Indikatoren-Trading

Was zum Henker soll jetzt schon wieder diese Diskussion über eine erneute Bankenkrise, fragen sich die Leser womöglich. Erst kürzlich wurden doch die europäischen Banken in einem Stresstest auf Herz und Nieren geprüft und für stabil befunden. Banken und immer wieder Banken, der Bürger kann es nicht mehr hören. Die Banken stressen nur.

 

Alle paar Monate gibt es einen Stresstest, der beruhigend auf das Volk und die Märkte wirken soll. Dabei weiss jeder, der sich für diese Thematik interessiert, dass jeder Test so gestaltet werden kann, dass ihn viele schaffen oder eben nicht. Im Falle der Banken wollte man keine Krise heraufbeschwören, also wurde angeblich gestresst und dann geguckt, wie sich die Institute im Extremfall behaupten können. Es ist wie bei einer Klassenarbeit. Wenn alle Schüler eine Note Eins bekommen, dann kann der Test ja nicht so schwer gewesen sein. Also hat man versucht, das Resultat etwas gemischt darzustellen, um den Schein einer echten Stresssituation zu wahren.

 

Der letzte Stresstest wurde im Sommer 2011 von der europäischen Bankenaufsicht EBA durchgeführt. Darin waren 91 europäische Kreditinstitute zur Prüfung vorgesehen. 13 davon waren deutsche Unternehmen. Nun war das Resultat wie erwartet: einige Banken waren stärker, viele normal und wenige eben schwach auf der Brust. Aber richtig sitzengeblieben ist niemand. Das wurde von den Märkten wohlwollend zur Kenntnis genommen.

 

Im Vorfeld schlugen die Wellen hoch, der Stress dürfe nicht so schwer sein, dass ihn die Keditinstitute nicht bewältigen können. Der Stresstest darf die Banken nicht überfordern, wurde gewarnt. Es ist schier unglaublich, dass es überhaupt solche Forderungen gab, aber es hat sie wirklich gegeben.

 

Warum soll jemand etwas testen, was alle Geprüften bestehen werden? Warum soll ein Stresstest simuliert werden, wenn er gar nicht den Stress simuliert? Und warum wird ein Ergebnis veröffentlicht, das das Papier nicht wert ist, auf dem es geschrieben steht. Die Ergebnisse des EBA Stresstests können Sie hier nachlesen. Es ist völlig nutzlos, Stresstests durchzuführen, die keine sind.

 

Und nun im Herbst 2011 stehen die Banken erneut im Kreuzfeuer. Sie haben zu viele Risikopapiere geladen und zu wenig Eigenkapital. Es ist wieder bedrohlich für einige Institute geworden und der Staat eilt wieder einmal zur Hilfe. „Merkel ist bereit zur Bankenrettung“ schreibt SPON. Denn es ist so, die Gläubiger von Griechenland müssen nun einen Schuldenschnitt hinnehmen und die Gefahr ist nun, ob die Banken eine Wertabschreibung verkraften können.

 

Jetzt stellt sich für den Leser die Frage: Was wurde denn im Sommer im Stresstest getestet? Und natürlich all die Stresstests zuvor? Warum wurden den Banken gute Ergebnisse bescheinigt, wenn sie doch nicht so stressresistent sind?

 

Das Volk steht, ebenso wie vor drei Jahren zu Beginn der Finanzkrise, als Depp da. Denn es darf wieder einmal die Schulden der Banken bezahlen, während es von den Profiten nichts abgekommen hat. Es geht schon wieder los mit den Banken, die gerettet werden müssen und mit Banken, die systemrelevant sind und nicht umfallen dürfen. Es wird wieder diskutiert, dass Banken global agierende Unternehmen sind und die Auswirkungen einer Bankenpleite verheerend sein können.

 

Die Bürger können die immer gleichen Parolen von Experten und Regierungen nicht mehr hören. Sie sind genug gestresst von den Banken. Der gesunde Menschenverstand braucht keine Stresstests: Wer zu viel riskiert, muss sich die Finger verbrennen. Sonst lernt er es nie.

 

Mit freundlichen Grüßen

 

Ihr

start-trading Team

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