Indikatoren-Trading

Die Südeuropäer verkörpern das, was die Nordeuropäer im Urlaub so lieben. Sie sind ausgeglichen. Ihre Tage bestehen aus viel Sonnenschein und eine gesunde Bräune ziert ihre Haut. Das Leben im Süden verläuft in geruhsamen Bahnen. Die Zeit dreht sich dort etwas langsamer. Man weiß eben, von Lissabon bis nach Athen, wie man das Leben genießt. Und da kommen die Nordeuropäer und erzählen etwas vom Arbeiten bis 67 Jahre. Kann es nicht sein, dass die Südeuropäer mit ihrer Lebensauffassung Recht haben? Denn sie arbeiten, um zu leben, nicht umgekehrt.

Bei all der Diskussion um Schuldenkrise und Rettungsmaßnahmen, muss in einem ruhigen Moment einmal überlegt werden, was  überhaupt richtig ist und was nicht. Nur weil die Südeuropäer kein Geld haben, heißt das noch lange nicht, dass ihre bisherige Lebensauffassung vollkommen falsch war.

Die Nordeuropäer haben derzeit das Geld. Und wer das Geld hat, der hat das Sagen. Mit diesem Druckmittel bestimmen sie, was richtig für die Bürger im Süden des Kontinents ist. Nämlich nicht murren, sondern malochen. Die Nordeuropäer orientieren sich an ihrem Weltbild. Dass man immer arbeiten muss, das war schon immer so. Den ganzen Tag eben, das ganze Jahr, das ganze Leben halt. Man kennt es gar nicht anders im Norden. Hier tritt die Rente so spät wie möglich ein. Mit dem Renteneintritt mit 67 Jahren hat man dann nicht mehr viel Zeit, um das restliche Leben noch zu genießen. Man ist in dem Alter wohl auch körperlich nicht mehr so fit, um Dinge zu tun, die man noch erledigen wollte. Rückblickend hat man sein ganzes Leben gearbeitet.

Das, was die Nordeuropäer als ganz toll im Urlaub empfinden, nämlich einfach mal die Seele baumeln lassen, die Sonne genießen, und die Dinge nicht ganz so ernst zu nehmen, dieses Leben leben die Südeuropäer täglich. Sie genießen das Leben, sie machen mittags Siesta und sitzen beisammen bis spät in die Nacht. Auch wenn der nächste Tag ein Arbeitstag ist. Sie arbeiten auch, aber eben nicht so verbissen wie in Nordeuropa.

Und hier scheiden sich die Geister. Die Bürger des Südens arbeiten, um zu leben, die im Norden leben um zu arbeiten. Ist es also überhaupt richtig, die Bürger im Süden durch Sparpakete und Drohungen zu zwingen, auch bis 67 Jahre zu arbeiten? Oder sollten sich die Bürger im Norden vielleicht ein Beispiel nehmen und lieber mit 60 oder gar mit 55 in Rente gehen?

Es würde zu weit weg vom Thema führen, wenn noch näher darauf eingegangen wird, dass es viele junge Leute in Europa gibt, die arbeiten wollen. Diese könnten die früher frei werdenden Stellen einnehmen. Man lässt sie nur nicht.

Jetzt geht es aber um Folgendes: Die Nordeuropäer schreiben den Südeuropäern per Diktat vor, was gut für sie ist. Und die im Süden beugen sich dem Druck aus der Not heraus. Denn wenn sie sich nicht fügen, gibt es kein frisches Geld aus dem Rettungsfonds. Das Ende ist eine Zahlungsunfähigkeit. Also nickt man artig und verspricht alles, was gehört werden will.

Dieser Artikel will verdeutlichen, dass es nicht nur einen Weg gibt, der richtig ist. Wenn die Nordeuropäer über den faulen Süden schimpfen, und ihnen vorwerfen: "hättet ihr auch nur so fleißig gearbeitet wie wir, dann ginge es euch besser", dann ist diese Aussage nicht richtig.

In einem Wirtschaftsverbund (Eurozone) können nicht alle gewinnen. Es ist wie an der Börse. Es muss jemand Verluste machen, damit jemand anderes Gewinne machen kann. In Europa ist Deutschland hervorragend aufgestellt, weil sie besonders viele Güter an das Ausland verkaufen können. Die Nordeuropäer haben viele Güter gegen Geld verkauft. Für den Einkauf mussten sich die Südeuropäer verschulden. Wie Sie sehen, des einen Leid ist des anderen Freud.

So stieg in Nordeuropa der Handelsbilanz Überschuss und im Süden stieg die Verschuldung. Eigentlich ging man den Weg in die Schuldenkrise gemeinsam. Es ist ebenfalls wichtig zu erwähnen, dass die Nordeuropäer auch stark verschuldet sind. Sie haben nur "noch" Geld, während der Süden bereits Pleite ist.

Nord- und Südeuropäer sind nicht gleich. Man kann Menschen auch nicht dazu zwingen gleich zu werden. Man kann höchstens voneinander lernen und das Beste für sich übernehmen.

 

Mit freundlichen Grüßen

Ihr

start-trading Team

Share This