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So schnell kann es gehen. Noch vor wenigen Wochen wurde der XXL Aufschwung in Deutschland gefeiert und nun das: völlig unerwartet, so liest man, ist die deutsche Wirtschaft im zweiten Quartal stagniert. Das Wachstum betrug nur 0,1 %. Dabei ist das Wirtschaftswachstum das wichtigste Mittel, um sich überhaupt gegen die Schuldenkrise zu behaupten. Alle wollen Wachstum sehen, doch die Frage, die sich stellt ist: Was bedeutet eigentlich Wachstum?

Aus der Schule kennt man die Definition über das Bruttoinlandsprodukt (BIP): Es ist die Summe aller Güter und Dienstleistungen, die in einem Land innerhalb eines Jahres hergestellt wurden. Soweit die Theorie, und wie wurde der XXL Aufschwung in der Praxis den Bürgern immer vermarktet? Man mischte absichtlich die Begriffe Umsatz und Gewinn und verbreitete in den Medien immer die Zahl, die schöner war, um Wachstum zu demonstrieren.

 

Hier einige Beispiele, die Wachstum vorgaukeln sollen, aber kein Wachstum sind.

1. Ein Unternehmen verkauft dieses Jahr mehr Produkte als im letzten Jahr. Der Umsatz ist also gestiegen, verdient hat das Unternehmen aber nur halb soviel wie das Jahr zuvor. Der Gewinn ist eingebrochen. Das Produkt kostet mehr als die Arbeit, die rein gesteckt wird. Ist das jetzt Wachstum und somit ein Erfolg?

2. Ein Unternehmen leiht sich Geld bei der Bank und kauft Produkte von Unternehmen II. Das Unternehmen II erhöht Umsatz und Gewinn. Ist das nun Wachstum, denn eigentlich hat ja niemand das Geld zunächst verdient, damit es ausgegeben werden kann?

3. Privatpersonen kaufen Waschmaschine und LCD Fernseher auf Pump. Die Unternehmen verkaufen und steigern Umsatz. Kann man von Wachstum für die Wirtschaft sprechen?

4. Ein Unternehmen hat Unternehmensteile verkauft. Der Umsatz aus dem Kerngeschäft ist aber eingebrochen. Aufgrund des Sondereffekts weist das Unternehmen einen Gewinn aus. Ist das jetzt Wachstum, weil der Gewinn des Unternehmens angestiegen ist? Darf man sich freuen?

5. Ein Unternehmen verkauft seine Produkte schlecht. Der Umsatz fällt. Daraufhin hat das Unternehmen viele Mitarbeiter entlassen und konnte dadurch einen Gewinn ausweisen. Die Kosten wurden also stärker gedrückt als der schwache Umsatz. Ist das jetzt Wachstum? Jubeln jetzt die Aktionäre?

6. Ein Unternehmen erhält staatliche Subventionen. Ohne diese wäre es nicht überlebensfähig, da die Produktion teurer ist als der Preis des Endproduktes. Das wird in der Statistik als Wachstum gewertet, weil das Unternehmen etwas produziert hat. Sieht so ein echtes Wachstum aus?

7. Die Zentralbank druckt frisches Geld und die Regierung vergibt der Bauwirtschaft und der Rüstungsindustrie Aufträge. Das Volk und die Unternehmen jubeln, aber ist das Wachstum?

 

Die obigen Beispiele zeigen, wie verworren die Messung von Wachstum ist. Echtes Wachstum würde bedeuten, jemand produziert etwas (Güter oder Dienstleistungen), und bekommt einen Erlös für die geleistete Arbeit. Damit kauft er etwas anderes bei einem Unternehmen, das wiederum andere Produkte herstellt usw. So wäre eine Kette entstanden, die wirkliches Wachstum ausweist.

Was wir derzeit sehen ist aber, das irgendwo Geld geliehen oder gedruckt wird. Dies führt nur zu einem Scheinwachstum. Deshalb hatten die Bürger auch nichts von dem angeblichen Superwachstum der letzten Jahre, weil es eben keine wirkliches gab. Ein ebenso wichtiges Kennzeichen, das das bisherige Wachstum nur als Schein entlarvt, sind die Arbeitslosenzahlen. Als Resultat des Aufschwungs sind diese angeblich permanent gesunken, so hat man es den Bürgern gesagt und die Zahlen gefeiert. Dass es sich dabei aber hauptsächlich um Minijobs, Ich-AGs und Zeitarbeiter gehandelt hat, die sich mit ihrem Gehalt kaum über Wasser halten können, wird verschwiegen. Ein Wachstum muss tatsächlich erfolgen und nicht auf Statistiken und Schein aufbauen.

Ebenso ist die Forderung der EU absurd, dass Schuldnerstaaten endlich Wachstum erzeugen sollen. Im gleichen Atemzug werden aber enorme Sparanstrengungen gefordert. Das passt nicht zusammen. Unternehmen können durch Sparen ihre Kosten unter Kontrolle bekommen, aber kein Unternehmen ist je durch Sparen gewachsen, sondern nur durch Investition. Wenn aber kein Geld da ist, um zu investieren, dann kann aus der Forderung der EU auch nichts werden.

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Mit freundlichen Grüßen

Ihr

start-trading Team

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