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Die letzten Tage waren verheerend an den Börsen. Aktien fielen ins Bodenlose, zurück blieben Anleger, die verängstigt die fallenden Kurse beobachten. Während der Absturz jedem Aktionär den Atem raubt, weil man solch eine Dynamik nicht erwartet hat, ist das bei den Medien anders. Diese haben viel Luft und preisen den Aktienmarkt, preisen die Kaufkurse und schimpfen über den Goldpreis.

 

Besonders auffallend war die Nachrichtenlage in den ersten Tagen dieses Monats gewesen. Auffallend oft wurde von „überraschenden“ und „unerwarteten“ Kursrückgängen gesprochen. Die deutschen Unternehmen wären doch super aufgestellt hieß es, daher sei ein Absturz der Kurse nicht zu erwarten. Die Kursverluste wären demnach nur eine Korrektur. Die Anleger sollten drin bleiben. Das war, als der DAX noch bei 6900 Punkten notierte.

 

Als die Börsen einbrachen, meldeten verschieden Online Medien zügig, warum es gerade jetzt gut sei, Aktien zu kaufen. Anleger sollten sich nicht aus der Ruhe bringen lassen. Aktien hätten auch in der Vergangenheit schwere Tage durchgemacht, aber sie sind immer wieder auferstanden. Haben diese Journalisten nie etwas von einer T-Aktie gehört? Die Aktionäre warten bis heute auf alte Hochkurse. Die beschönigenden Worte der Medien waren suspekt. Der Markt schmierte ab und die Nachrichten sagten „alles halb so schlimm“. Das war, als der DAX bei 6500 Punkten notierte.

 

Der Markt fiel weiter und die Medien lieferten erneut Nachrichten, warum es keinen Absturz geben kann. Die Kurse fielen dennoch und die Journalisten bemühten sich um noch mehr Gründe, warum ein Aktieninvestment sinnvoll ist. Die Journalisten sind halt keine Börsianer. Sie schrieben und schrieben und der Markt fiel und fiel. Das war als der DAX bei 6000 Punkten notierte.

 

Auf n-tv wurden verschiede Experten vor die Kamera gebeten (gezerrt?), welche herunterbeteten, warum eine Anlage in Gold falsch wäre. Warum das Edelmetall keinen Schutz bieten würde. Dabei stiegt der Goldpreis fulminant, weil die Anleger in Scharen flüchteten. Was zum Henker haben die Experten genommen, fragten sich daraufhin einige Anleger. Der Markt kracht zusammen, der einzige Lichtblick am glänzenden Horizont ist Gold und der Experte faselt etwas von keinen Zinsen und keiner Dividende.

 

Es kann kein Zufall sein, dass die Medien immer dann lauthals in das Sprachrohr dröhnen und die Leute überzeugen wollen, wenn die Lage ganz schlecht ist. Es gab den ganzen Abschwung über in den großen Medien keine Nachricht über die drohenden Gefahren am Aktienmarkt. Es gab nur sehr wenige warnende Worte zu der Schuldenkrise in Europa. Das Gewitter, dass sich da zusammengebraut hat, wäre für jeden Journalisten eine gute Story gewesen, doch die blieb aus.

 

Lieber wurde von einer Griechenlandrettung gesprochen, von einer erfolgreichen Auktion spanischer oder italienischer Anleihen berichtet und über die Einigung der Parteien im amerikanischen Streit um das Schuldenlimit. Das waren Meldungen, die gefeiert wurden, obwohl sie gar keinen reellen Nutzen haben. Zum Beispiel die Griechenlandrettung, welche Rettung? Die Medien wollten einfach Stimmung verbreiten. Man hat gemeinsam gejubelt, als die EZB ankündigte, weiter Anleihen aufkaufen zu wollen, obwohl das ein Eingeständnis der EZB ist, dass ihre bisherigen Maßnahmen nicht gefruchtet haben. Dinge, die schlecht sind wurden dem Leser als gut dargestellt. Die Medien haben versagt.

 

Die Medien verfolgen keine unparteiische Aufklärungsfunktion mehr. Liest man die Berichte während der Crashtage, dann könnte man meinen, die Medien sind von der Bankenlobby und oder der Regierung bezahlt worden. Kritischer Journalismus ist etwas anderes. Da wird von Möglichkeiten und Chancen geredet, obwohl Ausweglosigkeit und höchstes Risiko die Anleger beschäftigen.

 

Erst jetzt, wo der DAX nahe 5500 Punkte notiert, ist ein Leugnen nicht mehr möglich gewesen. Zaghaft werden nun auch Berichte veröffentlicht, die die Lage an den Finanzmärkten auch schonungslos offenlegen. Zum Beispiel, dass die Anleger jeder Art von Rettungsmeldung durch die Politik misstrauen. Oder die Tatsache, dass eine Rettung aus der Schuldenkrise für Staaten und Unternehmen auf traditionelle Weise nicht mehr möglich ist.

 

Im ersten Teil des Absturzes der Börsen haben die Medien versagt, sie werden erneut eine Chance bekommen, wenn der Absturz in die zweite Runde geht.

 

Mit freundlichen Grüßen

 

Ihr

start-trading Team

 

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