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Nach der US Notenbanksitzung am Mittwoch Abend hat sich eine wesentliche Schlussfolgerung ergeben. Von der großen Macht der FED, die eigentlich von der amerikanischen Zentralbank ausgehen sollte, ist nichts mehr übrig. Die FED ist machtlos. Sie kann dem Verlauf der Märkte nur noch zusehen, sie kann ihn nicht mehr beeinflussen.

Es sind vergangene Tage, als die Börsenwelt die Luft angehalten hatte, wenn die FED etwas zu verkünden hatte. Als der ehemalige Vorsitzende Alan Greenspan um die Ecke kam und die Medien anhand seiner Aktentasche erkannt haben wollten, ob die Leitzinsen verändert werden oder nicht. Das sind alte Zeiten.

Heute hat sich die FED mit ihrem Vorsitzenden Ben Bernanke um jede Einflussnahme gebracht, um den Märkten eine Richtung vorzugeben.

Sie hat bereits Unmengen an Anleihen gekauft (QE1, QE2), damit also bereits am Markt interveniert, aber außer einem Strohfeuer nichts entfacht. Die Maßnahme war wirkungslos. Schlimmer noch, die FED hat die Währung US-Dollar noch weiter geschwächt, als sie sowieso schon ist. Um die Anleihekäufe zu finanzieren musste sie das fehlende Geld zunächst drucken.

Sie kann heute im Rahmen einer dritten Runde QE3 nicht mehr in den Markt als Käufer eingreifen, da eine weitere Ausweitung der Papiergelderzeugung die Währung US Dollar dahinraffen würde. Die FED hat in den ersten beiden Programmen der Anleihekäufe unverhältnismäßig stark eingegriffen, aber damit nichts erreicht. Sie hat sich also des Instruments der Intervenierung am Markt selbst entledigt.

Eine weitere Möglichkeit der Einflussnahme ist, über die Leitzinsen eine Kapitalzufuhr – oder Kapitalabzug aus dem Markt zu steuern. Sind die Zinsen hoch, dann wird der Wirtschaft Liquidität entzogen. Der Wirtschaft wird dadurch gebremst. Andersherum verhält es sich, wenn die Zinsen gesenkt werden. Dann will man stimulierend auf die Wirtschaft einwirken und günstig Kapital bereitstellen.

Jetzt ist es so, dass diese Möglichkeit durch die FED selbst außer Kraft gesetzt wurde, indem man den Märkten für eine längere Periode zugesagt hat, dass man die Zinsen nicht verändern wird. Somit verbleibt der amerikanische Leitzins in der Spanne 0,00 – 0,25%.  Wenn also an diesem Rad nicht mehr gedreht werden kann, dann kann die FED dieses Mittel der Einflussnahme über die Leitzinsen auch nicht mehr ausüben.

Es gibt noch die Möglichkeit über die Mindestreservepolitik in den Geldkreislauf einzugreifen. Dabei kann die Notenbank die Mindestreserverate erhöhen, wenn sie der Wirtschaft Kapital entziehen will oder die Rate senken, wenn sie der Wirtschaft mehr Geld zur Verfügung stellen will. Banken müssen entsprechend den Mindestreservevorgaben Kapital bei der FED hinterlegen, welches sie dann nicht als Kredit vergeben können.

Derzeit macht die chinesische Zentralbank kräftig Gebrauch von dem Instrument der Mindestreserve. Sie hat in den letzten Monaten diese bereits über 20mal erhöht, um der heißlaufenden chinesischen Wirtschaft zur Abkühlung zu verhelfen.

Die FED kann diese Poltik aber nicht verfolgen. Erstens sind die Banken sowieso knapp bei Kasse und müssen um jeden Cent bangen, und zweitens würde ein Abziehen von Kapital aus der Wirtschaft die ohnehin schon schwache US-Konjunktur weiter belasten.

Wie zuvor beschrieben sind der FED die Hände gebunden. Sie kann nur noch zusehen und verschiedene Kommentare zur aktuellen Situation geben, wie zum Beispiel:

 

  • dass die US-Wirtschaft schwächelt
  • dass weitere Gefahren einer tieferen Rezession drohen
  • dass der US-Arbeitsmarkt schwach und die Arbeitslosenrate zu hoch ist
  • dass die Inflation im Auge behalten werden muss
  • usw.

 

Das sind alles Dinge, die die Märkte nicht bewegen können. Der einzige Beschluss der letzten Sitzung war ein Operation Twist, bei dem kurzfristige Anleihen im Wert von 400 Mrd. Dollar verkauft und für den gleichen Betrag langfristige Anleihen gekauft werden. Dadurch sollen die langfristigen Zinsen gesenkt werden. Tatsächlich ist es nur ein Wechsel der Papiere von der linken in die rechte Hosentasche. Der Nutzen ist minimal.

Mehr konnte die FED nicht beitragen. Sie musste entgegen allen früheren Beteuerungen jetzt die Schwere der amerikanischen Wirtschaftskrise zugeben. Und ebenso die eigene Handlungsunfähigkeit.

Von der FED brauchen die Finanzmärkte nichts zu erwarten. Sie hat keine Möglichkeit mehr, dem Markt/der Wirtschaft entscheidende Impulse zu geben – sie ist machtlos.

 

Mit freundlichen Grüßen

 

Ihr

start-trading Team

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