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Die Ausschläge an den Aktienmärkten haben in den letzten Jahren stark zugenommen. Die Kursbewegungen sind schneller geworden und damit wurde auch eine sinnvolle Positionierung für die Anleger erschwert. Wer kann schon einen idealen Einstieg planen, wenn zum Beispiel der DAX  heute um 200 Punkte steigt und morgen um 200 Punkte fällt? Die Aktienmärkte haben sich deutlich verändert im Vergleich zu den Zeiten von vor 20 Jahren.

 

Damals waren die Aktienkurse näher an der Entwicklung eines Unternehmens. Damals haben sich Anleger in einer Aktie positioniert, weil das Unternehmen eine Strategie präsentieren konnte und weil ein Konzept vorgelegt wurde. An diesem wollte der Anleger mitverdienen und hat deshalb die Aktien des Unternehmens erworben.

 

Damals war es noch so, dass wenn gute Unternehmenszahlen gemeldet wurden, dass dann der Aktienkurs auch entsprechend mitgestiegen ist. Es war ein langsamer aber stetiger Anstieg. Die Indizes stiegen und fielen damals natürlich ebenso wie heute, aber die Ausschläge waren viel geringer. Wie gesagt, die Veränderungen in den Kursen waren träge und gemächlich.

 

Nicht der kurzfristige Profit stand im Vordergrund, sondern die Zukunftsaussichten des jeweiligen Unternehmens. Passten die Gewinnaussichten und traute man dem Vorstand die Erreichung der Ziele zu, dann war das schon einmal eine gute Basis, die Aktien auch zu erwerben. Denn auf dem Weg bis zum Erreichen der Unternehmensziele stiegen damals auch die Aktienkurse entsprechend.

 

Damals:

Aufgrund technischer Beschränkungen wurde auf ein Beispiel aus dem Jahr 2003 zurück gegriffen. Der Chartverlauf entspricht dem Verlauf der Märkte aus der Zeit von vor 20 Jahren. So sah damals ein kurzer Ausschnitt des DAX aus: Zuerst fiel der Index, dann stieg er wieder.

 

 

Auffallend sind die regelmäßigen Bewegungen des Index. Die Handelstage wurden meist am Morgen in der Nähe des Vortagesschlusskurses begonnen. Es war ein fast nahtloses Anschliessen eines neuen Börsentages an den vorherigen. Auch Intraday war ein Tagesverlauf gekennzeichnet durch eine meist kontinuierlich verlaufende Kursbewegung.

 

 

Heute:

Und so sieht ein kurzer Ausschnitt des DAX im Jahre 2011 aus: Zuerst fällt der Index, dann steigt er wieder.

 


Auffallend sind die Sprünge von einem Handelstag zum anderen. Das wird in der Fachsprache als GAP bezeichnet. Ein Schweizer Käse hat weniger Löcher als der Kursverlauf des Indexes in dem obigen Chart. Panisch sind die Bewegungen zwischen wenigen Tagen, erst runter, dann hoch und wieder runter. Die Richtungsänderungen sind gewaltig und die Orientierungslosigkeit der Anleger offensichtlich.

 

Das Warum:

Die Begründung ist vielfältig und nicht nur auf einen speziellen Aspekt begrenzt. Ein wesentlicher Unterschied zu früher ist die technische Entwicklung. Damals hat man sich noch durch die Zeitung informiert, wie sich Aktienkurse verändert haben. Manch ein Leser mag sich noch an die Aushänge an den Bankgebäuden erinnern. Diese wurden täglich ausgetauscht und informierten über den Verlauf an den Aktienmärkten. Scheinbar kursbeeinflussende Nachrichten waren intrady selten bzw. wurden aufgrund des mangelnden Informationszuganges nicht beachtet. Geordert wurde mit dem Telefon bei der Hausbank, welche dann den Auftrag an die Börse weiterleitete. Börsianer, die sich Aktien kaufen wollten, informierten sich zunächst über das Unternehmen, ließen sich vielleicht noch den Geschäftsbericht zukommen und legen nach sorgfältiger Überlegung ihr Geld an.

 

Heute hat sich die Lage fast vollständig geändert. Heute wird mehr gezockt als angelegt. Die Anzahl der Marktteilnehmer ist enorm gestiegen und alle wollen Aktien kaufen und ebenso verkaufen. So treffen zu viele Meinungen aufeinander und das Resultat ist Uneinigkeit. Bekanntlich verderben viele Köche den Brei. Fast alle Anleger haben über einen Onlinebroker direkten Zugang zu den Börsen. Es kann also in Sekunden gehandelt werden. Dadurch kann man eine Menge Trades innerhalb eines Tages ausführen und somit Kurse beeinflussen. Das führt dann in der Summe der Aufträge zu Ausschlägen.

 

Außer der Zunahme der Personen, die handeln wollen, hat sich auch eine Spezies der Handelscomputer etabliert, welche nach vorgegebenen Algorithmen Aufträge erstellen und ausführen. Diese Systeme, die in wenigen Millisekunden Positionen eingehen und schließen, führen ebenfalls zu schnellen Marktbewegungen.

 

Heute sind die Markteilnehmer an viele Informationsquellen angeschlossen, die Kurse bewegen können. Das Internet macht es möglich. Dadurch wird auf Nachrichten reagiert, unabhängig ob sinnvoll oder nicht. Kaum ein Trader weiß, ob eine Nachricht positiv oder negativ  aufgenommen wird, doch die Nachricht allein macht es möglich, dass Kurse sich bewegen. Weil diese das tun, handeln mehr Anleger, dadurch bewegen sich wiederum die Kurse. So kommt es permanent zu Ausschlägen in die eine oder andere Richtung.

 

Sieht man sich noch einmal den obigen Chart aus dem Jahre 2011 an, dann darf man sich getrost wundern, was für eine Art Aktienanlage oder Kursverlauf das sein soll. Bei den vielen Löchern im Chart kann man von Orientierungslosigkeit sprechen, aber nicht von einem Investment. Das Hüpfen der Kurse ist ein Ausdruck von Sorge, den Börsenzug zu verpassen und sie ist ein Ausdruck von Panik, bei bei fallenden Kursen nicht im Markt sein zu wollen.

 

Manch ein Börsianer denkt gerne zurück an die guten alten Zeiten. Damals waren die Kursbewegungen noch erklärbar und eine Aktienanlagen noch ein Investment.

 

Mit freundlichen Grüßen

 

Ihr

start-trading Team

 

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