Indikatoren-Trading

Gestern Abend nach Börsenschluss war die Meldung ein Donnerschlag. Die Ratingagentur Moody’s erwägt die Abstufung der Kreditwürdigkeit der USA. Die Nachricht traf die Händler überraschend und wirkungsvoll. Die Futures schmierten daraufhin sofort ab. Der DAX verlor in Minuten 50 Punkte. Es wird an der Bestnote der USA gerüttelt. Wenn die Regierung nicht bald gute Ergebnisse präsentiert, dann sieht es für den US-Markt und auch für den US-Dollar sehr schlecht aus.

 

Heute morgen dann, zur Verwunderung aller Marktteilnehmer, notierten die Futures wieder im Plus. Ganz so, als wäre nichts geschehen. Tatsächlich ist diese Ankündigung nur ein Warnhinweis und doch zeigt sie, dass über eine Abstufung nachgedacht wird. Jeder weiß bereits, dass die Staatsschulden der USA noch schlimmer sind als die von Griechenland. Während man die Europäer mit der schlechtesten Note vor dem Default bewertet, bekommen die USA eine Bestnote ausgestellt. Da stimmt doch was nicht, darf berechtigterweise geraunt werden.

 

Die Bewertungen der einzelnen Ratingagenturen sind nicht immer verständlich. Manche Beobachter glauben auch, dass die Nähe der amerikanischen Agenturen zur amerikanischen Nation und zur Wallstreet den Ausschlag gibt, gnädiger mit den USA zu sein als mit anderen Ländern.

 

Es geht aber auch um die Glaubwürdigkeit der Ratingagenturen. Diese haben im Falle der USA lange genug zugesehen und müssen unbedingt ein Zeichen setzen. Das machen sie mit dieser Ankündigung. Wie gesagt, es ist bisher nur eine Warnung, doch über kurz oder lang kommt die USA nicht darum herum, eine Abstufung zu erhalten.

 

Der Präsident der amerikanischen Zentralbank FED, Ben Bernanke, hatte gestern Nachmittag eine Frage Antwort Runde mit den Abgeordneten des Repräsentantenhauses durchgeführt. Laut Bernanke ist die Erholung der Konjunktur schwach. Die FED hätte aber Möglichkeiten, den Markt zu stützen, er nannte es „zusätzliche Werkzeuge zur Stimulation„. Die Börsianer verstanden daraufhin einen Hinweis auf eine neue Runde es QE3 (Quantitative Easing), also der Flutung der Märkte mit noch mehr gedruckten Dollars. Sofort sprangen die amerikanischen Indizes am Nachmittag an und auch der DAX stieg gleich mit.

 

Am Abend dann die Ernüchterung, all die Kursgewinne in den amerikanischen Indizes schmolzen wieder dahin. Es dämmerte wohl einigen Teilnehmern, dass eine neue Runde QE3 nicht helfen wird. All die bisherigen Stützungsmaßnahmen haben auch nicht geholfen und werden es jetzt auch nicht tun.

 

Damit war die Ausweglosigkeit der USA wieder einmal deutlich geworden. Die Regierung hat keine weiteren Ideen mehr, wie sie die ausufernden Schulden in den Griff bekommen soll. Bisher sind sich Demokraten und Republikaner nicht einmal über eine Erhöhung der Schuldenobergrenze einig geworden.

 

Auch wenn die Medien eine Einigung herbeisehnen und die Börsen diese vielleicht feiern werden – eine Einigung, das Schuldenlimit zu erhöhen, löst keines der Probleme in den USA. Es gibt dem Staatsapparat nur ein wenig mehr Zeit.

 

Die Ratingagenturen müssen deshalb handeln und ihrerseits ein Zeichen setzen. Das hat Moody’s gestern Abend getan. Es darf nun mit Spannung gewartet werden, ob die Ratingagentur ihren Worten auch Taten folgen lässt. Sie müsste, wenn sie konsequent ist, die Kreditwürdigkeit der USA abstufen. Mal sehen, ob sie sich das traut.

 

Mit freundlichen Grüßen

 

Ihr

start-trading Team

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