Indikatoren-Trading

Die Schuldenkrise, oder treffender: der Schuldenkrimi, lässt die Beobachter nicht zur Ruhe kommen. Überall brennt es auf der Welt und eine Rettung aus der Verschuldungsproblematik ist nicht in Sicht. Besonderes Augenmerk wird auf die großen EU-Länder wie Spanien und Italien gerichtet. Diese dürfen auf keinen Fall einen Anschein von Schwäche zeigen. Was wäre, wenn Italien diesen Monat 62 Milliarden Euro benötigen würde und niemand bereit wäre, das Geld zur Verfügung zustellen?

 

Das wäre für die heile Welt in der EU nicht so schön, also redet man erst gar nicht darüber. Tatsächlich ist es so, dass Italien wieder einmal „rollen“ muss. Das heisst, das Land muss sich neue 62 Milliarden leihen um damit fällig werdende Schuldversprechen einzulösen.

 

In den rauen Zeiten dieser Tage gestaltet sich das gar nicht so einfach. Für niedrige Zinsen wie in der Vergangenheit ist der Markt nicht bereit, Geld locker zu machen. Hohe Zinsen machen es dem Land an der Südküste Europas schwieriger, die Schulden abzubauen. Wie viel Ballast verträgt das Land überhaupt noch?

 

Das Volk ist nicht mehr bereit, weitere Sparmaßnahmen zu akzeptieren. Es ist der Meinung, dass es die Schulden ja nicht gemacht habe, warum sollte es nun kürzer treten? Die Politik um Silvio Berlusconi ist völlig Bunga Bunga (äähmm balla balla). Zunächst imponiert sie den Märkten mit einem Sparpaket, das nur so vor Einsparungen strotzt. Sind die Kameras verschwunden und das Scheinwerferlicht ausgeschaltet, sieht die Sache schon ganz anders aus.

 

Zunächst hat man die Reichensteuer abgemildert. Warum bei den Vermögenden nehmen, wenn es auch das einfache Volk bezahlen kann. Die Mehrwertsteuer wird erhöht. Da das Volk konsumiert und die Reichen einen Großteil des Geldes nicht ausgeben, zahlt eben das Volk. Hier schliesst sich der Kreis. Das Volk will die Kosten nicht tragen und macht sich auf zum Generalstreik.

 

Unter den obigen Bedingungen lässt sich kaum ein Gläubiger zu einer Zahlung animieren. Das Land ächzt unter dem selbstverschuldeten Schuldenberg und hat bisher kaum eine Idee, wie es diesen abbauen will. Nun hofft es auf einen Zeitgewinn.

 

Es ist das alte Spiel. Keine Regierung ist wirklich gewillt zu sparen. Es wird kaschiert und getrickst, auch in Italien. Das Ziel der Politik ist der Machterhalt und die Schulden auf spätere Generationen abzuwälzen. Je länger man das „Rollen der Schulden“ ausweiten und wiederholen kann, desto besser für die Regierenden.

 

Wenn also die Gläubiger nicht gewillt sind, zu erträglichen Zinsen Geld zu leihen, was passiert dann? Dann springt die EZB ein und kauft die „nichtverkäuflichen“ Anleihen auf. Damit wird der Schein gewahrt, dass alles in Ordnung sei. In den Medien wird dann zu lesen sein, „italienische Anleihe Auktion verlief gut“, oder „Italien konnte erfolgreich seine Staatsanleihen platzieren“.

 

Dass dies nur Sand in den Augen der Beobachter ist, ist nicht schwer zu erkennen. Die Gefahr ist groß, dass die EZB bald nicht mehr jede Anleihe monetisieren kann und die tatsächlichen Investoren nicht gewillt sind, Staatsanleihen von wackligen Eurostaaten aufzukaufen. Passiert dies vielleicht schon im September, dann wäre Italien diesen Monat Pleite.

 

Mit freundlichen Grüßen

 

Ihr

start-trading Team

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