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Wer den Einbruch des Aktienmarktes zu Zeiten des Neuen Marktes erlebt hat, wird sich möglicherweise an zwei wichtige Krisenindikatoren erinnern, die die Endphase des Börsenhypes angedeutet haben. Obwohl das bereits über zehn Jahre her ist, kann man die Gemeinsamkeiten auch in dem heutigen Börsenumfeld erkennen. Im Folgenden werden die zwei Indikatoren vorgestellt.

 

Kerngeschäfft vernachlässigt:

Der erste Krisenindikator, der ein Ende des Börsenanstieges andeutet ist, wenn die Banken mit ihrem Kerngeschäft keinen oder nur geringen Profit machen. Nicht das sicherere Geschäft wird bevorzugt, sondern das spekulative.

 

Zu Neuer-Markt-Zeiten hat man unter anderem das Privatkundengeschäft dermaßen vernachlässigt, dass die Deutsche Bank sich sogar entschloss, die Deutsche Bank 24 zu gründen.  Die neue Bank sollte mit vielen Terminalstationen ausgestattet sein und wenig bis gar keine Mitarbeiter beschäftigen. Die Kunden sollten jegliche Banktransaktion selbst ausführen. Die Privatkunden würden nur Arbeit machen, aber kein Geld einbringen, so die damalige Meinung der Deutschen Bank.

 

Der Grund war folgender: Die Deutsche Bank verdiente Unmengen an Börsengängen (IPO) für das Börensegment der Tech und Dot.com Unternehmen. Warum also mit Kleingeld spielen, wenn das große Geld ruft. Natürlich haben die anderen Finanzinstitute auch an den IPOs mitverdient, aber die Dreistigkeit, mit der die Deustche Bank sich kurz vor dem Höhepunkt gegen die Privatkunden ausgesprochen hat, ist unerreicht.

 

Heute ist es ähnlich, das Privatkundengeschäft ist wieder einmal in den Hintergrund gerückt, heute verdienen die Banken hauptsächlich am Investmentbanking, vornehmlich im Eigenhandel. Es wird gezockt, getradet und gewonnen. Das animiert die Händler zu mehr Risiko und sollte den Beobachter mahnen, Vorsicht walten zu lassen.

 

 

Unsinnige Produkte:

Der zweite Krisenindikator, der ein Ende des Börsenanstieges andeutet ist, wenn Banken den Kunden besonders unsinnige Produkte anpreisen.

 

Ein warnendes Beispiel war zu Neuer-Markt-Zeiten die Dresdner Bank. Sie warb offensiv mit dem Slogan „Verdienen Sie sowohl an steigenden, als auch an fallenden Kursen„. Damit sollte ein Produkt offeriert werden, das bei jedem Börsenumfeld gewinnt. Der Grund war wie folgt: Der Markt war schon ein ganzes Stück gestiegen, sodass viele Börseninteressenten, die noch an der Seitenlinie standen, sich nicht mehr in den Markt trauten. Mit diesem Produkt aber sollten sie die Vorsicht ablegen. Die Nachricht lautete: „Habt keine Angst, ihr können in beide Richtungen gewinnen„.

 

Das Unsinnige daran verdeutlicht ein einfaches Beispiel: Setzen Sie einmal im Casino einen ganzen Abend lang immer gleichzeitig auf rot und schwarz und in beide Felder den gleichen Einsatz. Im Idealfall bleibt ihr Kapital immer gleich, was Sie bei rot verlieren, gewinnen Sie bei schwarz und andersherum. Es wird aber niemals mehr. Am Ende könnten Sie sogar mit etwas weniger Geld nach Hause gehen, als Sie mitgebracht haben; dann nämlich, wenn gelegentlich die Null kommt, dann würde Ihr Einsatz halbiert…

 

Aktuell werben die Banken vermehrt mit „Multi-Asset-Fonds„. Das ist ein Produktmix, der eine Mischung aus Anleihen, Aktien, Geldmarkpapieren, Immobilien und Rohstoffen beinhaltet. Auch hier geht es darum, die Börseninteressierten abzugrasen, die sich nicht mehr in den Markt trauen, da sie Angst vor einem Absturz der Börsen haben, sich vor Inflation fürchten und sich wegen einer Wirtschaftskrise sorgen. Die Idee ist wie folgt: sollte der Aktienmarkt einbrechen, gewinnen die Anleihen, sollte die Inflation davongaloppieren, dann steigen Rohstoffe/Gold usw. Die Nachricht hier ist ähnlich der von vor 11 Jahren: „investieren Sie, Sie können nur gewinnen, egal was der Markt macht„.

 

Auch hier gilt es, die Unsinnigkeit dieses Investment-Produktes herauszuarbeiten: Wenn Sie sich nicht auf ein oder wenige Produkte festlegen, werden Sie nie gewinnen können. Steigt Gold und fallen Aktien, dann haben Sie in einer Tasche gewonnen und in der anderen verloren. Für die anderen Produke im Fonds gilt das Gleiche. Wenn sich also die Profite und Gewinne in diesem Investment aufheben, dann werden Sie wieder einmal mit weniger Geld nach Hause gehen, als Sie zunächst eingesetzt haben, denn die  Fondsgebühren werden Ihr Kapital aufzehren.

 

Zum Abschluss:

Als die Börsen ab dem Jahr 2000 einbrachen, kam die Deutsche Bank schnell zur Besinnung. Bei fallenden Aktienkursen wollte niemand mehr etwas von Börsengängen wissen. Zu verdienen gab es in diesem Segment dann auch nichts mehr. Aber die guten Privatkunden, die warfen stetig kleine Gewinne ab. Man besann sich in der Zentrale in Frankfurt schnell und stampfte die Deutsche Bank 24 wieder ein.

 

Manche Auswüchse sind immer wiederkehrend, einige unserer Leser, die bereits damals an der Börse aktiv waren, erinnern sich bestimmt. Heute wurden zwei Indikatoren vorgestellt, welche bereits vor über 10 Jahren funktioniert haben. Wir werden sehen, wie sich der Markt diesmal verhält. Die Wahrscheinlichkeit für ein Ende der Phase von steigenden Kursen ist hoch, da die genannten Krisenindikatoren wieder einmal anzutreffen sind.

 

Mit freundlichen Grüßen

 

Ihr

start-trading Team

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