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Die USA lieben die Überraschung. Das nicht nur in Hollywood, sondern auch an den Finanzmärkten. Die USA lancieren Nachrichten mit scheinbar hoher Brisanz für die Finanzmärkte, sodass die Nachricht zunächst außerbörslich zu Euphoriesprüngen führt. Dabei passt die USA den Zeitpunkt so ab, dass die Nachricht an einem Sonntag abend (MEZ) veröffentlicht wird. Das glauben Sie nicht? Lesen Sie weiter.

 

Wie war das, als Osama bin Laden angeblich gestorben sein soll? Wann wurde diese Fake Nachricht verbreitet? Es war an einem Sonntag, den 1. März 2011. Das Besondere: Es gab keinen Beweis, keinen Leichnam, keine Aufnahmen. Nur ein blutverschmiertes Bett und viel Geflunkere. Die USA hat ihre offizielle Darstellung des Ereignisses mehrere Male korrigieren müssen, da die Aussagen verschiedener Abteilungen über die gleiche Sache unterschiedlich waren. Da kann dem Leser und den Akteuren an den Finanzmärkten nur die Haare zu Berge stehen und das Ganze zeigt vortrefflich, wie wahr die Aussagen der US-Regierung zuweilen sein können.

 

Der hervorhebende Punkt ist, dass die Nachricht erstmal keine besondere Bedeutung für die Finanzmärkte hatte. Ob nun Osama bin Laden, der ja bekanntlich seit 10 Jahren nicht zu sehen war, Tot ist oder nicht, sollte die Finanzmärkte nicht besonders tangieren. Es liegt an der panikartiken Verbreitung dieser scheinbar so wichtigen Nachricht. Dabei nutzen die USA den Überraschungseffekt der den Hype in Gang setzt. So eröffnete der DAX am 2. Mai 2011 mit einem Freudensprung und notierte gleich nach der Eröffnung bei 7600 Punkten. Das ist bisher auch das Jahreshoch in 2011.

 

Die Privatanleger waren ganz benebelt von diese Nachricht ohne Inhalt. Sie machten sich Hoffnungen auf eine bessere Welt und möglicherweise auf steigende Aktienkurse. Die Medien halfen mit Schlagzeilen wie:  „Die Welt ist ein wenig sicherer geworden„. Doch tatsächlich wollten sich die schweren Jungs mit viel Kapital von ihren Aktien trennen. Das taten sie auch. Gleich nach den ersten Minuten des Handelstages wurden Aktien verkauft, auch über den ganzen Tag hielt der Verkaufsdruck an bis zum Schluss. Der DAX schloss auf Tagestief.

 

Das obige Drehbuch hat doch verdächtig viel Ähnlichkeit mit dem Kursverlauf von gestern, wird der ein oder andere Leser berechtigterweise vermuten. Der Reihe nach. Die USA vermeldete wieder an einem Sonntag abend, den 31. Juli 2011, eine Einigung im Schuldenstreit. Man hatte die ganze Welt lange genug auf eine Lösung hoffen lassen. Das Besondere, es handelte sich am Sonntag abend nur um einen Entwurf, auf den sich die Demokraten und die Republikaner geeinigt haben. Die beiden Kammern des Kongresses müssen erst noch abstimmen und der Vereinbarung zustimmen, d.h. die Nachricht über eine Einigung ist eigentlich ein Fake, sie stimmt zu dem Veröffentlichungszeitpunkt noch nicht. Das wäre so, als würden sie ihrem Nachbarn das Ergebnis eines Bundesligaspiels mit 1:0 als Endstand angeben, obwohl das Spiel noch gespielt wird und das Spiel sich in der 75. Minute (von 90 Minuten, für die weniger Fußballinteressierten)  befindet. Das Spiel ist aber noch gar nicht zu Ende. Ebenso ist die Anhebung des Schuldenlimits noch keine beschlossene Sache gewesen.

 

Doch die USA weiß, wie man die Finanzmärkte anstachelt. So geschehen am Sonntag, den 31. Juli 2011. Eine unfertige Nachricht wird als Erfolgsmeldung gefeiert, die Börsen in Asien und Europa springen an. Die US-Futures sind weit über 1% im Plus. Es herrscht wieder einmal Kaufpanik und diese stellt sich nachträglich als ein Windei heraus.

 

Die Börsen eröffnen mit einem riesigen GAP. Der deutsche DAX schloss am Freitag den 29. Juli bei 7158 Punkten und eröffnet am Montag morgen, den 01. August, bei 7254 Punkten, das sind fast 100 Punkte mehr. Schnell zeigt sich, dass den ahnungslosen Käufern wieder einmal Sand in die Augen gestreut wurde. Nach dem Tageshoch bei 7282 Punkten werden wieder Aktien verkauft. Euphorie hin und Vermeidung eines Zahlungsausfalls der USA her, die großen Jungs kennen keine Gnade und verkaufen ihre Aktien. Diesmal noch entschlossener als beim letzten Mal. Der DAX fällt und fällt und kapituliert schliesslich vollends, als auch die 7000 Punkte Marke erreicht wird. Dabei hatte der DAX bei Erreichen der psychologischen Marke bereits 280 Punkte vom Tageshoch verloren. Am Ende schloss der deutsche Index DAX bei 6953 Punkten. Das ist wieder einmal das Tagestief. Das Drehbuch bei der Osama Bin Laden Meldung zog die Märkte auch bis zur Schlussglocke in die Tiefe.

 

Das Muster ist immer gleich. Es passiert immer sonntags. Eine etwas undurchsichtige Nachricht wird als Rettung/Lösung in die ganze Welt verbreitet. Daraufhin schießen die Vorbörsen in ungeahnte Höhen. Mit Börseneröffnung verkaufen die „wissenden“ Anleger ihre Anteile in die Euphorie hinein.

 

Der Nutzen des Überraschungseffektes ist groß und der Herausgeber der Nachricht weiss über dessen Wirkung Bescheid. Wenn die Finanzteilnehmer keine Zeit zum Denken bekommen, dann bewegt sich die Herde in eine Richtung, nähmlich in die gewollte. In diesem Fall kaufen all diejenigen, die Handelsprogramme nutzen, automatisch; diejenigen an der Seitenlinie kaufen auch, weil der Markt sich in Gang gesetzt hat und man noch schnell auf den steigenden Zug aufspringen will. Und sehr wichtig sind noch die Shortseller, diese sind von einem Tag zum anderen falsch positioniert. Sie müssen ihre Positionen glattstellen und kaufen Aktien, dass führt zu noch mehr Nachfrage.

 

In diese starke Nachfrage hinein verkauft der Lancierer der Nachricht seine Anteile und kann einen guten Preis für seine Aktien herausholen. Dies passiert in der Phase der Distribution. Große Teilnehmer verkaufen an die kleinen Teilnehmer. Die Großen haben dann bereits ihren Gewinn realisiert, während die Kleinen noch auf einen hoffen. Leider vergeblich, wie sich herausstellt.

 

Mit freundlichen Grüßen

 

Ihr

start-trading Team

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