Indikatoren-Trading

Warum sich mit dem unfähigen Chef täglich acht Stunden herumschlagen, wenn man doch sein eigener Chef sein kann? Denn an der Börse kann jeder sein eigener Chef sein, dann nämlich, wenn er sich als Daytrader betätigt. Es braucht keine Ladenmiete, keine Angestellten, keine teuren Maschinen. Es kann mit wenigen Schritten begonnen werden, an der Börse zu handeln. Die täglichen Kursschwankungen wollen ausgenutzt werden, mit Daytrading soll Geld verdient werden.

So ungefähr sieht das Hochglanzbild eines Daytraders aus:

Morgens aufstehen, erste Position eröffnen, Brötchen holen gehen, Position schließen und 200 Euro Gewinn einstreichen. Nach dem Frühstück die Nachrichten lesen, Aktien scannen, neue Position eröffnen. Danach zum Autohändler und verschiedene Modelle Probefahren. Am Mittag wieder zurück nach Hause und Position überprüfen, bereits 300 Euro im Plus. Hälfte verkaufen, die andere Hälfte behalten, da geht noch was. Weil der Tag bisher so anstrengend war, nun ins Fitnessstudio, zwei Stunden später ist die restliche Position auf 200 Euro Plus angeschwollen, der Trader verkauft. Ein kurzer Blick auf die Uhr, die Freundin kommt bald, da geht noch ein kleiner Zock vor dem Feierabend. Neue Position vor wichtigen Wirtschaftsdaten eröffnet und schnelle 50 Euro eingenommen. Der Tag brachte in der Summe 600 Euro Gewinn. So kann es immer laufen.

Wie Sie sehen, liebe Leser, mit Daytrading lässt sich hervorragend Geld verdienen. Warum auch nicht? Billig kaufen und teuer verkaufen, so kompliziert kann das doch gar nicht sein. Und in Zeiten von Optionsscheinen, Knock-Out-Zertifikaten und CFDs kann jeder Trader auch an fallenden Kursen verdienen.

STOP – genug geträumt

Viele Börsianer träumen von dem oben beschriebenen Leben. Ein Leben als Selbständiger ohne Chefs und ohne nervige Kollegen, ein Leben, bei dem man spielend Geld verdient und bei dem man Zeit hat, die man sich selbst einteilen kann. So ist aber das wahre Leben eines Daytraders nicht. Die Beschreibung aus dem Hochglanzprospekt ist nur ein Kunstprodukt, das die Banken und Medien malen.

Die Realität sieht ganz anders aus.

Der Daytrader hat die Nacht kaum geschlafen. Eine Position auf den DAX vom Vortag ist über Nacht offen gelassen worden. Da die Positionsgröße hoch ist, raubt dieser Zustand dem Trader den Schlaf. Mehrmals die Nacht werden die Indizes aus Asien verfolgt. Die geben den Takt für den europäischen Handel vor. Der Daytrader wacht völlig gerädert auf. Anstatt zu frühstücken, rennt er direkt zum Rechner und liest jede erdenkliche Nachricht, um seine Position besser einschätzen zu können. Der Markt eröffnet und jetzt wird ganz genau geguckt, was der DAX macht. Jeder Tick wird bewertet. Den Trader plagen Sorgen, soll er verkaufen oder noch drinbleiben? Noch ist der Verlust gering, aber es könnte gleich in die gewünschte Richtung gehen und aus dem Minus schnell ein dickes Plus werden, also dranbleiben. Foren werden gelesen, was machen die anderen? Gibt es Anhaltspunkte für einen steigenden oder fallenden Index?

Plötzlich nimmt der Druck zu. Es ist schon 11 Uhr. Der Daytrader hat es seit dem Aufstehen nicht geschafft, die Toilette zu besuchen und die Blase meldet sich jetzt. Schnell wird das Geschäft erledigt. Dann ein Kaffee aus dem Vollautomaten gezogen und es geht zügig zurück zum "Arbeitsplatz".

Gleich mal nachsehen, ob etwas passiert ist. Oh je, der Verlust ist größer geworden, der Trader verkauft mit Verlust. Schnell wird nach einer neuen Einstiegsgelegenheit gesucht und auch gefunden. Auch dieser Trade beschert einen Verlust. Dann ist es Zeit für eine Pause, denn der Hunger ruft. Eine Tiefkühlpizza oder ein Mikrowellenessen wird heiß gemacht und es geht wieder zum Schreibtisch. Essen kann man auch, in dem man nebenbei die Märkte weiterverfolgt. Wie ursprünglich vermutet, steigt der DAX am frühen Nachmittag. Jetzt aber rein und an den steigenden Kursen mitverdienen. Als hätte der Markt nur auf den Einstieg unseres Traders gewartet – es geht wieder abwärts. Der Stoppkurs wird erreicht und die Position erneut mit einem Minus verkauft. Der Trader entschließt sich, den Hebel zu erhöhen. Ein Schein mit kleinem Abstand zum KO-Level wird gewählt, dieser kostet wenig und reagiert schnell auf die Bewegungen des DAX. Auf einen Stoppkurs wird verzichtet. Es kommen Wirtschaftsdaten, die unerwartet schlecht ausgefallen sind. Der Markt macht einen Sturz nach unten und knockt dabei die offene Position aus. Dieser Verlust war schmerzhaft. Mit dem DAX ist heute nichts zu verdienen, so denkt sich der Daytrader. Da es bereits schon 17:30 Uhr ist, wird der Fokus nun auf die US-Märkte gelegt. Die nächsten zwei Trades auf den Nasdaq 100 sind erfolgreich und bringen kleine Gewinne, gleichen aber den bisherigen Tagesverlust nicht aus. Es geht weiter, der Trader klebt an seinem Monitor und scannt die Märkte, er verfolgt die Nachrichten, die Foren und die Ticks des Börsendienstes. Das dauert meist bis 22 Uhr. Erst, wenn auch die US-Märkte geschlossen haben, kehrt etwas Ruhe ein. Danach ist der Trader fix und fertig.

Daytrading ist anstrengend. Von leicht verdientem Geld kann keine Rede sein. Die meisten angehenden Selbstständigen, die Vollzeit an der Börse handeln wollen, wollen zwar keine 8 Stunden im Büro sitzen, dass sie aber zu Hause 12 Stunden oder mehr am Rechner verbringen werden, wird ausgeblendet. Eine Idee muss erst erdacht werden, ein Trade muss erst erarbeitet werden, viele mühevolle Arbeit erweist sich nachträglich als nicht mehr nützlich, doch gearbeitet und Zeit aufgewendet hat man dafür trotzdem. Nur wenige schaffen es, die sogenannte Königsdisziplin des Börsenhandels dauerhaft auszuführen

Sollte der Trader eine Verlustserie erleiden, dann geht das schnell an die Psyche. Das führt zu falschen Entscheidungen, bis hin zum Verlust von Haus und Hof. In den meisten Fällen verlieren Daytrader ihr Tradingkapital. Das ist in der Vergangenheit immer so gewesen. Wenn sie obendrein auf Kredit gehandelt haben, bleibt sogar ein Verlust übrig. Hinzu kommt ein total ausgebrannter Trader, dem der Druck die Psyche kaputt gemacht hat. Viele Daytrader sind seelische Wracks.

SO – jetzt, wo Sie die schonungslose Wahrheit kennen, dürfen Sie wieder träumen.

Ja, mit Daytrading kann man Geld verdienen. Jeder kann mit Daytrading Geld verdienen, aber ob er das auch in die Tat umsetzen kann, wird dieser Artikel nicht beantworten können. Will er auch nicht. Wichtig ist nur, nicht auf die geschönte Darstellung der Medien hereinzufallen, sondern die realistische stressige Version zu akzeptieren.

Wie heißt es so schön im Volksmund? "Es gibt in der Welt kein Geld geschenkt", also auch nicht für Daytrader.

 

Mit freundlichen Grüßen

Ihr

start-trading Team

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