Indikatoren-Trading

Wir lesen täglich von Euro-Rettern. Zeitungen, Fernsehen und das Internet sind voll von Titeln, die von Euro-Rettern sprechen. Retter sind Menschen oder Organisationen, die unter immensem Einsatz, manchmal sogar des eigenen Lebens, Hilfe leisten. Doch was machen die Retter, die den Euro und die Eurozone retten sollen? Sie haben den Titel Retter nicht verdient.

 

Etwas zu retten ist ein positives Ereignis, bei dem eine nachteilige Situation zum Positiven gewendet wird. Um dies zu erreichen findet sich ein Helfer, eben ein Retter. Lange in der Vergangenheit waren die Ritter die berühmten Retter, welche die Prinzessin aus den Klauen des Drachen retteten. In der modernen Finanzwelt gibt es weiße Ritter, die ein Unternehmen vor einer feindlichen Übernahme schützen.

 

Feuerwehrleute sind Retter, die unter Einsatz ihres Lebens Familien aus brennenden Objekten herausholen. Diese Menschen kann man erhobenen Hauptes als Retter bezeichnen. Sie verdienen es.

 

Dass ein Finanzminister Schäuble, ein EZB Präsident Trichet oder Frau Merkel und Herr Sarkozy als Euro-Retter bezeichnet werden, das geht an der sinnvollen Nutzung des Wortes „Retter“ vorbei. Diese Personen haben zwar nichts gerettet, eher verschlimmert, doch werden sie wann immer möglich mit dem Titel „Euro-Retter“ in Zusammenhang gebracht. Dabei ist die Nutzung dieses Titels nicht nur auf ein einzelnes Medium beschränkt, nein die Bezeichnung „Euro-Retter“ zieht sich durch alle Medien. Alle großen „Blätter“ sind vertreten: FTD, Spiegel, Handelsblatt, Wiwo, Welt, FAZ und viele mehr.

 

Aber warum werden die Staatenlenker und die Abgeordneten aus Brüssel mit dem Titel „Retter“ bedacht? Will man den Lesern ein positives Image der Akteure verleihen? Soll der Leser das Gefühl haben, diese Menschen kämpfen für eine gute Sache? Soll am Ende die Bevölkerung geschlossen hinter den „Rettern“ stehen, um sie im Kampf gegen das Böse zu unterstützen?

 

Es liegt nahe, dass die Bezeichnung eben aus den obigen Gründen regelmäßig genutzt wird. Die Wortkombination aus dem Namen der Politiker und das Wort „Retter“ sollen sich bei dem Leser einprägen. Die Assoziation ist einfach eine bessere, wenn man von Rettern liest, anstatt von Leuten, die seit drei Jahren zwar gegen die Schuldenkrise kämpfen, aber bisher keinen Blumentopf gewonnen haben.

 

Es müsste verboten werden, diese Personengruppe als Retter zu bezeichnen, denn sie erfüllen nicht eine der Kriterien, die einen Retter ausmachen. Zu keiner Zeit haben sie zum Beispiel das Geld der Bevölkerung gerettet, indem sie „Nein“ zu einem Geldtransfer von einem EU-Land in ein anderes gestimmt haben. Sie haben auch nicht das Volk gefragt. Nein, das Geld der Bürger haben sie nicht gerettet.

 

Die Politik hat eher dazu beigetragen, dass die Finanzkrise erst entstehen konnte. Sie hat die gesetzlichen Regelungen soweit ausgesetzt, dass die Banken kaum Eigenkapital für ihre Risiken zurücklegen müssen und zügellos zocken dürfen. Geht etwas schief, dürfen die Banken ungehemmt kreativ bilanzieren und das Ausmaß des Verlustes verschleiern. Dies wurden ihnen von der Politik in den vergangenen Jahren erlaubt. Den Schaden muss nun das Volk ausbaden.

 

Im Falle der europäischen Schuldenkrise liegen all die Steuergelder jetzt in Griechenland, Spanien, Portugal, Italien und bei der EZB, die fleissig Staatsanleihen der betroffenen Länder kauft. Das Geld wird also mit beiden Händen ausgegeben. Nur wiedersehen wird das Geld kein Bürger je wieder. Es ist weg. All die Einzahlungen schmelzen so schnell dahin, dass die Politik sogar gedenkt, die Kapitalmenge im Rettungsfonds zu hebeln. Damit will sie Geld zaubern, das sie nicht hat. Sie werden Europa mit dieser Maßnahme dahinraffen, aber nicht retten.

 

Die sogenannten Euro-Retter wissen nicht, was sie tun. Hoffen wir alle, dass ein wirklicher Retter auftaucht und dem Elend ein Ende macht.

 

Mit freundlichen Grüßen

 

Ihr

start-trading Team

 

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