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Wie die Hebellösung der EU funktioniert und wieso die Chinesen am Hebel sitzen, erklärt dieser Artikel. Die Ausgangslage ist so schlicht wie einfach: Die Europäer haben kein Geld und brauchen dringend welches. Die Chinesen haben Unmengen an Geld und brauchen dringend Investitionsmöglichkeiten. Was liegt also näher, als dass beide Parteien zueinander finden?

 

Zunächst zur Funktionsweise der Hebellösung, die auf dem letzten EU-Gipfel angekündigt wurde. Im EU-Rettungsfonds sind offiziell 440 Mrd. Euro. Ein Teil davon davon ist bereits für Hilfen an Portugal und Irland (ca. 50 Mrd. Euro) verplant. Ein weiterer Teil ist schon ausgegeben worden, um spanische und italienische Anleihen zu kaufen. Der Rest reicht nicht aus, um weiterhin Anleihen von Staaten in Schieflage aufzukaufen. Also braucht Europa dringend Geld. Da kein weiteres Geld von den EU-Bürgern ausgepresst werden kann, muss eine andere Lösung her.

 

Nehmen wir zum Beispiel an, im Hilfsfonds liegen 200 Mrd. Euro. Dann kann die EU, wenn sie wie bisher ohne Hebel weitermacht, nur für 200. Mrd Euro Staatsanleihen aufkaufen, danach wäre der Topf wieder leer. Die Funktionsweise der Hebellösung ist wie folgt: Man lässt andere für sich kaufen, garantiert im Gegenzug  einen Teil der Investition und kann damit ein Mehrfaches des eigentlichen Topfvolumens bewegen. In unserem Beispiel versichert die EU 20% der Investitionssumme des Investors. Das bedeutet für jede 100 Mrd. Euro, für die jemand europäische Anleihen kauft, hinterlegt die EU 20 Mrd. Euro als Sicherheit.

 

Das bedeutet, die EU hat nur 20 Mrd. Euro aufbringen müssen, hat aber über den Umweg neue Gläubiger dazu bewegen können, 100 Mrd. Euro zu zahlen. Wenn jetzt viele Investoren europäische Staatsanleihen kaufen würden und die EU immer nur die 20% der Summe versichert, dann können 2 Billionen Euro mit dem aus unserem Beispiel angenommenen 200. Mrd. Euro bewegt werden. Das wäre die zehnfache Summe der heutigen Volumengröße. So funktioniert die Hebelwirkung.

 

Es ist nun so, dass Investoren animiert werden sollen, in europäische Anleihen zu investieren. Deshalb befinden sich auch die Verantwortlichen des EFSF Rettugsfonds bereits auf Werbetour durch Asien, um Geld aus den Schwellenländern locker zu machen. Man wirbt für frisches Kapital. Fachlich korrekt müsste man das „Roadshow“ nennen. Umgangssprachlich muss man es „Betteltour“ durch Asien nennen.

 

Die Chinesen sind Investoren, die auf 2,3 Billionen USD Devisenreserven sitzen. Sie müssen mit dem Geld auch etwas anfangen. Daher ist ein Angebot, 20% der Investition zu sichern, wenn ein EU-Staat Pleite gehen sollte, ein Bonbon für die Chinesen in Europa zu investieren. Das Geld wäre also nicht ganz weg. So finden sich scheinbar Verkäufer und Käufer zusammen. Aber und nun wird es heikel, die Chinesen sind nicht blind, sie sehen ebenso die Schieflage der europäischen Staaten. Ihr Geld werden die Asiaten nicht aus dem Fenster werfen. Auch wenn 20% versichert sein sollten, 80% des Geldes wären weg. Ohne Risiko ist eine Investition in europäische Staatsanleihen nicht. Wenn sich kein Investor findet, der europäische Anleihen kauft, dann ist die viel gelobte „Hebelösung“ völlig wirkungslos.

 

Die Chinesen haben das Geld und bestimmen die Regeln, den Europäern bleibt nur das „Hoffen“ und „Bitten“. Die Asiaten wollen Mitspracherechte in der europäischen Politik, sie wollen mitgestalten und natürlich zu ihrem Vorteil Entscheidungen beeinflussen. Ein brandgefährliches Spiel, dass die europäischen Staatslenker hier spielen. Man kann nur hoffen, dass sie die Zügel nicht aus der Hand geben.

 

Europa ist am Ertrinken und die Chinesen winken mit den rettenden Milliarden. Es gibt nun zwei Wege, die jetzt eingeschlagen werden können: Entweder verkauft sich Europa oder die Europäer stemmen sich nicht mehr gegen das Unausweichliche und lassen die nicht verhinderbaren Staatspleiten zu.

 

Mit freundlichen Grüßen

 

Ihr

start-trading Team

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