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Wir leben in einer Welt, in der das Maß verloren gegangen ist. In einer Welt, in der schamlos Doktortitel erschlichen werden, indem die Leistung anderer einfach kopiert wird. Wir reden hier nicht von Herrn zu Guttenberg, nein, auch Frau (Dr.) Silvana Koch-Mehrin findet sich im erlauchten Kreis wieder. Die Universität Heidelberg hat ihr gestern (15.06.2011) den Doktortitel entzogen. Begründung: ihre Doktorarbeit bestehe „in substantiellen Teilen aus Plagiaten„.

 

Schamlos hat man sich mit einem Doktortitel gerühmt, hat sich im Licht der Tapferen und Fleißigen gesonnt. Doch tatsächlich waren es nur Kopien. Besonders dreist ist es, weil die beiden Personen Vertreter des Volkes sind und eine Vorbildfunktion haben sollten. Frau Koch-Mehrin gehört der FDP und Herr zu Guttenberg der CSU an.

 

In der Religion heißt es bekanntlich im achten Gebot „Du sollst nicht falsch Zeugnis reden wider deinen Nächsten“ oder umgangssprachlich „du sollst nicht lügen„. Dem einfachen Bürger wird das bereits in der Kindheit mitgegeben: „Ehrlich währt am längsten“ heißt es im Volksmund. Auch bei der Steuererklärung soll niemand schummeln und immer alles wahrheitsgemäß angeben. Der Normalbürger soll sich immer an die Wahrheit halten. Das gilt anscheinend nicht für die Volksvertreter.

 

Die FDP war es auch, die den Bürgern bei der Bundestagswahl versprochen hatte, es gäbe mehr Netto vom Brutto, wenn man sie wählt. Manch ein Leser erinnert sich vielleicht noch an das Plakat. Tatsächlich hat sich dieses Versprechen als Lüge herausgestellt, von mehr Netto spricht heute niemand mehr. Auch Steuersenkungen wurden vollmundig in Aussicht gestellt, tatsächlich gab es die nur für die Klientel, die viel gespendet hat, aber das Volk ging wieder einmal  leer aus.

 

So sind unsere Volksvertreter eben; wirtschaften oft in die eigene Tasche, erhöhen sich eigenständig die Diäten und sind fernab der Realität. So werden sie vom Volk gesehen und da ist auch viel Wahrheit dran.

 

Unsere Welt hat das Maß verloren, wenn zum Beispiel Vorstände um die Wette zweistellige Millionensummen verdienen. Es ist nicht richtig, dass ein einzelner Mensch 10 oder 20 Mio. Euro verdient. Dieses Geld ist Vermögen des Unternehmens, es kann für mehr Mitarbeiter eingesetzt werden, oder für mehr Kundenprojekte oder mehr Service im Callcenter, damit die Kunden nicht so lange in der Warteschleife warten müssen. Es gibt unzählige Ideen. Doch es sind eben die gleichen Vorstände, diejenigen mit den enormen Gehältern, welche sich ins Rampenlicht stellen und von Einsparungen reden. Gespart wird dann ganz unten, aber nicht am eigenen Portemonnaie.

 

Besonders dreist war der Fall des Herrn Dr. Middelhof (noch ein Doktor). Das war derjenige, der die traditionelle Firma Karstadt als Letzter ruiniert hat. Sechs Monate vor der offiziellen Insolvenz hat der Aufsichtsrat in einer zehnminütigen Sitzung Herrn Middelhoff einen Sonderbonus gebilligt. 2,3 Millionen Euro wurden dem damaligen Vorstandsvorsitzenden für seine gute Arbeit und „für seinen strategischen Weitblick“ zugesprochen, während woanders Karstadt Häuser geschlossen wurden. Man erinnere sich an die Millionensumme an den Vorstandsvorsitzenden, denn sechs Monate später war Karstadt pleite, soviel zum strategischen Weitblick.

 

Ein anderer besonders dreister Fall ist die Geschichte des Dr. Karl-Gerhard Eick (und noch ein Doktor). Er zeigt, wie verrückt unsere Welt geworden ist. Der Herr Eick kam nach dem Herrn Middelhof und wurde als Arcandor Chef (ehemals Karstadt) eingestellt, um das Unternehmen vor der Insolvenz zu retten, doch verließ dieser nach nur sechs Monaten das sinkende Schiff. Das Unternehmen Arcandor zahlte ihm für die sechs erfolglosen Monate 15.000.000 Euro. Sie haben richtig gelesen 15 Mio Euro für sechs Monate Beschäftigungsverhältnis.

 

Noch einmal zur Erinnerung: wie viele Arbeitsplätze können mit soviel Geld gerettet werden? Das Unternehmen Arcandor hätte das Geld dringend brauchen können. Tatsächlich hat man die Firma nur geplündert. Viele haben sich an dem Traditionsunternehmen bereichert. Es kommt noch schlimmer: es wurde versucht, die Auszahlung der 15 Mio Euro aufzuhalten, aber ein Richter entschied, alles ist im Arbeitsvertrag so vereinbart gewesen und somit war die Zahlung rechtens.

 

Schlimm, da haben sich ein paar Leute zusammengesetzt und vereinbaren einen Vertrag, der gegen jegliche guten Sitten verstößt und dem Bürger und auch der Justiz sind die Hände gebunden. Es ist falsch, dass die Politik und der Bürger keine Handhabe gegen solch eine Gaunerei haben. Kanzlerin Angela Merkel hatte sich der Form halber eingeschaltet und fand diese Millionen-Abfindung „absolut unverständlich“ und kündigte an, über die Gehaltsexzesse der Manager „nachzudenken„. Dabei ist es dann auch geblieben.

 

Man weiß gar nicht, welches weitere Beispiel man vortragen soll, es sind unzählige. Alle haben eines gemeinsam, es existieren keine Werte mehr. Es gibt keine Orientierung. Es wird verdient, geplündert, kopiert und niemand, „der sich die Taschen füllt“, ist sich dabei einer Schuld bewusst. Das ist wohl der schmerzlichste Moment. Obwohl alle Bürger sehen, was veranstaltet wird, hat sich eine Lethargie, eine Art Hilflosigkeit etabliert, aus der die Menschen nicht heraus kommen.

 

Es ist wichtig, dass die Menschen ein gerechtes Miteinander pflegen. Es ist wichtig, dass nicht Wenige viel haben, sondern Viele ein wenig mehr. Dieser Grundsatz wird aber heute nicht gelebt, denn das Maß, was gerecht und was fair ist, ist in unserer Welt verloren gegangen.

 

Möglicherweise findet sich der Weg zurück zur Normalität über eine große Krise, nach der das Wertependel zurückschlägt. Wir werden sehen.

 

Die Schummler der Doktorenarbeiten sind sich natürlich keiner Schuld bewusst. Im Falle des Herrn zu Guttenberg wurde erst jede Schuld abgestritten und alle Vorwürfe von sich gewiesen. Auch Frau Koch-Mehrin will sich mit der Entscheidung der Heidelberger Universität nicht zufrieden geben. Sie will jedenfalls prüfen lassen, ob die Aberkennung ihres Doktortitels rechtmäßig ist.

 

Mit freundlichen Grüßen

 

Ihr

start-trading Team

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