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Die EZB soll noch heute Nachmittag zu einem Geheimtreffen zusammenkommen. Geheim ist es jetzt nicht mehr, doch die Information reicht aus, um die Anleger in einen Kaufrausch zu versetzen. Wird eine erneute Zinssenkung verkündet? Werden noch mehr italienische Anleihen gekauft? Niemand weiß etwas Genaues, doch die Macht des Gerüchtes funktioniert immer noch blendend an der Börse.

Der Tag begann sehr schwach für den DAX. Der Index notierte bereits unter 5700 Punkten in der Vorbörse und damit wurden wichtige Unterstützungslinien gerissen. Verkaufstrigger wurden aktiviert. Verkaufssignale, wohin man sah. Die Lage war äußerst brenzlig. Ein Crashtag stand bevor, hätte ein neutraler Beobachter gesagt. Doch weit gefehlt. Der DAX eröffnete bei 5732 Punkten und begann schnurstracks seinen Weg nach oben.

Zu Beginn war der Anstieg des Indexes noch eine Gegenreaktion auf die Verluste zur Eröffnung. Bei 5750 Punkten führte die ehemalige Unterstützungslinie, die jetzt als Widerstand fungieren sollte. Man muss "sollte" schreiben, da sich der DAX um nichts mehr scherte. Es ging von Minute zu Minute weiter nach oben. Einfach so. Fassungslos sahen die Anleger zu, was der Index wohl noch vor hatte.

Ein 200 Punkte Anstieg aus dem Stand war das Ergebnis. Der Index hatte jegliche Analyse zunichte gemacht. Anleger, die auf fallende Kurse gesetzt hatten, mussten starke Verluste einstecken. Vielen Beobachtern blieb nur das Reiben der Augen. Was war los? Ist Italien gerettet? Ist die Schuldenkrise vorüber? Während sich niemand einen Reim auf die starken Käufe beim DAX machen konnte, sickerte die ersehnte Begründung durch. Die EZB will sich heute zu einem außerplanmäßigen Meeting treffen.

 

Quelle: Deutsche Börse

 

Der Markt hofft, dass ein Blankoscheck ausgestellt werden wird. Das heißt, die EZB wird Anleihen hoch verschuldeter Länder unbegrenzt aufkaufen. Sie kauft bereits heute schon Anleihen von Problemstaaten, aber es geht wieder einmal um ein Signal an die Märkte. Denn Italien bleibt die Luft zum Atmen weg. Das klingt ein wenig mitleidig. Verschuldet haben sie das selbst. Jedenfalls muss Italien bereits Zinsen von über 7% bieten, damit sich ein Investor bereit erklärt, Anleihen zu ordern. Unter Experten sind Zinssätze über 7% nicht lange von einem Staat zu finanzieren. Damit also Italien nicht rot anläuft und umkippt, muss sofort gehandelt werden. Die Notmaßnahme heißt "Emergency Meeting der EZB". Damit soll Italien wiederbelebt werden.

Allein das Gerücht, dass es zu einem Sondertreffen kommt, verändert das Meinungsbild der Börsianer von stark negativ auf stark positiv. Denn das Ergebnis ist leicht auszumalen. Ein klares Zeichen der EZB würde die Spekulanten von Italien verscheuchen und die Zinssätze wieder runter kommen lassen. Der kranke Patient wäre vorübergehend gerettet. Ohne Italien auf der Intensivstation würden sich die Aktienmärkte wieder auf das Steigen der Kurse konzentrieren können. Da wollen die Anleger von Anfang an dabei sein. So einfach kann Börse sein.

Die Ankündigung des Treffens hat wichtige Auswirkungen auf die Aktienmärkte. Mit der Eröffnung heute morgen waren fallende Kurse fast schon vorprogrammiert. Wollte man nicht, daß es zu einem großen Verkaufssignal kommt (Aufgabe des Bereiches 5750 Punkte) und das massive Verkäufe am Markt einsetzen, musste man schnell handeln. Ein Crashtag musste unter allen Umständen verhindert werden. Die Zeit war knapp.

Es passierte das, was die Börsianer zur Genüge aus dem USA kennen. Wenn es eng wird an der Wallstreet, dann springt das Plunge Protection Team ein und verhindert einen Absturz der Börsen. Auch in Europa scheint man sich diese Mittel zu Nutze zu machen. Wenn alles brach liegt an den Börsen, dann erscheint plötzlich eine rettende Hand und zieht die Kurse nach oben.

Es bleibt dabei, die Schuldenkrise ist nicht gelöst. Die Aktienkurse können nur durch eilige Stabilisierungsmaßnahmen vor weiteren Verlusten gestützt werden. Genauso schnell wie die Kurse steigen, fallen sie auch wieder. Für den Moment dominiert die Hoffnung auf die nachmittägliche Sitzung.

Mit Gerüchten konnte man die Börsen schon immer in die eine oder andere Richtung bewegen. Liest man in der Zukunft über den heutigen Kursverlauf, dann wird man über ein Fehl(Verkaufs)signal sprechen, wo Investoren auf dem falschen Fuß erwischt wurden. Dass es aber hier zu einem Eingriff in den Markt gekommen ist, der diesen positiven Effekt erst ermöglicht hat, darüber wird man nichts lesen.

 

Mit freundlichen Grüßen

 

Ihr

start-trading Team

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