Service

Trader beklagen sich oft, wenn sie eine Chance nicht genutzt haben. Im Chartmuster ergibt sich eine Handelsmöglichkeit, die entweder durch mangelnde Zeit oder durch Unsicherheit über den weiteren Kursverlauf nicht genutzt wird. Daraufhin staut sich negative Energie auf, da der Trader sicher ist, dass er diese Gelegenheit hätte ausnutzen müssen. Das führt zum Problem.

 

Nicht immer sind die Vorlagen des Marktes sehr eindeutig. Wenn der Trader sich selbst beschimpft, dann doch nur, weil er nicht den Mut hatte, zur rechten Zeit in den Markt zu gehen. Das nachträgliche Ärgern ist völlig sinnlos, da es jedem frei steht, zu jeder Zeit eine Position zu eröffnen. Was passierte wirklich?

 

Der Trader hatte Angst

Zum Beispiel wollte der Trader short gehen. Jetzt wo der Markt tatsächlich gefallen ist, ist er sich seiner Sache sicher. Hätte der doch nur den Schritt gewagt und eine Shortposition  am Hoch eröffnet, dann wäre dieser Trade sehr profitabel für ihn gewesen. Nur ist es an der Börse so, auf welchem Niveau ein Hoch ausgebildet wird, weiss man immer erst nachher. Das heisst auf dem Niveau vor dem Einsetzen von fallenden Kursen war sich unser Trader seiner Sache nicht sicher. Der Markt hätte genausogut noch weiter steigen können, bevor eine Umkehr einsetzt. Jetzt nachträglich den Schlauen zu spielen, bringt ihn nicht weiter.

 

Es ist ein bekanntes Verhalten, dass Menschen Dinge, die in der Vergangenheit passiert sind, als verpasste Gelegenheiten wahrnehmen. Da werden dann Sätze vorgebracht wie: „hätte ich damals die Infineon Aktie unter 1 Euro gekauft, das wäre super gewesen“ oder „vor vielen Jahren die Google Aktie – hätte ich diese günstig eingesammelt, das wären Schnäppchen gewesen„.

 

In beiden Fällen handelt es sich nur um eine Art Selbstillusion. Es hilft rein gar nicht, sich über Vergangenes den Kopf zu zerbrechen. Es ist Vergangenheit. Denn etwas, was jetzt eindeutig aussieht, war zu der Zeit nicht eindeutig. Als die Aktie Infineon von 28 Euro auf 0,40 Euro gefallen war, da wollte niemand die Aktien dieses Unternehmens kaufen. Denn die Gefahr einer Insolvenz war enorm. Deshalb ist die Aktie auch so stark gefallen.

 

Dass das Ruder von der Unternehmensführung herumgerissen werden konnte, war zu der Zeit nicht zu erahnen. Und hier kommen wir wieder zum Aktieninvestment. Aktien zu kaufen bedeutet, ein Risiko einzugehen. Wer das getan hat, der wurde für das Risiko belohnt mit eben einer entsprechenden Rendite (die Aktie notiert jetzt bei 6 Euro).

 

Es bringt nichts, sich mit einer Sache zu beschäftigen, die man nicht in die Realität umgesetzt hat. Eine vertane Chance ist eine vergangene Chance – Schluss. Das ist in der Theorie einfach zu verstehen, aber in den meisten Traderköpfen nicht einfach umzusetzen.

 

Sich mental lösen

Wer an einer vertanen Chance mental zu lange festklebt, der verliert den Blick für die neuen Chancen. Außerdem ist er geneigt, die vertane Chance mit einer scheinbar neuen Handelsmöglichkeit auszugleichen. Das bedeutet, den vergangenen Gewinn mit einer neuen Tradingposition wieder reinzuholen. Das endet dann meist damit, dass der Trader den Chart so interpretiert, wie er sich das wünscht und nicht, wie ihn sein Tradingplan anzeigt. Vorschnell werden dann Positionen eingegangen, die sich nachträglich als fehlerhaft herausstellen.

 

Denken Sie an eine Fussballmanschaft, die zur Halbzeit 0:2 zurückliegt. Der Trainer wird den Spielern die Gedanken lösen, nicht mehr an die verpassten Chancen, an die individuellen Fehler, die zum Rückstand geführt haben, zu denken. Er schickt seine Spieler wieder auf den Platz mit der Devise, dass eine Niederlage bereits eingepreist ist. Die Spieler können nur noch gewinnen, wenn sie das Spiel frei angehen.

 

So geht die Mannschaft mit einer gehörigen Portion frischer Motivation auf den Platz, gelöst vom Ungemach der ersten Halbzeit. Und manch ein Team hat es dann auch geschafft, am Ende der gesamten Spielzeit doch noch als Sieger vom Platz zu gehen.

 

Mit freundlichen Grüßen

 

Ihr

start-trading Team

Share This