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Die Schuldenkrise dominiert die Finanzmärkte. Kein Tag vergeht ohne eine neue Schauermeldung. Die Börsen spielen verrückt und dauernd wird von einer Rettung gesprochen. Nur was bedeutet retten? Ist das Festhalten an alten Tugenden der richtige Weg? Soll man immer weiter den Rettungsfonds aufblähen und dann versuchen zu retten, was scheinbar nicht zu retten ist? Wie viel Rettung verträgt Europa?

 

Es ist nicht mehr zu leugnen, dass die bisherigen Rettungsmaßnahmen der EU, IWF und der EZB einfach nicht anschlagen. Wenn der kranke italienische, portugiesische, griechische oder spanische Patient nicht mit den bisherigen Mitteln gesundet, dann darf man so nicht mehr weitermachen. Es schadet nur, wenn durch immer weitere Hilfsmaßnahmen die Fallhöhe nur erhöht wird.

 

Die Nervosität an den Finanzmärkten ist täglich zu spüren. Die Ausschläge sind kaum mehr in Bahnen zu zwängen. Alles kann jederzeit passieren. Die Sorge vor einem Crash ist permanent vorhanden. In diesem Durcheinander brauchen die Börsen Signale einer Entspannung. Diese will aber nicht einsetzen.

 

Die Rede ist von sinkenden Anleihezinsen für die angeschlagenen Staaten. Diese müssen hohe Zinsen in Kauf nehmen, um sich mit frischem Kapital einzudecken. Die aktuellen Rekordzinsen im Höhe von 7% sind nach allgemeiner Auffassung zu hoch, um als Finanzierungsgrundlage dienen zu können. Zu Beginn der Woche wurde Italien ins Visier genommen und mit der wichtigen 7% Marke konfrontiert. Auf diesem Niveau schrillen sofort die Sirenen an den Märkten. Der Patient muss bei diesen Zinssätzen schnell auf die Intensivstation. Die EZB intervenierte und konnte kurzzeitig für etwas Beruhigung sorgen. Etwas Zeit war mit dieser Maßnahme gewonnen worden, der Patient ist aber dadurch nicht geheilt.

 

Gestern wurde auch der kranke spanische Patient eingeliefert. Er hat starkes Fieber und ist ebenso mit der 7% Marke konfrontiert worden. Während die Italiener alle paar Tage von der 7% Krankheit eingeholt werden, war das für Spanien Neuland. So hoch waren die Finanzierungszinsen  für die Iberer noch nie. Damit weiß das Land nicht umzugehen.

 

Die 7% Marke kommt so oft vor, weil die Märkte die EZB zwingen wollen, alles an Staatsanleihen unlimitiert aufzukaufen. Sie soll die  Notenpresse anwerfen, sie soll Geld drucken. Sie soll aus Wasser Wein machen. Den Märkten ist es egal, wie sie das macht. Sie wollen nur die Zusage herauspressen. Auch dass solch eine Zusage der EZB möglicherweise in ein Inflationsproblem mündet, interessiert  die Märkte erst einmal nicht. Diese Tage sind geprägt von einem Zweikampf der EZB gegen die Spekulanten. Wer wird die Oberhand behalten?

 

Es ist also nicht überraschend, dass die großen europäischen Staaten wie Italien und Spanien sich permanent am Abgrund bewegen und jederzeit drohen abzustürzen. Diese Situation ist gewollt durch die Märkte, die EZB soll in der Not einschreiten und als helfenden Retter auftreten. Rettung heißt natürlich nicht die Staaten retten, sondern über Umwege die Märkte retten.

 

Die EZB ist in einer ausweglosen Lage. Die Spekulanten werden nicht locker lassen, die kranken Patienten mit weiteren Attacken weiter zu schwächen. Gibt die EZB nach, dann hat sie die Stabilität der Währung Euro aufgegeben und sich zusätzlich dem Druck der Märkte gebeugt. Beides ist nicht im Sinne der EZB. Wie gesagt, die Lage ist ebenso ausweglos wie brenzlig. Das ist auch der Grund, warum die EZB dieser Tage so still ist. Ausser den gängigen Interventionen am Anleihemarkt hört man keinen Ton, wie sie plant die Schuldenkrise zu „behandeln“.

 

Die Welt wartet auf eine Rettung. Doch was ist eine Rettung? Den Staaten immer weiter Geld zu geben, kann keine Lösung sein. Das Geld muss ja irgendwoher kommen. Eine Transferunion, bei der die starken EU Länder bezahlen und die Verschuldeten nehmen, ist auch keine Rettung. Die schwachen Staaten per Dekret zu einem Wachstum zu zwingen, hat auch keinen Erfolg gebracht.

 

Die nächste Rettungsidee war, den Rettungsfonds zu vergrößern, doch je größer dieser wurde, umso mehr Durstige kamen zur Tränke. Das hat also auch nicht geholfen. Zu guter Letzt wollte man den Rettungsfonds hebeln und auch das ist bisher kläglich gescheitert.

 

Die EZB hat ihre Möglichkeiten ausgeschöpft. Es ist nun an der Zeit, einen neuen Weg einzuschlagen. Wie lange kann man sich erpressen lassen? Ist es nicht auch eine Rettung, loszulassen? Es wäre eine Hilfe für alle Beteiligten, wenn Verluste der Gläubiger auch mal realisiert werden müssen. Das wäre wohl die einzig wahre Lektion. Zu der Heilung gehört auch, die Nebenwirkungen zu ertragen, dazu gehören Bankenpleiten und politische Wechsel. Auch das Ende der EZB gehört dazu.

 

Eine wirkliche Rettung ist, die Märkte dem Markt zu überlassen. Die Märkte wollten mit vollem Risiko spielen, deshalb haben sie die Regierungen so lange bearbeitet, bis alle Beschränkungen entfernt wurden. Nun spielen sie All-In im Finanzkasino und die Karten der Gläubiger sind sehr sehr schlecht. Wer also die guten Seiten des Marktes wollte, nämlich vollständig freies Handeln ohne Regularien, der muss nun auch mit den negativen Seiten leben. Das wäre eine lehrreiche Lösung für alle Beteiligten.

 

Mit freundlichen Grüßen

 

Ihr

start-trading Team

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