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Bereits unsere Großeltern haben es uns immer wieder gesagt: „Kind, gib nur Geld aus, das du schon hast“. Die Oma ist nun alt geworden und ihre weisen Worte sind in Vergessenheit geraten. Die Probleme, die die Welt jetzt hat, sind nämlich aus genau diesem Grund entstanden. Jeder hat Geld ausgegeben, aber keines besessen, es war nur geliehen. Da die Gesellschaft immer mehr geliehen hat wurden die Probleme immer größer. Jetzt, wo es an der Zeit ist die Schulden zu begleichen, realisiert man, dass gar kein Geld zum Zurückzahlen vorhanden ist.

 

Geschimpft wird aktuell auf die Ratingagenturen, sie würden mit ihren negativen Bewertungen die Schuldnerstaaten in tiefere Probleme stürzen; noch tiefer, als sie bereits schon im Schlamassel sind. Das ist die falsche Betrachtung einer richtigen Sache. Die Ratingagenturen müssen sich kritisch äußern, wenn Griechenland oder Portugal keine gute Bonität ausweisen können. Da kann man keine Ausnahmen machen und auch nichts verschweigen.

 

Die Probleme der Staaten, die vom Staatsbankrott betroffen sind, haben sie sich selbst zu zuschreiben. Die Ratingagenturen haben die Schulden nicht gemacht. Hätte das jeweilige Land nur richtig gehaushaltet, dann hätte es mit den Einnahmen die Ausgaben begleichen können. Das wäre richtig gewesen. So sind sie in einen selbstverschuldeten Schuldenstrudel geraten, aus dem sie nicht mehr entrinnen können. Eine Staatspleite ist für diese Länder unausweichlich.

 

Aber auch Unternehmen leihen sich Kapital. Es ist sogar angesehen, wenn Unternehmen geradezu viel Fremdkapital nutzen. Das sieht in der entsprechenden Gesellschaft gut aus, denn es zeugt von Unternehmertum, weil man Geld für sich arbeiten lässt. Vom Sparen und dann nur sein Erspartes einzusetzen, hält man wenig. In der Theorie, während der Studienzeit, nennt man das Rücklagen bilden. In der Praxis wird das Gelernte gern vergessen. Daher ist es auch üblich, dass sobald Investitionen nötig sind, diese erst mit der Hausbank zu besprechen und sich eine Kreditlinie zusagen zu lassen. Von der Strategie „erst einnehmen und dann ausgeben“, hat man in den meisten Unternehmenskreisen wenig gehört. Die Oma würde die Hände über dem Kopf zusammenschlagen.

 

So passiert es gelegentlich, dass auch die Unternehmen die (Kredit-)Rechnung ohne den Wirt machen.  Da aber bei einem Kredit das Unternehmen von dem Kreditgeber abhängig ist, kann das ganze Konstrukt schnell in sich zusammenbrechen, wenn die heile Welt ins Wanken gerät. So geschehen bei dem Traditionshersteller Porsche. Man wollte den ganz großen Coup landen und die viel größere VW-AG übernehmen. Das Besondere war, diese Transaktion sollte ohne eigenes Geld über die Bühne gehen. Man wollte sich mit Hilfe der Banken (Fremdkapital), welche Kredite zur Verfügung stellen sollten, bei VW die Mehrheit erkaufen und dann aus der Kasse der Wolfsburger die Kredite zurückzahlen. Dabei ist man riskante Geschäfte eingegangen (Optionsgeschäfte), bei denen immer mehr Kapital benötigt wurde, als zunächst geplant. Das zusätzlich benötige Kapital war nicht vorhanden, wieder redete man mit den Banken. Irgendwann aber wurde es den Banken zu heiß und sie gewährten Porsche keinen weiteren Kredit. In dem Moment war der Plan jäh gescheitert. Und es wird noch schlimmer. Durch diese Machenschaft hat die Posche AG hat ihre Eigenständigkeit verloren.

 

Auf die gleiche Weise arbeiten auch die sogenannten Heuschrecken. Sie leihen sich Geld von einer Institution, erkaufen sich die Mehrheit in einem Unternehmen und geben dem Leiher das Geld zurück. Alle Beteiligten verdienen scheinbar daran, nur das übernommene Unternehmen geht dabei zugrunde. Die Filetstücke der erkauften Firma werden nämlich getrennt und meistbietend verkauft. Was hier im ersten Moment als clevere Geschäftsidee aussieht, ist in Wirklichkeit desaströs. Bei solchen Geschäften verdienen wenige hundert Menschen sehr viel daran, doch viele tausende verlieren bei diesem Geschäft. Langfristig verliert die Gesellschaft. Denn wenn es keine funktionierenden Unternehmen mehr gibt, weil sie bereits alle den Heuschrecken zum Opfer gefallen sind, dann sind die Menschen arbeitslos und die Wirtschaft zerrüttet, dann gibt es auch keine Einnahmen für den Staat, der dann seinerseits seinen Aufgaben nicht nachkommen kann. Am Ende verlieren alle.

 

Aber wir wollen nicht vom Thema abkommen. Es geht darum, dass nur das ausgegeben werden soll, was auch in der Brieftasche ist. Also Verschuldung ist tabu. Doch dies ist in unserer heutigen Gesellschaft in Vergessenheit geraten. Unternehmen geben Geld aus, was sie sich zuerst leihen müssen, Privatleute gehen sich erst den Fernseher kaufen und stottern dann den Kaufpreis ab. Und auch Staaten leihen sich Geld, was sie dann ausgeben. Von Sparen keine Spur.

 

All die Probleme von heute basieren auf der gleichen Ursache. Es wurde nicht gespart, sondern ausgegeben. Heute sind die Schulden soweit angehäuft, dass die Kapitalgeber nicht mehr bereit sind, weiteres Geld nachzuschießen. Und jetzt bricht das Kartenhaus zusammen. Da kein neues Geld mehr nachkommt, und unter dem Kopfkissen kein Geld vorhanden ist, steht ein Unternehmen, steht der Privatmensch und auch der Staat vor der Pleite.

 

Das Problem ist der Mensch. Denn er lässt sich hinreißen zu Verschuldung und somit zur Abhängigkeit. Sobald Sie sich Geld geliehen haben, kann Ihnen der Geldgeber Vorschriften machen. Sie sind in Ihrer Entscheidung eingeschränkt. Das können Sie aktuell bei Griechenland sehr gut sehen. Die Helenen entscheiden schon lange nichts mehr selbst. Die Geldgeber wollen eine Lösung für Griechenland ausloten, die Geldgeber wollen, dass in Athen eisern gespart wird, die Geldgeber wollen, dass der Staat öffentliches Eigentum verkauft (Seehäfen, Flughäfen, Strom und Wasserbetriebe usw). Und das alles, weil Griechenland Schulden bis zum Hals hat.

 

All dies hätte für Griechenland und auch für andere Länder nicht passieren müssen, hätte man den Grundsatz der Großeltern befolgt. Erst sparen und dann ausgeben. Ein altes türkisches Sprichwort sagt: „Strecke deine Füsse nur soweit aus, soweit deine Decke reicht„. Die älteren Generationen hatten so Recht.

 

Mit freundlichen Grüßen

 

Ihr

 

start-trading Team

 

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