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Was den Anlegern heute als bewegende Nachrichten von den Finanzmärkten vorgesetzt wird, ist alles nicht Neues. Da ist die Rede von Banken mit bedrohlich niedriger Eigenkapitalbasis, oder die Konjunktur driftet wieder Richtung Rezession. Außerdem meldet sich die Schuldenkrise wieder: Die Griechen können auch die gesenkten Erwartungen nicht erreichen. Sie sehen, der Nachrichten-Cocktail ist nicht neu, aber er wird als neu verkauft.

 

Die Zahlen vom US-Arbeitsmarkt haben auf der ganzen Linie enttäuscht. Wider anderer Erwartungen wurden keine neue Stellen am Arbeitsmarkt geschaffen. Die Lage war in der Vergangenheit schlecht, doch es wurde versucht, Optimismus zu verbreiten. An der Realität hat sich allerdings dadurch nichts geändert. Stellen, die eine wirkliche Arbeitskraft benötigen, gibt es zu wenige in den USA, das meiste ist nach Asien ausgelagert. Gelegentlich werden mehr Arbeitskräfte benötigt, diese dienen aber meist nur um die Einkäufe an der Supermarktkasse einzupacken. Und das wird die schlechte Lage nicht verbessern. Die Struktur des amerikanischen Arbeitsmarktes ist desolat. Es wird mindestens eine Generation benötigen, um einen wirklichen Wandel zu erzielen.

 

Die Weltkonjunktur kühlt merklich ab. Während in den letzten Monaten viele Blogs auf die sich abzeichnenden Verschlechterungen in der Wirtschaft hingewiesen haben, wurde dieser Fakt von den großen Medien ausgeblendet. Nun ist es zu spät für Aktionäre und Investoren, sich ohne Verlust von ihren Engagements zu trennen. Die Kurse sind bereits eingebrochen. Frühindikatoren werden meist von den spezialisierten Medien ausgewiesen, die großen Publikumsmedien vermelden die Abkühlung der Weltwirtschaft erst nachdem der DAX -25% Prozent verloren hat.

 

Ein guter Indikator für den Zustand der Weltkonjunktur ist der Baltic Dry Index. Dieser gibt einen Indiz für den weltweiten Frachtverkehr an. Da ein Großteil des Welthandels (>80%) über das Wasser abgewickelt wird, kann man bei einem Abfall dieses Indexes von einer Abkühlung der Weltwirtschaft in den kommenden Monaten ausgehen. Der Baltic Dry Index (auch Frachtkostenindex genannt) ist weit entfernt von seinen Werten von vor der Finanzkrise (2008) und dümpelte die letzten Jahre nur seitwärts auf niedrigem Niveau. Den letzten großen Einbruch musste der Index zwischen September 2010 und Februar 2011 hinnehmen. Nimmt man hier eine Vorlaufzeit von 6 Monaten als Basis, so verwundert die aktuelle Hysterie um eine Abkühlung der Weltwirtschaft nicht.

 

Für die Deutsche Wirtschaft ist der Earlybird Index ein guter Indikator, um deren Zustand zu bewerten. Er wird monatlich veröffentlicht und hat eine Vorlaufzeit zur realen Wirtschaftsentwicklung von ca. 6-9 Monaten. Der Earlybird Indikator fällt seit Januar 2011 regelmäßig, er befindet sich somit in einem Abwärtstrend. Trotz dieser besorgniserregenden Entwicklung wurde noch im Frühjahr/Sommer 2011 die kräftige deutsche Wirtschaft gefeiert. Das rächt sich nun für all diejenigen, die nicht nach vorne geschaut haben und weiter Aktien erworben bzw. Gewinne nicht realisiert haben.

 

Die Abkühlung der globalen Wirtschaft ist nicht neu und auch nicht überraschend. Die Anleger mussten sich nur um entsprechendes Material bemühen, dann konnte man erkennen, dass einem hier ein X für ein U verkauft werden soll.

 

Zu guter Letzt noch ein Wort zu Griechenland. Plötzlich reist die Troika aus Abgesandten von EU,EZB und IWF ab, weil sie sich nicht mit den griechischen Delegierten einigen können. Das war eine Nachricht, die wie eine Bombe einschlug. Denn die Troika entscheidet über das Wohl oder Übel der Helenen. Die nächste Auszahlung aus dem Hilfsfonds in Höhe von 8 Mrd. Euro wird durch ihren Bericht freigegeben oder auch nicht.

 

Der Stein des Anstoßes war, dass die Griechen ihre abgemachten Sparziele nicht erreicht haben und weitere Ziele in der Zukunft nicht erreichen werden. Zu sehr hat man die Bevölkerung ausgepresst, mehr ist nicht drin. Und wenn Steuern stark erhöht und gleichzeitig ordentlich gespart wird, dann zerfällt auch das zarte griechische Pflänzchen, das sich Wachstum nennt.

 

Wie so oft schon kommuniziert, ist es keine Überraschung, dass die Griechen nun mit dem Rücken zur Wand stehen. Erste Erfolge in den Sparanstrengungen sind nun verpufft, weil es keine Strategie gibt, wie man auf den Pfad der Gesundung zurückkommen kann. Die Troika mahnt immer nur zum Sparen, damit es die nächste Auszahlung anweisen kann. Aber einen Plan hat die Troika auch nicht. Plötzlich zweifelt sie an den Zusagen aus dem Land der Götter und zeigt mit dem Finger auf die „Nicht-Sparenwoller“. Griechenland wird in den nächsten Jahren nicht zu einem Wachstum zurückkehren, das uns immer wieder heruntergebetet wird. Auch im Falle von Griechenland sollten die Nachrichten über eine desolate Lage nicht überraschen.

 

Wenn nun die Medien dieser Tage mit Horrormeldungen auf die Leser losgehen und von einer schlechten Lage für den US-Arbeitsmarkt, einer Abkühlung der Konjunktur und einer desolaten Lage in Griechenland berichten, dann kann jeder Leser sich zurücklehnen und sich von seinem wohl temperierten Cappuccino einen genüsslichen Schluck gönnen. Denn was die Medien hier als brühwarme Nachrichten verkaufen, ist für die meisten Leser nur kalter Kaffee.

 

Mit freundlichen Grüßen

 

Ihr

start-trading Team

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