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Als ein Paniktag wird der gestrige Handelstag in die Bücher eingehen. Die Börsianer waren zunächst am Abgrund und am Ende des Tages wieder in der Normalität angelangt. Jemandem, der keine Aktien besitzt, muss der gestrige Crash Tag durchaus irritierend vorgekommen sein. Welch ein Durcheinander – die Medien waren voll mit Titeln wie „DAX Absturz“, „Börsencrash“ oder „Märkte in Panik“. Wenn der Finanzmarkt bebt, dann müssen alle anderen Krisen zurückstecken. So auch gestern.

 

Der Aktionär ist auch nur ein Mensch. Und wenn die Märkte fallen, dann braucht er Aufmerksamkeit und Zuspruch. Er muss reden und ein Für und Wider seiner Aktion besprechen, nur so kann er den Druck bewältigen. Wenn die Börsianer Angst haben, dann ist die Kommunikation enorm wichtig, denn gemeinsam lässt sich das Börsenleid leichter ertragen. An so einem aussergewöhnlichen Tag dürfen auch die Kollegen aufhören zu arbeiten und sich Zeit nehmen für einen Börsenaustausch. Beim Mittagessen gibt es natürlich auch nur ein Thema, nämlich die Börse crasht, der DAX stürzt ab.

 

Für einen Aktionär muss der gestrige Tag wohl wie folgt abgelaufen sein:

Am Morgen des 9. August begann die Börse für unseren Aktionär noch harmlos. Der DAX startete mit einem kurzen Spurt in die Pluszone, um dann in den Panikmodus zu wechseln. Zunächst war das Minus mit 1,5% überschaubar, heutzutage muss man über 1,5% Minus beim deutschen Leitindex schon dankbar sein. Doch dann wuchs das Minus in Minuten auf 2,5% an. Angst macht sich unter den Anlegern breit.

 

Es begann mit der Verlangsamung des Internets, so gegen 09:40 Uhr wurde das Netz immer langsamer. Dass verhieß irgendwie nichts Gutes. Auf einmal benötigten Börsenseiten Minuten um zu laden, so wie es zu den besten Neuer-Markt-Zeiten war, als noch mit Modem und Analoganschluss gesurft wurde. Dann fiel plötzlich auch der Link zur Parkettkamera aus.
Wenn der Aktionär so ganz von der schnellen Welt des Internets abgeschaltet ist, dann wird ihm schnell mulmig. Ist etwa der Crash der Weltwirtschaft eingetreten, sind die Banken bereits geschlossen, kann er noch an sein Geld? Was passiert gerade in der Welt, solange der Aktionär auf die Aktualisierung einer Webseite wartet? Sollte er schnell noch tanken fahren, solange es noch etwas gibt?

 

Unser Aktionär wollte sich einen Kaffee holen. Er beeilte sich aufgrund der angespannten Lage und verzichtete auf den Löffel Zucker, um Zeit zu sparen. Er eilte zurück und starrte gebannt auf den DAX Verlauf. „Das gibt’s doch nicht“, dachte er, die wenigen Minuten hatten den DAX schon wieder 100 Punkte und knapp 2% gekostet. Er beschloss, nicht mehr vom Rechner wegzugehen. Als der Kursverfall nicht aufhören wollte, fragte sich der Aktionär, ob die Börse nicht gleich schließen wird. Wenn niemand etwas unternimmt, ist der DAX bei dieser Geschwindigkeit bald bei Null angelangt, so seine Vermutung.

 

„Es muss doch einen Halt geben“, murmelte der Aktionär leise. Doch der Markt hält sich nicht an Linien oder Indikatoren. Es ging runter ohne Widerstand, ohne Gnade. Das also war die Wucht der Märkte. Man bekommt sie selten zu Gesicht, doch wenn die Aktionäre sie zu spüren bekommen, ist sie schmerzhaft. Wie Butter mit einem heißen Messer wurden die Unterstützungen durchgeschnitten. Das Minus wurde immer größer. Die Märkte hatten sich verselbständigt. „Rette sich wer kann“,  lautete das Motto dann. Die Aktien wurden  nun nicht mehr nur auf den Markt geschmissen, sondern gleich fort. Weg mit dem Teufelszeug. Es brachte wohl sowieso nichts mehr. Die Anleger gaben auf. Der DAX notierte zu dieser Zeit bereits über 6,5% im Minus.

 

Das ist wohl das Gefühl, das die Seefahrer früher empfunden haben, als sie bei schwerer See unterwegs waren. Niemand weiß, wo vorne und wo hinten ist, die Sicht ist benebelt und die Angst allgegenwärtig. Jeder klammert sich an seinen Sitz und versucht das schwere Unwetter auszusitzen.

 

So auch am 9. August 2011, an diesem furchtbaren Crash Tag. Bei 5502 Punkten war erstmal Schluss mit der Panik an den Börsen. Von da an ging es wieder nach oben. Die Märkte hatten genug gestürmt. So langsam konnten die Aktionäre auch wieder Luft holen, offensichtlich fielen die Märkte nicht in Schutt und Asche. Jedenfalls gestern nicht. Es wurde weiter gehandelt.

 

Welch ein Auf und Ab der Gefühle. Aktionäre haben es nicht leicht. Es wird nun klar, dass die Dividende nur aus dem einen Grund gezahlt wird, um dieses Leiden einigermaßen zu kompensieren. Wie sonst sollten sich die Börsianer für das ganze Chaos an der Börse interessieren?

 

Zum Glück können einige Betrachter das ganze Geschehen an den Finanzmärkten aus der Ferne ansehen, sie machen sich nicht den Stress und auch nicht die Sorgen über einen Verlust, denn diese Menschen haben gar keine Aktien.

 

Mit freundlichen Grüßen

 

Ihr

start-trading Team

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