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Das Gyros schmeckt abgestanden. Der Uozo mundet nicht und auch der Feta schmeckt nicht mehr. Den Hellen ist der mediterrane Appetit mächtig vergangen, denn sie haben andere Sorgen. Zu sehr drückt die Last der Verschuldung. An einer Staatspleite wird Griechenland nicht vorbeikommen. Die Märkte haben das Land bereits abgeschrieben und warten nun gemeinsam mit der Politik auf den Moment der Pleite.

 

Es wird in kurzer Zeit die Zahlungsunfähigkeit von Griechenland verkündet werden, was die Welt für einen Moment innehalten lassen wird. Dies ist jetzt jeden Tag möglich. Der lang erwartete Staatsbankrott wird eingetreten sein. Wie mit dieser neuen Situation umgegangen werden soll, weiß noch niemand so recht.

 

Folgendes Szenario ist denkbar: Wider allen Erwartungen wird der Markt nicht panisch crashen und das Finanzsystem sprengen. Ganz im Gegenteil werden die Märkte in eine Erholungsrally starten. „Die Unsicherheit ist raus“ wird es heißen. „Fakten wurden geschaffen“ werden andere Marktteilnehmer sagen. Der DAX und die anderen Indizes werden erst einmal steigen. Für die Börsianer ist der kommende Staatsbankrott Griechenlands kalter Kaffee. Die Insolvenz, also die Zahlungsunfähigkeit, ist bereits eingepreist.

 

Die Medien versuchen, die Bevölkerung noch zu „schockieren“ bzw. mental auf die Pleite vorzubereiten. Die Finanzmarktakteure haben das sinkende Schiff aber bereits rechtzeitig verlassen.

 

Die Angst vor einen Finanztsunami ist einer Lethargie gewichen. Im ersten Moment nach der Verkündung wird gar nichts passieren. Die Politik hat den Banken in den letzten Monaten Zeit geschaffen, damit diese ihre Griechenland Risiken verringern können. Die meisten dieser Papiere haben sie an die EZB verkauft, den Rest bereits größtenteils abgeschrieben. Am Ende bleiben die Verbindlichkeiten wieder am Steuerzahler hängen. So war es 2008 im ersten Teil der Finanzkrise, so ist es auch in Teil 2. Die Banken verzocken das Geld, und die Bevölkerung steht dafür gerade (über den Umweg EZB).

 

Die erste Reaktion der Märkte wird also positiv sein und die Beobachter überraschen. Ebenso werden die Nachwirkungen überraschen. Die Erleichterung wird sich schnell in Sorge umkehren, denn die Aussichten sind düster und auch vorhersehbar. Die anderen Pleitestaaten wie Portugal, Irland oder Spanien und Italien werden ebenso in Bedrängnis geraten wie jetzt Griechenland auch. Denn die EU bricht ein Tabu. Ein EU-Land sollte nicht fallen gelassen werden, eine Staatspleite sollte es in der EU nicht geben. Jetzt, wo der erste Dominostein mit der Pleite in Griechenland eintreten wird, werden weitere folgen.

 

Das bringt die Akteure in Bedrängnis. Wenn das Geld in einem EU-Land nicht sicher ist, dann möglicherweise auch in anderen Staaten nicht. Das Solidaritätsprinzip wird aufgehoben sein. Also beginnt eine Flucht aus den Anleihen der einzelnen Staaten. Staaten, die noch ihre Anleihen an den Mann bringen wollen, müssen horrende Zinsen bieten.

 

Das ist derzeit in Griechenland nicht anders. Wer den Hellen für zwei Jahre Geld leihen möchte, bekommt dafür knapp 70% Zinsen. Besser als jedes Tagesgeldkonto, aber eben auch erheblich risikoreicher. Bei einer Pleite verschwindet das Land nicht von der Landkarte. Es ist erst einmal zahlungsunfähig. Dann wird mit den Gläubigern verhandelt, inwieweit ein Schuldenerlass möglich ist. Ein Gläubiger, der verhandlungsbereit ist, kann auf einen Teil seiner Einlagen hoffen.

 

Im Moment liegt die Staatspleite der Griechen in der Luft. Der Markt will die Pleite sehen und die Griechen können nichts dagegen machen. Wo sind eigentlich die Junkers und Barosos, die den Griechen beistehen wollten? Sie scheinen vom Erdboden verschwunden zu sein. Entgegen allen Beteuerungen von Politik und Medien ist das Land doch Pleite. Für die Beobachter dieser sich schnell wandelnden Zeit bleibt nur das Abwarten. Warten wir gemeinsam auf die griechische Pleite.

 

Mit freundlichen Grüßen

 

Ihr

start-trading Team

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