Indikatoren-Trading

Was man nach Beginn der Finanzkrise nicht für möglich gehalten hat, wird möglicherweise jetzt in die Tat umsetzt. Die Hauptschuldigen der Finanzkrise werden endlich zur Verantwortung gezogen.  Die US Regierung hat letzten Freitag eine Schadenersatzklage gegen 17 Finanzinstitute, darunter auch die Deutsche Bank, eingereicht. Ebenso untersucht die britische Finanzaufsicht das Vorgehen mehrerer Großbanken beim Handel mit forderungsbesicherten Wertpapieren. In England wird ein Untersuchungsverfahren angestrebt.

 

Es war zu jederzeit bekannt: Die Deutsche Bank und die anderen Finanzinstitute haben sich mit dem Weiterverkauf von forderungsbesicherten Wertpapieren eine goldene Nase verdient. Besonders in den USA wurde im Rahmen des Immobilienbooms rücksichtslos Kredite vergeben, die Forderungen gebündelt und weiterverkauft, dass sogar die berücksichtigten Versicherungsmakler vor Neid erblassen. Im Rausch des grenzenlosen Geldes hat man jeder Personengruppe, auch denjenigen, die die monatlichen Raten über die Laufzeit hinweg nicht stemmen können, einen überdimensionierten Hypothekenkredit angedreht.

 

All die Forderungen, die man dann gegen die neuen Immobilienbesitzer hatte, hat man in neuen Wertpapieren gebündelt und weiterverkauft. Hier, so setzen die amerikanischen und britischen Untersuchungen an, hat man die Käufer dieser neuen Produkte über die Risiken nicht entsprechend aufgeklärt bzw. falsch informiert.

 

Die beiden (jetzt) staatlichen Immobilienfinanzierer aus den USA, Fannie Mae und Freddie Mac, traten vornehmlich als Käufer dieser neuen Hypotheken-Papiere auf. Nach dem Kauf kam dann die Überraschung. Die Eigenheimbesitzer konnten ihre Raten nicht bezahlen und damit verloren auch die Wertpapiere von Fannie und Freddie schnell an Wert.

 

Hier setzt die Anklage in den USA an. Sie sagt, die Verkäufer wussten ganz genau, dass die Darlehensnehmer eine schwache Bonität hatten und dass diese ihre Raten nicht zurückzahlen werden. Diese wichtige Information über das Risiko des Investments soll von den angeklagten Finanzinstituten verheimlicht worden sein.

 

Die Beschuldigten

Von der US-Regierung (Aufsichtsbehörde Federal Housing Finance Agency (FHFA)) wurden 17 Finanzinstitute angeklagt, die Forderungssumme beträgt über 200 Milliarden Dollar. Die Institute sind:

 

  • Bank of America inkl. Merrill Lynch, Countrywide Financial
  • JP Morgan
  • Royal Bank of Scotland
  • Deutsche Bank (14,2 Milliarden Dollar)
  • Credit Suisse
  • Morgan Stanley
  • Barclays Bank PLC
  • Citigroup, Inc.
  • First Horizon National Corporation
  • General Electric Company
  • Goldman Sachs & Co.
  • HSBC North America Holdings
  • Nomura Holding America Inc.
  • Societe Generale
  • Ally Financial Inc.

 

Es ist nicht zu leugnen. Viele Finanzinstitute haben unglaublich gewütet und haben ohne Rücksicht auf den möglichen Schaden ihren Gewinn und die Mitarbeiter ihren Bonus gesteigert. Es ist schon erstaunlich, dass eine berechtigte Forderung so lange hat auf sich warten lassen.

 

Wie war das vor drei Jahren zu Beginn der Finanzkrise? Nach der Pleite der Lehman Bank wollte man die Banken noch schützen. „Zu groß für eine Pleite“, sagte man, „zu systemrelevant“ behaupteten andere. Jetzt, wo die Taschen so leer sind wie bei einer Kirchenmaus, da kann man befreit gegen die Banken poltern. Die Staaten nehmen es nun mit den Banken auf.

 

Ob die Forderungen wirklich eingetrieben werden können, oder ob man sich durch einen Vergleich einigt, werden unsere Leser verfolgen können. Bereits in der Vergangenheit wurden andere Klagen gegen die Banken Goldman Sachs und UBS nach Zahlung einer Summe eingestellt.

 

Die Beweislage

Als problematisch wird sich die Beweisführung gestalten. Der Staat wird kaum in der Lage sein zu beweisen, dass eine Bank bei diesen Transaktionen betrügerisch gehandelt hat. Auch wenn es gefühlt anders ist. Der Leser weiss, das die Kreditnehmer übers Ohr gehauen wurden. Er weiss auch, dass die  Hypothekenbündel gefaked waren, indem wenige gute mit vielen schlechten Krediten vermischt wurden. Und trotzdem ist es eben schwer, dies nachzuweisen. Etwas zu wissen und etwas beweisen zu können sind zwei verschiedene Paar Schuhe.

 

Die Schuldigen

Die Banken werden mit dem Finger auf die Ratingagenturen zeigen. Diese haben die neuen Wertapiere abgesegnet und mit einer guten Benotung ausgestattet. Die Käufer trifft auch eine Schuld. Hat man denn gar nicht genauer hingesehen, als man da die Wertpapiere gekauft hat? Und auch den Staat trifft eine Schuld. Er hat das Finanzcasino eröffnet. Er hat die Zocker mit der gesetzlichen Legitimität ausgestattet.

 

Es ist kaum möglich, in diesem Wirrwar von Beteiligten einen Schuldigen herauszupicken. Auch wenn es ist ohne Zweifel so ist, dass die Banken das Finanzsystem in gieriger Gewinnabsicht in Schwierigkeiten gebracht haben. Ob nun die Kläger in der Lage sein werden, die Verantwortlichen zur Rechenschaft zu ziehen, darf bezweifelt werden.

 

Mit freundlichen Grüßen

 

Ihr

start-trading Team

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