist heuchlerisch, da das Kaufprogramm für Anleihen notleidender Staaten schon seit Monaten läuft. Man wollte zuerst sehen, ob es gut geht. Jetzt, wo die Maßnahme gescheitert ist, distanziert man sich sofort davon.

 

Der Aktienmarkt ist im Verkaufsmodus. Im Juli notierte der deutsche Aktienindex DAX noch hoffnungsfroh bei 7500 Punkten, im Oktober dann bei 6400 Punkten und Ende November bei 5500 Punkten. Der DAX musste viel Prügel einstecken. Das sind 2000 Punkte Verlust in nur 4 Monaten. Somit ist das Heulen unter den Aktionären berechtigt, weil Verluste weh tun, aber wer das Risiko eingeht, der muss auch mit dem Verlust leben.

 

Fast war es über den Sommer hinweg so, dass die Anleger geglaubt haben, sie können gar nicht am Aktienmarkt verlieren. Die amerikanische Notenbank FED druckte Geld, welches in den Aktenmarkt floss. Die EZB monetisierte europäische Staatsanleihen, was wiederum frisches Geld in den Markt gebracht hat. Die Leitzinsen sind auf historisch niedrigem Niveau, was die Geldbeschaffung stark vereinfachte. Bei soviel Geld, das in den Aktienmarkt fließt, können die Kurse gar nicht fallen, hat wohl der eine oder andere gedacht. Offensichtlich hat er sich getäuscht.

 

Besonders der Absturz der Kurse Anfang August war äußerst erschreckend, weil es ohne Gnade von statten gegangen ist. Während die Kleinanleger noch nach Schnäppchen gesucht haben, verabschiedeten sich die großen Player vom Markt. Darauf wurde schon Mitte August hingewiesen. Den vollständigen Artikel lesen Sie hier.

 

 

Besonders die großen Investoren versuchen ihre Haut zu retten. Hier geht es nicht mehr darum, Profite zu erwirtschaften, sondern darum, zuerst den Ausgang zu finden. Wer zurückbleibt verliert. Nicht anders sind die Kursverluste seit Anfang August einzuordnen. Die Kurse wurden dermaßen verprügelt, Marktkapital wurde vernichtet und zugleich auch der entsprechende Index in den Keller geschickt. Und immer wenn es einen Funken Hoffnung auf eine kleine Korrektur gab, dann wurde diese noch schlimmer abverkauft. Zurück blieb ein verwüsteter Börsenindex und Aktien, die sich lange nicht mehr erholen werden.

 

Auch wenn ein Kursverlauf nicht eins zu eins mit den tatsächlichen Gegebenheiten korreliert, einige Fragen konnte sich der Investor vor dem Aktienerwerb zum Börsengeschehen stellen: Wo sollen die Kurssteigerungen denn her kommen? Es gibt ja keine Aussicht auf Wachstum. Die Folge sind keine oder wenige Gewinne für die Unternehmen und als Resultat wenig Spielraum für steigende Aktienkurse. Weitere heiß aktuell diskutierte Themen beschäftigen den Markt. Muss die Commerzbank wieder verstaatlicht werden, da sie wieder frisches Geld braucht? Es spricht auch nicht für steigende Kurse, wenn Spanien und andere Nationen erneut Banken retten müssen. Oder weil der Reiseveranstalter Thomas Cook in Zahlungsschwierigkeiten ist. Im allgemeinen Börsenumfeld häufen sich die Gewinnwarnungen und das verheißt nichts Gutes.

 

Die obig skizzierte Lage liefert keine Gründe, warum man Aktien erwerben sollte. Und doch: an der Börse gibt es immer auch Anleger, welche mit Hoffnung und Kalkül in Aktien gehen, auch wenn der Markt am Fallen ist. Manchmal wird solch ein Schritt auch belohnt. Gelegentlich muss ein Investor eben ein Risiko eingehen und „kaufen, wenn die Kanonen donnern“. Wenn er richtig liegt, dann wird er mit einem saftigen Plus belohnt werden. Er muss sich nur im Klaren darüber sein, welches Risiko er eingeht.

 

Die Wahl des Engagements ist jedem Börsianer selbst überlassen. Nur haben in den letzten Monaten die Risiken deutlich überwogen. Dies war nicht neu. Wenn also der Anleger die Risiken ausgeblendet hat, dann wusste er was er tat. Somit muss sich jeder selbst an die Nase fassen, der zur falschen Zeit im Markt war.

 

Gewinner der Phase des Abschwungs sind diejenigen, die auf Short (also auf fallende Kurse) gesetzt haben und ebenso diejenigen, die Flat (also nicht im Markt investiert) waren. Die Möglichkeit, das Börsengeschehen von der Seitenlinie zu beobachten und seine Schäfchen (Cash) im Trockenen zu bewahren, sollte viel öfter genutzt werden. Man muss nicht immer investiert sein.

 

Auch diese Gruppe von Marktteilnehmern wusste, was sie tat – und sie handelte richtig.

 

Mit freundlichen Grüßen

 

Ihr

start-trading Team

Share This