Indikatoren-Trading

Soviel Dramatik hat schon lange kein Ereignis mehr hervorgerufen. Plötzlich erinnert man sich daran, dass Griechenland ein eigenständiges Land ist. Eine Nation, die in der Lage ist, Entscheidungen zu treffen, die sie als Staat für richtig erachtet, ohne von der EU bevormundet zu werden. Das konnte man nämlich in den letzten Monaten oft vergessen.

 

Die europäische Gemeinschaft ist, wie der Name schon sagt, eine Gemeinschaft. Alle Nationen zusammen sind für eine Sache. Das Prinzip „Alle für einen, einer für alle“ bekam Risse. Das Miteinander wich der Hierarchie der wichtigen und weniger wichtigen Staaten. Man konnte verfolgen, wie wenige Staaten diktierten und die Griechen nur abnicken mussten. Hat die EU die Daumenschrauben zu sehr angezogen? Wurde zu viel Druck auf die Griechen ausgeübt, so daß diesen noch die Flucht nach vorne blieb?

 

Die EU hat Geld und Griechenland braucht welches. Doch nicht die Griechen haben davon profitiert, sondern die Gläubiger der griechischen Anleihen. Jeder Tranche wurde ausgezahlt und direkt weitergereicht, um die fälligen Schulden zu begleichen. Am griechischen Staat ging das Geld aus Europa vorbei. Die Troika aus Abgesandten aus der EU, der EZB und dem IWF entschied über die Köpfe der Griechen hinweg über Wohl oder Übel der Bürger. Wenn die Griechen nicht kuschten, dann wurde gleich gedroht, die nächste Zahlung nicht anzuweisen. Sollte man in einer Gemeinschaft überhaupt drohen?

 

Die Forderung der „vermögenden“ Europäer war striktes Sparen. Dabei hat man es aber nicht den Griechen überlassen, an entsprechender und vor allem richtiger Stelle zu sparen, sondern hat blind diktiert. Und auch gleich wieder den Zeigefinger gehoben, sollten die Griechen nicht spuren. Jetzt ist es so, dass das „wie“ beim Sparen ebenso wichtig ist, wie nur die Absicht.

 

Stellen Sie sich vor, Sie wären ein griechischer Bauer. Sie haben Schulden und sollen sparen, aber sofort. Dabei werden Sie gezwungen, Ihren Trecker zu verkaufen, Ihre Tiere, und nicht zu vergessen, Sie besitzen ja noch Land. Das bitte auch. Dann haben Sie zwar für den Monat gespart, aber spätestens im Folgemonat stehen Sie mittellos da. Da Sie Ihr Handwerkszeug verkauft haben, fehlt es Ihnen jetzt natürlich für die Güterproduktion und den darauffolgenden Handel. Sie sind also am Ende.

 

Eben diese Aussicht auf eine hoffnungslose Zukunft trieb die Griechen nach Athen, um vor dem Parlament zu demonstrieren. Es blieb nicht nur bei einer Demonstration, sondern die wütenden Bürger schlugen sich gegenseitig die Köpfe ein, dass einem als Betrachter Angst und Bange wurde.

 

Ebenso geriet die Politik in Sorge. Die musste Angst um ihr eigenes Wohl haben und wog ab zwischen weiter den Handlager der EU zu spielen, oder von dem eigenen Volk gelyncht zu werden. Die Wahl ist entsprechend getroffen worden. In der Not ist sich jeder selbst der Nächste, so dachte auch Premier Papandreou als er entschied, dass das Volk über die Zukunft des Landes abstimmen soll.

 

Somit geht es nicht nur allein um den griechischen Volkswillen, sondern auch um die eigene Haut der Politiker. Papandreou ist nicht seit gestern glühender Anhänger der Volksabstimmung geworden. Lange genug hat man nicht auf das Volk gehört, nun will er natürlich die Verantwortung auf die Bürger lenken. Egal was sie entscheiden, sie müssen die Konsequenzen tragen.

 

Diese griechische Wendung bringt die europäische Gemeinschaft in Aufruhr. Endlich scheint sich etwas in dem europäischen Beamtenapparat zu bewegen. Dieser Starrsinn der letzte Monate, mit dem man sich von einem Gipfel zum nächsten gehangelt hat, ist nun zu Ende. Entscheidungen müssen jetzt getroffen werden.

 

Der erste Stein ist ins Rollen geraten, es bewegt sich wieder etwas in Europa. Die Griechen werden oder müssen aus der Gemeinschaft austreten und ihre eigene Währung wieder einführen. Dieser Prozess ist nicht mehr aufzuhalten.

 

Mit freundlichen Grüßen

 

Ihr

start-trading Team

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