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Manchmal muss man der Wahrheit ins Auge blicken. Das kann weh tun, aber man würde das Ausmaß des Unglücks besser wahrnehmen, anstatt sich dem Schein "alles wäre doch nicht so schlimm" hinzugeben. So in etwa ist die Situation um Italien. Nachdem das Schuldendrama um Griechenland vorgeführt und sich der Vorhang gesenkt hat, betritt nun Italien die große Bühne der Eurozone.

Auch bei Italien beginnt das Schauspiel mit viel Schein. Es ist zwar jedem Zuschauer bekannt, dass der europäische Riese in Schulden versinkt, die er niemals zurückzahlen kann, doch lieber lässt man sich von dem aktuellen Schauspiel blenden. All das drumherum um die Schuldensituation Italiens ist nur Show. Der Betrachter will geblendet werden. So soll es sein.

Es ist nun einmal so, dass die Schulden die Italiener erdrücken. Die Gesamtschulden belaufen sich auf 1,9 Billionen Euro. Fast jede Woche braucht Italien dringend frisches Geld. Die Lage ist kritisch. Dabei ist die Schuldenlawine nicht über Nacht über die Italiener gekommen, sondern wurde selbst verschuldet. Das ist wichtig zu wissen, da bei Berichten aus dem südlichen Land gerne in der dritten Person berichtet wird.

Das Drama beginnt nun mit dem ersten Kapitel.

Die Ignoranz der Betrachter war das erste Kapitel. Dies ist bereits vorüber. Dabei wurde die Schuldensituation zunächst klein geredet ("Italien ist nicht Griechenland" und "man muss die Schulden im Verhältnis zur Wirtschaftskraft sehen" oder "Italien stehe gut da"). Das hochverschuldete Land wurde besser dargestellt als es ist ("Italien hat eine ausgeprägte Wirtschaft" und "sie wächst bald wieder"). Doch will sich einfach keine Besserung einstellen. Der Zuschauer will sich leiten lassen, mitnehmen lassen in eine Welt, bei der die Krise nicht existiert. Er will in einem Aussmaß getäuscht werden, die man sich kaum vorstellen kann. Doch das wird immer schwerer, denn je länger das Schuldendrama geht, umso schlimmer ist auch die zu verschleiernde Situation.

Im zweiten Kapitel muss sich der Betrachter, trotz anders lautenden Beteuerungen zu Beginn des italienischen Schuldendramas,  mit der schlimmen Lage des Landes auseinandersetzen. Wegsehen hilft eben nicht. Doch der Wille geblendet zu werden ist so stark beim Menschen, dass er nicht mit dem Finger auf die Wunde, nämlich auf den schmerzhaftesten Punkt zeigt, sondern einfach nur das brisante Thema anspricht, ohne konkret zu werden. So ist der Mensch, so handelt die Politik.

Im dritten Kapitel muss nun Tacheles geredet werden, es hilft nicht mehr, nur Andeutungen zu machen. Also wird Italien auf seine Schuldensituation hingewiesen. Es solle sparen, um wieder auf den Pfad der Tugend zu finden. Und was macht Italien? Es verspricht das Blaue vom Himmel. So geschehen beim letzten EU-Gipfel. Diesen Teil des Dramas finden Sie in jeder Schulden-Geschichte. Alle Staaten, die hoch verschuldet sind, versprechen alles, was gehört werden will.

Im letzten Kapitel ist die Lage ausweglos und es kommt zum bekannten Zittern. Es folgen die schnellen Handlungen der Euro-Retter ohne Konzept und ohne Plan. Gipfel werden einberufen, Drohungen ausgesprochen. Das alles konnte man schon bei dem Drama um Griechenland verfolgen. Jedes Treffen in Italien wird nun beäugt, jedes Gerücht gierig aufgenommen. Gestern machte ein Gerücht über einen eventuelle Rücktritt von Silvio Berlusconi die Runde. Sofort bewegten sich die Finanzmärkte in die eine Richtung und nach dem Dementi in die andere.

Man hat nun Sorge in der europäischen Union, dass Italien die Sprengkraft besitzt, die Griechenland nicht hatte. Nämlich, dass es zum Auseinanderbrechen der Europäischen Gemeinschaft kommt.

Die Finanzmärkte lassen sich nicht so leicht beirren wie das Volk, das das italienische Schuldendrama verfolgt. Trotz aller Versprechen und Absichtserklärungen aus Rom sind die Riskoaufschläge für italienische Staatsanleihen zu Wochenbeginn auf neue Rekordwerte gestiegen. Wenn es ums Geld geht, hört die Freundschaft bekanntlich auf.

Im letzten Teil dieses Artikels muss die Aussage "Italien ist Pleite" nochmals wiederholt werden. Es hilft kein Rettungsversuch, keine Sparabsicht, kein Wechsel von Regierungschefs usw. Es ist schlicht unmöglich, diesen enormen Schuldenhaufen abzutragen. Je eher sich die Bürger mit dieser klaffenden Wunde im Süden Europas auseinandersetzen, umso weniger tut es weh, wenn das Unausweichliche eintritt. Der Staatsbankrott Italiens.

Kleine Anmerkung: Unser Artikel mag vielleicht für einen glühenden Europaanhänger oder gar einen italienischen Leser zu schwarz gemalt wirken. Das war im Schuldendrama von Athen auch nicht anders. Im Falle Griechenlands haben wir die Pleite und den bald folgenden Austritt aus der europäischen Gemeinschaft (wurde beim letzten EU-Gipfel als Möglichkeit erwähnt), bereits vor 6 Monaten skizziert. Heute ist unser Artikel "Griechenland, der Euro, der Austritt" aktueller denn je.

 

Mit freundlichen Grüßen

 

Ihr

start-trading Team

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