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Der Showdown zur Euro-Krise soll an diesem Mittwoch ausgetragen werden. Heute will die Politik den Bürgern, vor allem aber den Finanzmärkten eine allumfassende Lösung zur europäischen Schuldenkrise präsentieren. Was im ersten Blick auf ein Duell der Regierungen gegen die Finanzmärkte hinausläuft, ist schon längst entschieden. Denn die Zeit ist abgelaufen, es ist bereits fünf nach zwölf.

 

Die Zeit, eine wirkliche Lösung zu erarbeiten, ist in den letzten Jahren vergeudet worden. Die Politik verstand das Problem nicht und die Finanzindustrie ließ sich das große Mahl, an dem sie so köstlich zehrte, nicht wegnehmen. So blieb es nur bei fruchtlosen Treffen, ein EU-Gipfel folgte dem nächsten, ohne Resultate, ohne Beschlüsse.

 

Bisher konnte die Schuldenproblematik nur mit neuem Geld kaschiert werden. Scheinbar „rettete“ man ein Land wie Irland, Portugal oder Griechenland, indem man Geld transferierte. Immer schneller werden nun weitere Milliarden transferiert, um den Schein zu wahren, dass die Euro-Krise doch noch beherrschbar sei.

 

Die Zeit ist abgelaufen, die Finanzindustrie hat gewonnen. Sie treibt die Politik vor sich her, um noch auszusaugen, was aus den Kassen an Kapital zu bekommen ist. So werden immer weitere Rettungspakete geschnürt und der Rettungsfonds EFSF weiter befüllt. Was am Anfang undenkbar war, ist nun möglich. Es hieß immer, Italien oder Spanien seien zu groß und könnten nicht von der EU gerettet werden, doch genau das will die Politik nun schultern.

 

Der Rettungsschirm soll nun über einen Hebelmechanismus in Dimensionen von 4-5 Billionen Euro anschwellen. Der Leser erinnere sich zurück: erst waren Beträge von wenigen Milliarden für eine Rettung innerhalb der EU ausreichend, dann war man schnell bei 100 Mrd. Euro angelangt. Als auch das nicht reichte, wurden die Mittel auf 250 Mrd. Euro erhöht, und dann weiter auf 440 Mrd. Euro. Zuletzt wollte man durch einen Hebel den Rettungsschirm auf 1 Billion erweitern, und die britische Zeitung Guardian hat auch schon die Zahl 2 Billionen Euro ins Gespräch gebracht. Einen Hebel zu nutzen ist nichts anderes, als Geld aus dem Hut zu zaubern, das man nicht hat.

 

Die Politik erachtet sich nun als sehr clever und sagt „Was soll der Geiz?“. Wenn es also möglich ist, für die 440 Mrd. einen 2,5 oder gar 5 fachen Hebel zu nutzen, warum dann nicht auch einen viel höheren Faktor ansetzen? So kommt es, dass nun Gerüchte die Runde machen, der Rettungsfonds könne auf eine Größenanordnung von über 4 Billionen Euro anwachsen.

 

Natürlich ist jegliche Art von „Geld zaubern“ nicht ohne Risiko zu haben. Da die sogenannten Euro-Retter aber mit dem Rücken zur Wand stehen, ist ihnen jedes Mittel recht. Der europäische Verbund bewegt sich am Abgrund, jeden Moment ist es möglich, dass Europa zerbricht. Denn eine Erweiterung des Rettungsschirms hat bisher zu keinem Zeitpunkt geholfen und wird auch jetzt nicht helfen. Die Schuldenproblematik der Staaten wird dadurch nicht gelöst.

 

Noch immer will die Politik ein Zeichen der Stärke gegenüber den Märkten demonstrieren, indem sie vorgibt, viel Geld für eine Rettung von auch großen EU-Ländern wie Spanien oder Italien zu haben. Doch genau die Finanzindustrie weiß am besten, wie Hebelprodukte funktionieren. Sie selbst hat sich damit bereits verhoben und nun will es die EU der Finanzindustrie gleich tun. Die EU macht einen großen Fehler, wenn sie eine angebliche Lösung durch einen Hebeleffekt präsentieren will.

 

All die Rettungsbemühungen sind nur zum Schein. Sie sollen den Bürgern Sand in die Augen streuen und vom wirklichen Ausmaß des Schadens ablenken. Es kann nur wiederholt werden, was schon seit Jahren hier geschrieben wird. Eine Pleite ist nicht aufzuhalten. Es gibt schlicht keine Lösung, die immensen Schulden, die man aufgenommen hat, abzutragen. Die Gläubiger müssen auf ihre Einlagen verzichten und die Staaten endlich sparen.

 

Die Politik wird diese Phase des sich „Gesundschrumpfens“ nicht verhindern und auch bald nicht mehr verschleiern können. Zu sehr sind die Risse an dem europäischen Konstrukt deutlich geworden. Es werden die Märkte sein, von denen eine Entscheidung kommen wird. Die Märkte sind es, die den Staaten Geld zur Verfügung stellen, wenn diese keine Aussicht auf eine entsprechende Verzinsung haben und auch keine Hoffnung, das geliehene Geld als Ganzes wieder zusehen. Denn dann werden sie keine Anleihen mehr zeichnen, kein Kapital wird mehr fließen und ohne frisches Geld müssen die Staaten beginnen zu sparen.

 

Die Entscheidung, wie die Krise gelöst wird, ist bereits gefallen. Jegliches hastige Handeln der EU sind nur Nebengeräusche. Sie hatte ihre Chance, eine Lösung zu erarbeiten und dabei die Finanzindustrie in die Schranken zu verweisen. Sie hat die Chance nicht genutzt. Die Zeit ist abgelaufen.

 

Mit freundlichen Grüßen

 

Ihr

start-trading Team

 

 

 

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