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Freuen Sie sich auch? Europa und und der Euro sind gerettet. Es wurde eine Lösung präsentiert und nun wird alles wieder gut. Eine Lösung, die zwar niemand so richtig versteht, die Details sollen ja noch verhandelt werden, aber die Bürger fühlen sich erst einmal besser. Keine Bank wurde geschlossen, unsere Einlagen sind noch da und mit dem Euro konnten wir heute morgen noch unsere Brötchen bezahlen. Dem Leser darf ein großer Stein vom Herzen fallen.

 

Noch am Vortag der entscheidenden Sitzung am Mittwoch Abend überkam uns noch ein Gefühl der Unsicherheit. Steht die Welt am Abgrund? Wird es den beiden kühnen Superhelden Merkel und Sarkozy gelingen, die Schurken der dunklen Finanzwelt in die Schranken zu weisen? Was noch vor wenigen Tagen mit vielen Fragezeichen versehen war, ist heute Vergangenheit. Ja, unsere beiden tapferen Kämpfer für das Gute haben es geschafft. Europa ist gerettet.

 

Die Gläubiger, die auf risikoreiche Griechenland Anleihen gewettet hatten, müssen jetzt auf 50% Prozent ihrer Forderung verzichten. So wurde es den Bürgern vermittelt. Und bitte nur die Privaten, das sind unter anderem Banken und Versicherungen, die das große Vermögen ihrer Kunden verwalten und ebenso wichtig „nur auf freiwilliger Basis“. Sonst stehen die Ratingagenturen schnell vor Europas Türen und werten den Deal als „Default“. Details sollen aber erst noch verhandelt werden. Die Papiere, die die Staaten halten, müssen weiterhin voll bedient werden, heisst es weiter. Die Börsen haben sich so sehr über den 50% Schuldenschnitt gefreut, dass die Aktienkurse, besonders die der Bankenwerte, durch die Decke gingen. Zweistellige Zuwächse waren die Regel und hätte der DAX am Donnerstag nicht um 17:30 Uhr geschlossen werden müssen, weil die Handelszeit zu Ende war, dann wäre dieser auch noch zweistellig gestiegen. Am Ende schloss der Index am Nachmittag mit 5% Kursplus.

 

Die vollautomatischen Handelscomputer haben sich über den Donnerstag besonders freuen können. Sie kauften und die Kurse stiegen, andere Rechner kauften auch und die Kurse stiegen schneller. Viele Rechner kauften mit dem Trend und viele Kurse stiegen in schwindelerregende Höhen. Nur die Anleger schauten verdutzt zu. Sie kamen nämlich nicht zum Zug. So ist das, wenn die Börsenwelt nicht mehr mit Menschen, sondern mit Computern bestückt ist. Dann handeln eben die Rechner unter sich. Denn die denken in Al­go­rith­men und nicht in hoher Preis / niedriger Preis. Daher kaufen die Rechner auch noch weiter, obwohl der DAX 3% gestiegen war und Aktien schon über 10% im Plus waren.

 

Aber zurück zu unseren Superhelden Merkel und Sarkozy. Sie sollen so richtig hart mit den Bösewichten der Finanzindustrie verhandelt haben. Keinen Millimeter wären sie von ihrer Position abgerückt, um das Wohl der europäischen Bürger zu wahren. Sie hätten sogar die berühmte Pistole gezückt, um sie den Verhandlungspartnern auf die Brust zu setzen. Unsere Superhelden haben die Finanzmafia vor vollendete Tatsachen gestellt. Entweder ihr fresst oder sterbt! Sprich: ihr akzeptiert unser Angebot, denn es gibt kein neues. So sollen sie gedroht haben. Ach wie tapfer, dem Leser wird ganz warm ums Herz.

 

Warum beschleicht einen das Gefühl, dass die Banken nur provisorisch verhandelt haben? Man sieht es förmlich vor sich, wie die Banken vor den Kameras über das große Opfer eines 50% Schuldenschnitts Krokodilstränen vergießen, und sich ins Fäustchen lachen, wenn die Kameras aus sind. Ist es vielleicht kein echter Schuldenschnitt, sondern nur ein Tauschgeschäft? Sind die wertlosen Griechenland Papiere der Banken vielleicht schon längst im Depot der EZB gelandet? Jetzt sieht es so aus, als ob sich auch Banken an der europäischen Rettungsaktion beteiligen, doch was hinter dunklen Vorhängen passiert, bleibt dem neutralen Betrachter verborgen. Es riecht danach, dass die Banken nicht für die Euro-Rettung bluten müssen, weshalb auch deren Börsenkurse so stark zulegten. Details des wahren Deals werden wohl bald ans Licht kommen.

 

Gestärkt durch ihren Erfolg und mit neuem Elan betreten unsere Superhelden nun wieder Europas Boden und treten stolz vor die Kameras. Diesmal wollen sie wirlich aufräumen, soll vermittelt werden und dabei helfen alle mit. Auch die Medien. Haben Sie vielleicht am Tag nach dem EU-Gipfel die Nachrichten im Fernsehen gesehen? Die deutsche Superheldin wurde im besonders schönen Rampenlicht präsentiert. Besonders eindrucksvoll war ihr stolzer Gang zu den Mikrofonen, die uns die TV Sender nicht vorenthalten wollten. Mit zielstrebigen Schritten steuerte sie auf ihr Ziel, das Rednerpult, zu. Da erblassten sogar die beiden Präsidenten der USA Busch jr. und Obama vor Neid. Auch die beiden werden beim Gang zu den Mikrofonen gefilmt, aber so gut wie Frau Merkel kann das eben niemand. Den Medien sei Dank. Es gilt noch immer: “Made in Germany” ist absolute Qualität.

 

Und als wären all die Erfolge zur Euro-Rettung nicht schon genug. Nein, auch den Pleitemacher Berlusconi wiesen sie in die Schranken. Er musste versprechen, dass er sich in Zukunft mehr über das Sparen Gedanken macht und die italienischen Euros nicht nur für Bunga Bunga Parties ausgibt. Auch wenn es dem Latino Italiener schwer gefallen ist, sich die süßen Abende zu versagen, aber gegen das starke europäische Traumduo Merkel Sarkozy musste er nachgeben: Er versprach zu sparen.

 

Das war dann auch das i-Tüpfelchen einer beispiellosen Heldentat. Europa stand am Abgrund und wurde im letzten Moment gerettet. Ein Hurra auf unsere Superhelden.

 

Mit freundlichen Grüßen

 

Ihr

start-trading Team

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