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Was waren das für zwei verrückte Wochen an den Börsen.  So starke Verluste in so kurzer Zeit gab es selten. Diesmal sind es nicht mehr nur die Kursverluste, die weh tun, sondern die Art und Weise, wie die Kurse fallen. Dieser unbändige Wille, Aktien verkaufen zu wollen, die Angst, die permanent die Anleger begleitet und der Druck, mit dem jegliche Luft zum Atmen genommen wird. Dieses Gemisch ist anders und äußerst explosiv. Wenn sich die Annahme bewahrheitet, dann werden die Kurse den Anlegern weiterhin um die Ohren fliegen: Willkommen an Bord, es geht Richtung Börsenhölle.

 

Ein besonders einprägsames Bild der Absturztage war die Hilflosigkeit der Marktteilnehmer. Die Händler hielten sich die offenen Münder, sie schauten gebannt auf die Kurstafeln und gaben verdutzt Interviews. Während man bei starken Kursverlusten meist die großen Investoren verdächtigt, dass diese die Kurse zum Schwanken bringen, damit sie sich selbst günstig eindecken können, ist es diesmal anders. Auch die großen Investoren verkaufen, auch sie haben Angst.

 

Denjenigen, die an eine Rückkehr in die Normalität hoffen, muss widersprochen werden. Keine Börse fällt wie ein Stein, so wie es die Tage geschehen ist und geht dann zur Tagesordnung über. Bitte lesen Sie den letzten Satz noch einmal. Der Wochenschluss ist zwar gelungen, denn der DAX hat in zwei Tagen 500 Punkte aufgeholt. Aber was sind 500 Punkte, wenn zuvor in 7 Handelstagen 1800 Punkte verloren wurden? Eben, ein kleiner Tropfen auf den heißen Stein. Die Anleger sind diesmal in einer Situation, die sie nicht einordnen können. Sie haben keinen Halt mehr.

 

Besonders die großen Investoren versuchen ihre Haut zu retten. Hier geht es nicht mehr darum, Profite zu erwirtschaften, sondern darum, zuerst den Ausgang zu finden. Wer zurückbleibt verliert. Nicht anders sind die Kursverluste seit Anfang August einzuordnen. Die Kurse wurden dermaßen verprügelt, Marktkapital wurde vernichtet und zugleich auch der entsprechende Index in den Keller geschickt. Und immer wenn es einen Funken Hoffnung auf eine kleine Korrektur gab, dann wurde diese noch schlimmer abverkauft. Zurück blieb ein verwüsteter Börsenindex und Aktien, die sich lange nicht mehr erholen werden.

 

Um den Standort des DAX im Chart einordnen zu können, müssen die Börsianer in ihrem Chartprogramm sogar den Kursverlauf der letzten zwei Jahr anzeigen lassen, soviel Kursverluste mussten eingesteckt werden. Allein die Verluste der letzten zwei Wochen haben den deutschen Index auf den Kursstand von vor 12 Monaten zurückgeworfen. Das sollte für jedermann mahnend sein, der noch an eine Korrektur glaubt.

 

Die Anleger sind nun dabei, sich von ihrem Investment zu trennen. Das ist die wesentliche Nachricht dieser Tage. Keine Korrektur, keine normale technische Reaktion, keine gesunde Normalisierung ist hier der Fall. Es geht einzig darum, sich schnell noch von den Wertpapieren zu trennen, bevor noch Schlimmeres passiert. Die nächste Runde Kursstürze wird dann verheerender sein, als das bisher gesehene. Das Signal gibt die Marke 5500 Punkte. Wenn diese unterschritten wird, dann hat der Börsenabsturz Teil II bereits begonnen.

 

Aktuell sind Gerüchte am Markt, dass das Kreditrating Frankreichs um eine Stufe gesenkt wird. Ebenso ist ein Gerücht im Umlauf, dass eine oder mehrere französische Großbanken in Schieflage sind und möglicherweise bald pleite gehen werden. Das wird der Markt nicht verkraften und deshalb verabschieden sich die Akteure aus dem Aktienmarkt. Bei Gerüchten ist es so, ein Funken Wahrheit ist immer daran, sonst kann es keine großen Wellen schlagen.

 

Ein Beispiel: Stellen Sie sich vor, jemand sagt, Frau Merkel wäre jetzt nach ihrem Urlaub hübsch wie ein Modell. Diese Gerücht würde nie zum Leben erweckt werden, denn es ist nicht möglich und niemand druckt diese Geschichte. Anders wäre es wenn ein Dieb das grüne Jackett von Frau Merkel entwendet hat. Das ist ein Gerücht, an dem etwas dran ist, denn es gibt dieses besagte Kleidungsstück und die Kanzlerin wurde bei Spielen der Nationalmannschaft damit gesehen. Ein Gerücht muss einen wahren Kern haben, damit dieses Beachtung findet und von einer großen Anzahl von Beobachtern wahrgenommen wird.

 

Wie das bei Gerüchten so üblich ist, auf die Gerüchte am Markt folgen sogleich die Dementi. Sowohl von der französischen Regierung als auch von der Bank Societe Generale, diese Bank war besonders im Kreuzfeuer, wurde heftigst dementiert. Alle anderen Staaten und Unternehmen, die zuvor Pleite gegangen sind, haben auch erst einmal abgewunken. Wochen später war es aber dann soweit. Die Pleite oder die Abstufung erfolgte. So wird es auch in diesen französischen Fall sein.

 

Da wir gerade bei Gerüchten sind: In den USA macht das Gerücht die Runde, dass die Bank of America in Schieflage ist.

 

Denken Sie nur wenige Jahre zurück, als vehement bestritten wurde, dass ein Land in der Europäischen Union pleite gehen kann. Am Ende mussten sich alle Zweifler eingestehen, dass die Lage noch verheerender war als zuerst angenommen. So ist es auch heute. Die Lage ist schlecht.

 

 

Es gibt keine Aussicht auf Rettung. Während bei der letzten Krise (damals noch Bankenkrise) mit dem Geld der Staaten die Banken gerettet wurden, haben nun die Staaten auch kein Geld mehr. Sie sind bis zum Hals verschuldet. Wo soll also eine Rettung herkommen? Es gibt keine.

 

Das Drucken von Geld ist für die Regierungen nicht mehr so einfach möglich. Es diente nur eine Zeit lang dazu, Probleme zu kaschieren. Aber das Geld unendlich zu drucken ist als wenn jemand beim Poker immer Asse aus dem Ärmel zieht. Mit diesem Spieler spielt niemand und dieser wird des Tisches verwiesen. Er manövriert sich ins Abseits. Wenn das Drucken von Geld ein Heilmittel wäre, dann wäre zum Beispiel Simbabwe ein blühendes Land. Ist es aber nicht.

 

Sollte die amerikanische Regierung auch nur auf den Gedanken kommen, die US-Druckerpresse wieder einzuschalten (z.B. QE3), dann folgt definitiv ein chinesischer Schlag auf den kahlen amerikanischen Hinterkopf.

 

Wenn sich also alle Möglichkeiten einer Rettung erübrigt haben, was bleibt denn dann noch übrig – sofort verduften. Schnell noch die Sachen packen und sich schleunigst verdrücken. So ist es derzeit an den Börsen.  Zurückblickend wird es heißen: Es war Anfang August 2011, als den Börsianern an den Aktienmärkten klar wurde, dass kein Politiker und kein Rat und auch kein Präsident eine Lösung erwirken kann.

 

Hier sei noch einmal erwähnt, dass den großen Marktteilnehmern die Lage durchaus bewusst war, gemeint ist in diesem Zusammenhang aber, dass keine weiteren Neulinge in den Markt bewegt werden konnten, denen man die eigenen Aktien andrehen konnte, ohne selbst den eigenen Kurs zu drücken. Auf die Phase der Distribution wurde in den letzten Monaten immer wieder hingewiesen. Große Marktteilnehmer haben sich positiv zum Aktienmarkt geäußert und ihre Anteile an die gierigen neuen Hände verkauft.

 

Das Finanzsystem, so wie wir es heute kennen, kann so nicht mehr überleben. Es wurden genug Schulden gemacht und ein weiterer Anstieg der Schuldenmenge ist nicht zu verkraften. Es mag für verschiedene Leser etwas übertrieben klingen, dass es keine Lösung für die derzeitigen Probleme des Finanzsystems geben kann, doch das ist die Realität. Es ist sogar so, dass es nicht einmal eine Basis für minimale Lösungsansätze geben wird.  Es wird kein gemeinsamer Konsens für jegliche Art von Idee für eine Lösung gefunden werden können. Die EU Länder sind zerstritten, in den USA sind die Republikaner und die Demokraten zerstritten, in den Welt sind die Chinesen und die Amerikaner zerstritten. Alle sind zerstritten.

 

Eine wichtige Anmerkung muss gemacht werden: Die Weltgemeinschaft hat sich das Problem der riesigen Verschuldung selbst zuzuschreiben. Es ist nicht aus dem Universum über uns hereingebrochen. Nein, in diese missliche Lage haben die Regierungen die Bürger gebracht und das Volk hat dies geduldet. Zu süß war das Leben auf Pump. Sie sind mit schuld an der derzeitigen Lage.

 

Irgendwann ist immer der Zeitpunkt gekommen, an dem Schulden zurück gezahlt werden müssen. Wenn also eine Rückzahlung nicht mehr möglich ist, wird das Finanzsystem sich verändern müssen. Da niemand bisher weiß, wie das ablaufen wird und welche Veränderungen das für Aktien, Anleihen und Wertpapiere bedeutet, zieht man sich aus dem Markt zurück. Unternehmen werden in Krisenzeiten nicht soviel verkaufen können wie heute und das bedeutet, dass Aktien noch immer viel zu teuer sind für die Zeiten, die noch kommen werden. Manche Anleger flüchten in die Krisenwährungen Schweitzer Franken oder Norwegische Kronen, die meisten aber flüchten in das Edelmetall Gold, um die kommende turbulente Zeit zu überstehen.

 

Die Weltgemeinschaft hat sich in eine ausweglose Gasse manövriert. Die Schulden drücken dermaßen, dass eine Rettungshandlung jeglicher Art unmöglich geworden ist. Es bleibt für die Weltgemeinschaft nur der Weg in die Rezession/Depression und für die Anlegergemeinde der direkte Weg in die Börsenhölle.

 

Mit freundlichen Grüßen

 

Ihr

start-trading Team

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