Indikatoren-Trading

Die Ratingagentur Standard & Poor’s (S&P) hat sich diese Woche eine Panne geleistet und die Kreditwürdigkeit Frankreichs gesenkt. Schnell hat sich die Veränderung der Bonität als Fehler herausgestellt und man ruderte zurück. Doch die Art und Weise, wie das Standard & Poor’s gemacht hat, lässt Zweifel an der offiziellen Darstellung aufkommen. Für einen einfachen Fehler war die Stimmung zu unterkühlt, aber warum?

 

Zunächst einmal muss man jedem einen Fehler zugestehen. Fehler machen ist erlaubt. Nur gibt es verschiedene Arten von Fehlern und manche dürfen eben nicht passieren. Dafür gibt es Kontrollmechanismen. Bestimmte Dinge, die besonders wichtig sind, werden zum Beispiel im Mehraugenprinzip durchgeführt. Dabei verifizieren mehrere Personen die entsprechende Nachricht, bevor sie veröffentlicht wird, um einen Fehler auf jeden Fall auszuschliessen. Man weiß um die Konsequenzen einer Änderung eines Ratings und muss also besonders vorsichtig vorgehen.

 

Andere Organizationen haben sogenannte Genehmigungsverfahren im Einsatz. Dabei wird eine besonders wichtige Nachricht erst erstellt, dann von der jeweiligen Abteilung abgesegnet, dann von der Bereichsleitung und nachher von einem Vorstandsmitglied genehmigt. So stellt man sicher, dass die Meldung, die nachher herausgeht, zum einen von jeder Instanz geprüft wurde und zum anderen den Segen der Verantwortlichen hat. Auch mit dieser Möglichkeit will man sicher stellen, dass eine brisante Meldung ohne Fehler herausgeht.

 

Und hier haperts es deutlich an der Darstellung der Ratingagentur. Da wird die Kreitwürdigkeit Frankreichs gesenkt und niemand will etwas davon mitbekommen haben? Es geht hier um das zweitstärkste Land Europas, das die Eurozone mit Deutschland gemeinsam zusammenhält. Die entsprechenden Konsequenzen, die durch die Absenkung der Bonität an den Finanzmärkten entstehen, sind also vorprogrammiert. Die Bergündung ein einfacher „Fehler“ wäre die Ursache, ist doch sehr vage.

 

Es fällt schwer zu glauben, dass eine so folgenreiche Entscheidung einfach so geschehen ist. Allein schon bei einer Einladung, die man privat verschickt, zum Beispiel für ein Grillfest oder eine Hochzeit, wird gefühlte hundertmal nachgesehen und nachgelesen, was in der Einladung steht, ob die Daten richtig sind, die Uhrzeit korrekt angegeben wurde und so weiter. Es wird also genau geprüft, bevor die Einladung rausgeschickt wird. Und bei der weltgrößten Ratingagentur S&P passierte einfach so ein „Fehler“?

 

Die Reaktion der Ratingagentur auf den Fehler war dann auch nicht sehr vertrauenserweckend. Würde man im ersten Moment davon ausgehen, dass hier ein unbeabsichtiger Fehler passiert ist, dann würde man erwarten, dass sich S&P direkt an Frankreich wendet und sich tausendmal entschuldigt. Es müsste der Ratingagentur peinlich sein. Als Geschädigter, in diesem Fall Frankreich, würde man eine Entschuldigung, eine Geste des Bedauerns erwarten.

 

In diesem Fall weit gefehlt. Nichts von dem geschah. Es gab seitens der Ratingagentur nur einen Zweizeiler für die Presseabteilungen, dass man die Ursache des Fehlers untersucht. Das ist deutlich zu wenig für ein Unternehmen, das die Macht hat, über Staaten zu urteilen und obendrein durch ihr Urteil die Finanzmärkte in Nervosität versetzen kann. Die Art und Weise, wie S&P mit ihrem Fehler umgeht, ist doch sehr kühl für einen Schuldigen, der seine Schuld eingesteht.

 

Was wäre wenn?

Der „Fehler“ von S&P hat doch einen sehr faden Beigeschmack. Was wäre, wenn es sich nicht um einen unbeabsichtigten Fehler handelt? Im Strudel der Schuldenkrise denkt jede Nation erstmal an sich selbst. Niemand will in den Fokus der Finanzmärkte gelangen. Also wäre es im Rahmen des Möglichen vorstellbar, daß die hochverschuldete USA über die Ratingagentur den Brand in Europa legt.

 

Denn Fehler hin oder Fehler her, die Meldung ist raus. Frankreich ist düpiert und der Schaden angerichtet. Die Franzosen sind erbost und wollen das so nicht stehen lassen. Sie wollen eine Strafe der Ratingagentur. Sie schimpfen laut und alle Beobachter schauen nach Frankreich. Kann das nicht die Absicht von S&P gewesen sein?

 

Es ist im Rahmen des Möglichen und sollte nicht ausgeschlossen werden. Die USA will sich selbst schützen und da kann ihnen jedes Mittel recht sein. Glauben Sie nicht, die Vorstellung wäre zu abwegig. Denken Sie nicht, das eine ist ein Privatunternehmen (S&P), das andere ein seriöser Staat (USA). Dem ist nur auf dem Papier so. In der Realität ist man eng miteinander verwoben.

 

Als Anfang August S&P es gewagt hatte, die Bestnote „AAA“ der USA um eine Note zurückzustufen, wurde der Unmut der US-Regierung deutlich. Sogar Präsident Obama schaltete sich ein und sprach „Egal, was irgendeine Agentur sagt, wir waren immer und wir werden immer ein ‚AAA‘-Land sein„. Nach nur drei Wochen, nachdem die Kreditwürdigkeit gesenkt wurde, ist (musste) der damalige Chef der Ratingagentur, Deven Sharma, von seinem Posten zurückgetreten. Wer an den Weihnachtsmann glaubt, darf auch die offizielle Darstellung glauben, dass der Rücktritt nichts mit der Aberkennung der „AAA“ Note der USA zu tun hatte.

 

Es ist nun einmal so, die Zeiten sind rauh. Die Schuldenkrise wütet. Jedes Land braucht weiter frisches Geld, da ist es gut, dass immer andere Länder in den Fokus der Spekulanten geraten und man selbst sich schön bedeckt halten kann.

 

Was läge also näher aus der Sicht der USA, als den Brand in Europa zu legen, sich unter dem Deckmantel des „Fehlers“ reinzuwaschen und zuzusehen, wie die Europäer versuchen, das angekratzte Image wieder aufzupolieren? Ganz abwegig ist der Gedanke nicht.

 

Mit freundlichen Grüßen

 

Ihr

start-trading Team

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