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Die Fronten sind abgesteckt. Die Politik und die Finanzindustrie wollen auf jeden Fall eine Volksabstimmung vermeiden. Es geht um viel Geld und um Kopf und Kragen. Denn es wird für viele äußerst ungemütlich, wenn die Meinung des Volkes nicht die gewünschte der Eliten ist, und einen Austritt Griechenlands aus dem Euro zur Folge hat. Deshalb will man eine Volksabstimmung unbedingt vermeiden.

 

Zunächst hat man den griechischen Premier Papandreou gestern Abend in Cannes zusammengestaucht. Die sonst so kühle und bedachte Kanzlerin Merkel, sowie der französische Präsident Sarkozy machten unmissverständlich klar, was sie von der griechischen Regierung erwarten. Sie solle sich zur Eurorettung bekennen und sie solle nichts alleine unternehmen, ohne dass die EU vorher gefragt wird. Umgangssprachlich würde man sagen, die Griechen sollen „einfach den Mund halten“. Merkel und Sarkozy wollen hier einen Kontinent retten und die kleinen Griechen pfuschen dauernd dazwischen.

 

Die Griechen und besonders Premier Papandreou sind ins Kreuzfeuer geraten, weil er eine Volksabstimmung angekündigt hatte. Das helenische Volk soll darüber entscheiden, ob es die Beschlüsse des letzten Euro-Gipfels annimmt. Ein „Nein“ bedeutet ein Ende der griechischen Mitgliedschaft im Euroverbund. Die Chancen stehen gut für die Helenen, dass sie auch ein „Nein“ erreichen werden.

 

Dagegen formieren sich nun die Politik und die Finanzmärkte. Die Politik will auf jeden Fall eine Abstimmung verhindern und unterstützt vehement den Euro. „Wir werden den Euro verteidigen“ oder „wir werden den Euro fortführen mit oder ohne Griechenland“, hieß es gestern Abend. Die Politik will keinen Zweifel aufkommen lassen, dass der Euro auseinander brechen könnte.

 

Ebenso scheinen die Finanzmärkte ein Signal setzen zu wollen. Zunächst eröffneten die Börsen über 2% im Minus, nachdem bekannt wurde, dass die EU einen Ausstieg der Griechen aus dem Euroverbund hinnehmen würde. Das war bisher nicht der Fall, man wollte Griechenland unbedingt retten. Da die Auswirkungen eines Austritts noch nicht ganz absehbar sind, fielen die Börsenkurse ausserbörslich.

 

Mit der europäischen Börseneröffnung aber passierte etwas, womit niemand gerechnet hatte. Obwohl die Eurozone möglicherweise vor dem Aus steht, obwohl die Griechen in Kürze die erste Staatspleite eines EU-Landes verkünden müssen, stiegen die Kurse. Was zunächst zaghaft begann, wurde zu einer echten Rakete. Wie Öl aus einer sprudelnden Ölquelle schoss der DAX nach oben. Nichts konnte den Index stoppen. In nur wenigen Stunden wurden aus 5832 Punkte schnell 6193 Punkte.

 

Quelle: Deutsche Börse AG

 

Schnell wurde der Anstieg damit begründet, dass der griechische Premier Papandreou die heutige Vertrauensabstimmung nicht überstehen würde. Die Börsen feiern bereits seine Niederlage. Als wollten die Finanzmärkte ein Zeichen ihrer Dominanz setzen, machen sie Folgendes klar: Wer ihre Interessen (die der Finanzmärkte) nicht unterstützt, der ist schnell weg vom Fenster.

 

So macht die Hoffnung die Runde, dass wenn Papandreou zurücktreten muss, dass auch die Volksabstimmung vom Tisch ist. Es scheint eine Heidenangst der Politik und der Finanzmärkte vor der Einbeziehung ihrer  Bürger zu bestehen.

 

Eine Volksabstimmung ist ein wesentlicher Teil einer Demokratie. Dies beschwört die EU zwar regelmäßig, aber wie Ernst sie es damit meint, kann man an den Geschehnissen dieser Tage deutlich sehen.

 

Mit freundlichen Grüßen

 

Ihr

start-trading Team

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