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Die Volatilität im DAX bringt die Anleger noch um ihre Gesundheit. Zur heutigen Markteröffnung schoss der Index um 150 Punkte nach oben. Um 11:06 dann allgemeines Luftanhalten unter den Tradern. Der DAX schoss nach unten. Man muss „schoss“ sagen, weil niemand die DAX Kugel hat fliegen sehen, so schnell war sie. Innerhalb von nur wenigen Minuten fiel der DAX um 160 Punkte.  Schnell müssen Gründe für diesen Kursverfall her, sonst kann sich das Anlegerherz kaum beruhigen.

 

Die wohl wichtigste Erkenntnis kommt zuerst. Die EZB kauft wie verrückt am Anleihemarkt. Sie hat Händlern zufolge am Mittwoch morgen italienische, spanische und portugiesische Staatsanleihen gekauft. Diese Intervention, also ein Akt der helfenden Hand, wurde getätigt um die Renditen zu drücken. Zu humanen Zinsen lassen sich die Staatsanleihen der genannten Länder nicht mehr an den Mann bringen.

 

Die EZB hat auf dem Anleihemarkt nichts verloren. Sie „rettet“, „hilft“, „stützt“, wo sie nur kann, um einen Zahlungsausfall eines dieser  Euro-Länder zu verhindern. Ist nämlich ein Staat Pleite, folgt gleich ein weiterer, und sind mehrere Staaten Pleite, crasht der Euro; ist der Euro weg vom Tisch, braucht man keine EZB. So einfach ist die Logik. Die EZB muss wohl helfen.

 

Die Lage scheint äußerst brenzlig zu sein, da die EZB fast täglich im Anleihemarkt herumkauft (-pfuscht?). Der Geldkreislauf, zu dem sich Staaten neues Kapital leihen, ist offensichtlich zum Erliegen gekommen. Investoren sind nicht mehr bereit, den Pleitestaaten neue Mittel zur Verfügung zu stellen. Die Funktionsweise, wie Staaten sich Geld beschaffen, wurde „hier“ erklärt. Die Ampel der Finanzmärkte ist nicht mehr gelb, sondern bereits dunkelrot, wenn man das wilde Agieren der Zentralbänker verfolgt.

 

Dunkle Wolken ziehen schon wieder aus Italien auf. Italienische Banken brauchen dringend Geld. Die italienische Großbank UniCredit hat sich bereits geoutet. Meldungen zufolge plädiert UniCredit für einen breiteren Zugang zu EZB-Mitteln. Die Lage für die Bank ist besonders schlecht, da sie im dritten Quartal mehr als zehn Milliarden Euro Verlust gemacht hat. Nun weiss sie nicht mehr weiter. Die Ratingagentur Moody’s hat schon angekündigt, das aktuelle Kreditrating zu überprüfen. Eine Kapitalerhöhung wurde bereits angekündigt, um schnell Geld einzusammeln. Die Kapitalerhöhung ist aber erst für Frühjahr 2012 geplant.

 

Die italienischen Banken, die voll mit wertlosen italienischen Staatsanleihen sind, haben viele Schulden und wenig Eigenkapital. Sie brauchen jetzt sofort Geld. Ebenso wie die Staaten klopfen auch die Banken an die Türe der EZB. Sie wollen eine milde Gabe um den harten Winter zu überstehen. Na gut, die EZB ist ja nicht herzlos. Bestimmt findet sich die eine oder andere Euronote, mit der sie aushelfen kann.

 

Etwas stabilisierend ist die Meldung, wonach der neue italienische Regierungschef Mario Monti bereit ist, seine Übergangsregierung zu präsentieren. Die Medien schreiben, dass Monti die meisten politischen und sozialen Kräfte im Land hinter sich habe. Die Frage ist nur: Wie hat er sie hinter sich? Wenn alle, die hinter ihm stehen, bewaffnet sind, dann ist das gar nicht so toll. Oder sie stehen soweit hinter Monti, dass man sie nicht sehen kann, auch dann wird das kein erfolgreiches Miteinander.

 

Egal, der DAX stabilisiert sich erst einmal im Bereich 5860/5900 Punkte. Die Stabilisierung wird auch unterstützt durch die Bekanntgabe, dass die Bank von England (BoE) ihre Inflations- und Wachstumsprognosen senkt. Das ist erst einmal keine tolle Nachricht, wenn die Zentralbank bekannt geben muss, dass das Wachstum sich abschwächt. Doch bekanntlich kann der Anleger um vier Ecken denken. Wenn Inflation kein Thema mehr ist und das Wachstum dahinsiecht, dann kann die Zentralbank geldpolitische Maßnahmen ergreifen um die „Märkte“ zu stützen. Das bedeutet, es kommt noch mehr frisch Gedrucktes in den Börsensaal und das freut kurzfristig die Anlegerschar.

 

Mal sehen, wie lange die Freude hält. Der DAX orientiert sich nicht gleich wieder nach Norden. Das ist kein gutes Zeichen für den weiteren Verlauf am Nachmittag. Es muss weiter mit dieser extremen Volatilität gerechnet werden, das Anlegerherz kommt einfach nicht zur Ruhe.

 

Mit freundlichen Grüßen

 

Ihr

start-trading Team

 

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