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Europa ist fest im Griff der Schuldenkrise. Aber woher kommen die ganzen Schulden? Wie sind sie angehäuft worden? Und wieso hat keiner schon vorher mal vor dieser Problematik gewarnt? Was in Jahrzehnten an Staatsschulden aufgetürmt wurde, ist nun über Nacht ins Blickfeld der Weltgemeinschaft gerückt. Die Schulden wurden einfach so gemacht, oder wie kann man sich das vorstellen?

 

Die wichtigste Nachricht ist, Schulden können nur gemacht werden, wenn den Staaten auch jemand das Geld leiht. Es gehören also immer mindestens zwei dazu. Wenn ein Staat durch Steuereinnahmen zum Beispiel nur 100 Euro in der Kasse hat, dann kann er auch nur 100 Euro ausgeben, mehr nicht. Bis hierhin ist es recht einfach. Es hätte also niemals soweit kommen müssen, wenn da nicht die Anleihekäufer wären. Diese sitzen auf viel Geld und suchen Investitionsmöglichkeiten. Das sind Institutionen wie Banken, Versicherungen und Pensionsfonds, die das Geld ihrer Kunden verwalten. Diese Institutionen geben den Staaten Geld und bekommen dafür Zinsen.

 

So beginnt das Unheil. Die Staaten leihen sich nun Geld, indem sie Staatsanleihen ausgeben. So bekommen Staaten immer frisches Geld und müssen sich nicht um einen ausgeglichenen Haushalt ohne Fremdkapital kümmern. Die Gläubiger, die Anleihen gekauft haben, bekommen ihr Geld am Ende tatsächlich vom verschuldeten Staat zurück. Denn dieser verschuldet sich erneut bei weiteren Institutionen und zahlt die fälligen Schulden so zurück. So werden in immer kürzeren Abständen neue Anleihen ausgegeben, um die Löcher im Haushalt zu stopfen und um sich neu mit Kapital einzudecken.

 

Das ist genauso, als wenn Sie sich Geld von Ihren Eltern leihen, um damit Ihren Lebensunterhalt zu finanzieren. Wenn der Moment der Rückzahlung kommt, leihen Sie sich frisches Geld von Ihren Geschwistern und begleichen damit die Schulden bei Ihren Eltern. Und wenn Sie das Geld für Ihre Geschwister benötigen, leihen Sie sich das Geld und etwas mehr von Ihrem Nachbarn, damit zahlen Sie Ihre Geschwister aus und frönen dem schönes Leben. Da Ihre Familienmitglieder sehr zufrieden mit Ihren pünktlichen Zahlungen sind, borgen Sie Ihnen gerne wieder frisches Geld. So zirkuliert Kapital am Anleihemarkt. Solange frisches Geld reinkommt, freuen sich alle, obwohl sich Ihre Schulden mit jedem neuen Geschäft erhöhen.

 

Der oben beschriebene Weg zeigt, wie Staaten sich immer höher verschulden müssen um den Kreislauf in Gang zu halten. Wenn zu irgendeinem Moment ein Staat seine Schulden nicht bezahlen würde, dann würde das Kartenhaus zusammenfallen und der Staat wäre Pleite. Dabei weiß jede Regierung, wie es um die Staatsfinanzen steht, aber keine Führung eines Staates denkt daran, diese auch mal zurückzuzahlen. Warum auch? Alle anderen Staaten zahlen ihre Schulden ja auch nicht zurück. Will man also nicht an Wettbewerbsfähigkeit verlieren, muss man bei der Schuldenorgie mitmachen. Außerdem konnte und wollte keine Regierung ihren Bürgern die Wahrheit präsentieren. So gaben sich verschiedene Parteien jeglicher Couleur die Klinke in die Hand. Nur sparen wollte niemand. Das höchste der Gefühle für die Bürger eines Staates war eine Ankündigung, dass in einem Jahr die Regierung ohne neue Schulden auskommt. Was dann gleich gefeiert und in den Medien zelebriert wurde. Ohne Neuschulden heißt nichts anderes als: wir werden nicht sparen, wir müssen uns nur nicht weiter verschulden. Daran ist rein gar nichts zu feiern.

 

So wurden die Schuldenberge immer größer. Eine Spirale, die sich immer schneller drehte. Die Staaten gaben weiter Anleihen heraus, die Käufer erwarben diese und bekamen auch ihr Geld nach der Laufzeit wieder. So hatte niemand bisher einen Grund zu klagen. Was ist nun anders? Während zu Beginn der Schuldenorgie die Schulden einen kleinen Teil im Verhältnis zur Wirtschaftsleistung einer Nation darstellten, ist die Bedienung von Schulden heute eine große Ausgabenposition geworden. Es nimmt den Staaten die Luft zum atmen und schränkt sie in ihrer Handlungsfähigkeit ein.

 

Die Gesellschaft hat einfach die Augen vor den gigantischen Schulden verschlossen. Alle Individuen wussten, was sie taten, und doch konnte diese, sagen wir Scheingeschäfte, so lange ohne Hinterfragen zirkulieren. Der Verkauf von Staatsanleihen wurde in einer Aura eines legales Geschäftes zur Finanzierung dargestellt. Aber sie war kein Geschäft, sondern nur eine Legalisierung, dass Staaten Schulden in ungeahnter Höhe machen konnten.

 

Heute sind wir soweit, dass kein Tag ohne eine Krisenmeldung zur Schuldenproblematik vergeht. Besonders Europa sticht hier hervor, aber auch andere Staaten wie Japan oder USA sind bis zur Nasenspitze (Unterlippe wäre zu positiv dargestellt) verschuldet. Die Staaten versuchen nicht aufzufallen, um die Aufmerksamkeit der Finanzmärkte nicht auf sich zu ziehen. Da ist es besser, den Fokus auf andere zu lenken. So zeigen die Amerikaner oft mit dem Finger auf Europa, obwohl die USA vor der eigenen Haustür kehren müsste.

 

Alle verschuldeten Staaten eint Folgendes: Die Schulden wurden ganz einfach gemacht. Es wurde ihnen ja auch leicht gemacht. Die Staaten mussten sich nicht mehr darum kümmern, dass sich Einnahmen mit den Ausnahmen deckten. Anstatt zu haushalten hat man sich permanent frisches Geld besorgt. Darin liegt ein wesentlicher Grund, dass die Schuldenkrise so weit ausufern konnte. Es musste ja nie gespart werden. Hätten die Anleihekäufer viel früher auf die Bremse getreten und von hoch verschuldeten Staaten keine Anleihen mehr gekauft, dann wäre die Problematik viel früher aufgeflogen.

 

Den Anleihehändlern wurde die Vergabe von Kapital versüßt. Bei Staaten mit höherer Verschuldung gab es die bessere Rendite. Also scherten sich die Gläubiger nicht um die Gefahr. Erstens hat dieses System schon immer funktioniert, so hatte man es auch gelernt. Außerdem gibt es da die Ratingagenturen, die haben die Staaten entsprechend als kreditwürdig bewertet. Und zu guter Letzt gibt es ja auch noch die Eurozone. Die Gläubiger glauben nicht, das Europa ein Land aus der Gemeinschaft fallen lässt. Also hat man sich nicht über den Grad der Verschuldung eines Staates Gedanken gemacht, sondern nur um die Höhe der Verzinsung. Die Schuldenorgie konnte weitergehen.

 

Die Schuldenkrise ist nicht über Nacht über die Menschheit gekommen. Das gilt es nicht zu vergessen. Die Schulden wurden immer weiter aufgetürmt, um sie folgenden Generationen und Regierungen zu überlassen. Verursacht wurden sie von den Regierungen und gebilligt wurden sie von den Bürgern.

 

Mit freundlichen Grüßen

 

Ihr

start-trading Team

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