Indikatoren-Trading

Das Wochenende ist hin. Weder die Aktionäre selbst, noch die Interessierten des Finanzsystems können den Sonntag in Ruhe genießen. Der USA wurde am Freitag abend nach Börsenschluss die Bestnote der Bonität aberkannt. Die Ratingagentur Standard and Poors hat die Abstufung vorgenommen und den Ausblick auf negativ gesetzt. Demnach könnte die Kreditwürdigkeit der USA noch weiter sinken. Zunächst einmal die Frage aller Fragen, die sich die Anleger stellen: Wie reagieren die Börsen am Montag morgen?

 

Die Unsicherheit um die Reaktion der Finanzmärkte macht den Anlegern zu schaffen. Nehmen es die Börsen gelassen auf und es passiert erst einmal nichts? Die USA wäre nicht das erste Land, das eine Abstufung einstecken muss. Die Welt sollte sich am Montag also weiter drehen. Nach der Panikwoche können sich viele Anleger auch keine weiter fallenden Kurse vorstellen. Der Markt ist bereits ausgebombt, so die Marktteilnehmer, mehr geht erst einmal nicht. Dieser Gedanke mag Hoffnung und Ausweglosigkeit zugleich sein. Man weiß es einfach nicht.

 

Die Alternative ist düster. Nach der Abstufung der Kreditwürdigkeit wird die Welt am Montag morgen nicht mehr die Gleiche sein. Es ist nämlich etwas passiert, was nicht für möglich gehalten wurde (Warum eigentlich?). Die Entscheidung von S&P wird als Signalwirkung angesehen, denn damit ist der erste Stein ins Rollen gekommen. Diejenigen, die an die Garantie der amerikanischen Staatsanleihen geglaubt haben, bekommen kalte Füße und trennen sich von diesen Anlagen. Institutionelle Anleger, die bestimmte Kriterien in ihren Richtlinien haben; unter anderem, nur in Papiere mit Bestnote zu investieren, müssen sich auch aus den Investments in amerikanische Anleihen zurückziehen. Es kommt zu einer Kettenreaktion. Der Abverkauf der Staatsanleihen führt zu einer Panik, die auch die Aktienmärkte nicht schont. Für DAX und Co würde in diesem Szenario der Wochenbeginn als „schwarzer Montag“ in die Geschichte eingehen.

 

Niemand weiß, was die Märkte am Montag morgen aus der Abstufung machen werden und das nagt an dem Glauben der Anleger. Die Angst vor dem Absturz schleicht in den Köpfen herum. Was, wenn das Depot halbiert wird? Was, wenn sich das Ersparte in Luft auflöst? Fragen über Fragen. Aus der Not heraus versuchen die Marktteilnehmer nun alle Informationen aus dem Web zusammenzutragen, die eine Indikation geben könnten, wie die Reaktion der Märkte ausfällt.

 

Die Aberkennung der Bestnote ist zu erwarten gewesen. Die USA muss sich denselben Bewertungen stellen wie Griechenland, Irland und Portugal zuvor. Der Schuldenberg ist zu hoch und eine Lösung nicht in Sicht. Also ist die Abstufung die logische Konsequenz. Nun beginnt die Schlammschlacht. Es wird dreckig, wie man im Umgangston sagt. In einer ersten Reaktion spricht der US Regierung von einem Fehler in der Analyse von S&P. Das ist wirklich sehr billig und eine klägliche Art, zu versuchen sein Gesicht zu wahren.

 

Als wäre man im Supermarkt an der Kasse und die Kassiererin hätte sich um 0,8 Cent verrechnet. Nein, hier geht es um unglaubliche 2 Billionen Dollar und da soll irgendjemand glauben, dass sich die Ratingagentur um diesen immensen Betrag verrechnet hat? Es ist immer die gleiche Reaktion wie Portugal, Griechenland und auch Italien ebenfalls schon geliefert haben. Es wird sofort die Legitimität der Analyse in Frage gestellt. Die Ratingagentur wird als Bösewicht hingestellt, der nur das Schlechte eines Landes will. So ist es aber nicht.

 

Jedes Land hatte lange genug Zeit, seine Finanzsituation in den Griff zu bekommen. Das ist aber nicht passiert. Das Besondere an der US-Abstufung von AAA auf AA+ ist, dass die USA die größte Volkswirtschaft der Welt ist und obendrein den Dollar als Weltleitwährung bereit stellt. Mögliche Verwerfungen in den USA haben sofort globale Auswirkungen.

 

Das ist die größte Angst, die die Menschen an diesem Wochenende wohl beschleicht. Viele haben von der Gefahr von Verwerfungen an den Finanzmärkten gehört. Bisher hat man das als Quatsch abgetan und sich nicht weiter damit beschäftigt. Aber im Hinterkopf sind die Hinweise doch noch da, man hat halt von den Risiken gehört und nun beschleicht die Bürger ein ungutes Gefühl. Wenn es doch wahr ist, was die Gesprächspartner gesagt haben; was, wenn die Webseiten, die über die Gefahren im Finanz- und Wirtschaftssystem berichtet haben, im Recht sind?

 

Sie sprachen von Einlagen, die nicht sicher sind, sie erzählten von Bankenschließungen und dem Verlust des Ersparten. Von Börsencrashs und dem Verlust der Versicherungsleistungen, für die man jahrelang gespart hatte. Und dass Supermärkte möglicherweise schließen werden, wenn es zu Verwerfungen in der Wirtschaft kommt. Man sprach sogar von neuem Geld, von neuer Währung. Von Rezession und von Großer Depression. Alles Dinge, die man nicht hören wollte.

 

Wie soll der Bürger bei soviel Unsicherheit das Wochenende genießen können? Nein, das kann er nicht. Es bleibt immer ein fader Beigeschmack, ob die kommende Woche nicht wirklich zu einer fundamentalen Veränderung unseres Lebens führen könnte. Die Angst führt zu einer Schockstarre, die sich erst am Montag lösen wird.

 

Bei aller Unsicherheit lassen Sie sich den Kaffee und Kuchen am sonntaglichen nachmittag trotzdem schmecken. Sie können heute sowieso nichts ausrichten.

 

Mit freundlichen Grüßen

 

Ihr

start-trading Team

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