Indikatoren-Trading

Die Ratingagenturen haben es nicht einfach. Geben Sie keine angemessene Bewertung ab, dann schimpfen alle, warum sie denn nicht rechtzeitig gewarnt hätten. So geschehen bei der Hypothekenkrise in den USA. Diesmal wollen die Ratingunternehmen die Gefahren so früh wie möglich aufzeigen. Es geht um die Schuldenstaaten in Europa. Diese bekommen permanent eine Senkung ihrer Bonität und einen negativen Ausblick präsentiert. Das aber will die Politik nicht hören.

 

Besonders die Politik ist mit den Ratingagenturen unzufrieden. Denn diese würde die Mühen der Schuldnerländer, und damit natürlich auch die Leistung der Politiker, die für eine Rettung kämpfen, zunichte machen. Nach Aussagen aus Athen und Brüssel spart sich Griechenland jeden Euro vom Mund ab, verkneift sich den Ouzo am Abend und den Fetakäse zum Salat und bekommt dennoch eine Abstufung durch den Ratingriesen Standard & Poor‘s präsentiert, der die Bonität des Landes auf „CCC – Ramsch“ senkt. Dies ist die letzte Stufe vor dem „D = Default“. Default steht für den Zahlungsausfall.

 

So würde doch gar kein Land auf die Beine kommen können, wenn permanent jemand mit negativen Bewertungen die Erholung zunichte macht, meldet sich die entrüstete Politik zu Wort. Es kommt noch schlimmer. Die neue Chefin des IWF Christine Lagarde sagte sogar wörtlich „Die Ratingagenturen sollen nicht einschreiten“, wenn ein Schuldenstaat Hilfe aus dem europäischen Hilfsfonds bekommt. Der EU-Binnenmarktkommissar Michel Barnier unterstützt diese Idee und will bis zum Herbst Vorschläge sammeln, wie sich das umsetzen lässt. Die Politik hat völlig das Maß verloren. Sie wollen sich kritische Worte verbieten. Jeder, der nicht mit ihnen ist, ist sozusagen gegen sie. Also wird auf die Ratingagenturen gezeigt.

 

Die Ratingagenturen sind die wenigen Verbliebenen, die bei der Bewertung der Schuldnerstaaten die jeweiligen Probleme direkt ansprechen. Laut  Aussage der Ratingagentur Fitch muss die „Euro-Zone einen überzeugenden Plan zur Bewältigung der Schuldenkrise vorlegen“. Sonst würde es weiter Herabstufungen hageln. Und das – liebe Politik – ist die Wahrheit. Es gibt nichts schönzureden. Die Politik hat bisher keinem Land helfen können, die Schuldenkrise zu bewältigen.

 

Nach mehreren Jahren Griechenland Debatte steht das Land schlimmer da als zuvor. Von Rettung keine Spur. Griechenland wurde wieder Kapital in Höhe von 12.Mrd. Euro zur kurzfristigen Begleichung ihrer Verbindlichkeiten zugeschustert. Das verschafft Luft, aber es hilft nicht. In kurzer Zeit sind die Hellenen wieder vor den Brüsseler Toren und klopfen für weitere Hilfen an.

 

Aktuell wird schon wieder über die Bonitätswächter geschimpft. Zu Beginn der Woche (KW23) hat die Ratingagentur Moody’s portugiesische Anleihen auf Ramschniveau abgestuft. Schon wieder ist die Entrüstung in der Politik groß. Die Forderungen waren auch gleich parat: Man solle die Macht der Agenturen einschränken, man brauche eine europäische Ratingagentur (offensichtlich, um die europäischen Probleme schön zu reden) und ihr Einfluss soll geringer werden, so der Wunschgedanke.

 

Aber auch im Falle Portugals gibt die Bewertung nur wider, was die Realität ist: Portugal ist fast Pleite. Die Bewertung der Bonität drückt aus, dass es sehr fraglich für einen Kreditgeber ist, sein Geld nach einer definierten Laufzeit zurückzuerhalten. An dem Urteil ist also nichts zu bemängeln.

 

Daher ist die Haltung der Ratingagenturen zu begrüßen, sich nicht vor den Karren der Politik spannen zu lassen. Es ist die Aufgabe eines Unternehmens, das die Kreditwürdigkeit eines Landes bewertet, die jeweiligen Probleme anzusprechen und eine angemessene Benotung abzugeben, die das Risiko eines Investments ausdrückt – egal ob es der Politik passt oder nicht.

 

Mit freundlichen Grüßen

 

Ihr

start-trading Team

Share This