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Gewinnwarnungen haben eine besondere Charakteristik. Sie kommen überraschend, haben etwas Beängstigendes und werden im allgemeinen Marktumfeld zunächst ignoriert. So auch dieser Tage. Während verschiedene Publikationen versuchen, eine DAX Rallye herbeizureden und die amerikanischen Indizes durch das PPT Team befeuert werden, brechen in den Unternehmen Umsätze und Gewinne weg. Das mahnt zur Vorsicht.

 

Dabei handelt es sich nicht um irgendwelche Klitschen. Nokia verkündete die erste Schocknachricht am 31. Mai. Der geplante Umsatz für 2011 wird deutlich niedriger ausfallen als bisher angenommen, hieß es aus der Nokia Zentrale in Finnland. Nokia ist halt nicht mehr „the one and only“ im Mobilfunkmarkt – „auch andere Mütter haben schöne Töchter“, dies wurde dann auch als offizielle Begründung geliefert. Die Konkurrenz sei deutlich stärker geworden. Sowohl Umsatz als auch der Gewinn werden unter den bisherigen Erwartungen liegen, so das Unternehmen. Aus Sorge vor weiteren Verfehlungen wollte Nokia keine Zahlen mehr für das Gesamtjahr bekanntgeben.

 

Die Aktie schmierte erst einmal ab und verlor am Tag der Veröffentlichung der Gewinnwarnung 13%. Die Nokia Aktie hatte zu Beginn des Jahres bei über 8 Euro notiert, heute ist der Anteilsschein nur noch 4,20 Euro Wert. In einem halben Jahr hat sich der Wert der Nokia Aktie somit halbiert. Schlecht, das ist ganz schlecht.

 

Eine weitere Gewinnwarnung wurde am 22. Juni von Philips veröffentlicht. Der Gewinn im zweiten Quartal ist in verschiedenen Unternehmensbereichen, wie Lichtsparte oder Verbraucherelektronik, um mehr als 60% eingebrochen. Schuld sei die Nachfrage aus Europa, die wäre „enttäuschend“ gewesen. Zusätzlich sei die Konkurrenz aus Asien (das hatten wir bei Nokia doch auch schon) sehr stark und „preisaggressiv“. Die Anleger waren schockiert und trennten sich sofort von der Philips Aktie, zeitweise waren es auch hier im Tagesverlauf mehr als 13% Kursverlust.

 

Am 27. Juni veröffentlichte auch der niederländische Chemiekonzern Akzo Nobel NV eine Gewinnwarnung. Hier waren es die anziehenden Rohstoffpreise, die den Gewinn im zweiten Quartal verhagelt haben. Außerdem wäre die Nachfrage in „reifen Märkten“ (der alte Kontinent Europa und Nordamerika) zurück gegangen. Auch hier warf man die Aktie schnell aus den Depots. Intraday verlor sie über 11%.

 

Alle drei Unternehmen vereint das gleiche Problem, dass die Nachfrage sinkt. Das überrascht nicht sonderlich, da die meisten europäischen Staaten sparen müssen. Dies wird sich im Laufe des Jahres auch fortsetzen. Zusätzlich zeigt sich, dass Verkaufspreise nicht am Markt durchgesetzt werden können. Die Konkurrenz aus Asien kann qualitativ gleich gute und manchmal auch bessere Produkte zu günstigeren Preisen anbieten. Darauf haben die Unternehmen in Europa derzeit keine Antwort.

 

Gewinnwarnungen mahnen immer zur Vorsicht. Offensichtlich neigt sich die Zeit der konjunkturellen Erholung dem Ende zu. Denn: Gewinnwarnungen läuten meist das Ende steigender Aktienmärkte ein. So war das auch zum Ende der Neuer-Markt Blase. Zunächst tauchen sie vereinzelt auf und werden nach der Bekanntgabe am Gesamtmarkt nicht wirklich beachtet. Erst später erkennt auch der Aktienanleger, dass sich die fundamentalen Daten stark verschlechtert haben, aber dann ist es zu spät und die Aktienkurse bereits im Keller.

 

Mit freundlichen Grüßen

 

Ihr

start-trading Team

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