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Es ist wieder einmal soweit. Es grünt an den Aktienmärkten und die Anleger greifen zu. Sie positionieren sich, kaufen Aktien, kaufen Zertifikate, kaufen was der Markt so her gibt, kaufen Knockout Scheine, kaufen CFDs – sie kaufen einfach alles. Der Grund wird auch gleich mitgeliefert: Chinas Zahlen zur Industrieproduktion wurden besser als erwartet ausgewiesen, das scheint zu reichen, um die Kauflaune zu steigern. Der DAX steigt.

 

Die Hoffnung auf eine starke Wirtschaftsentwicklung in China wird sich nicht erfüllen können. Die Chinesen wollen ihre Konjunktur abbremsen und nicht weiter anheizen. Sie haben bereits Ende letzten Jahres ihren Leitzins erhöht, um dem Markt Kapital zu entziehen. Die Wirtschaft wächst zu stark und muss verlangsamt werden.  Zusätzlich hat die Chinesische Notenbank den Mindestreservesatz für Geschäftsbanken angehoben, auf nun 21%. Das hat sie schon zum fünften  Mal dieses Jahr getan. Eine erneute Erhöhung um 0,5%  ist bereits beschlossen und wird am 20. Juni in Kraft treten. Dies soll die Inflation verlangsamen und ebenfalls bremsend auf das starke Wirtschaftswachstum wirken.

 

Was ist mit der Schuldenkrise? Vergessen? Am Wochenende hat die Ratingagentur Standard& Poor‘s die Bonitätsnote von Griechenland weiter gesenkt auf nun CCC. Die Staatsanleihen der Helenen waren vorher bereits Schrottpapiere, jetzt sind sie (fast) wertlos. S&P rechnet mit einem baldigen Zahlungsausfall. Der Ausblick bleibt negativ. Die EU/EZB ist schon seit Wochen in der Zwickmühle. Schießt sie Geld hinterher, ist das Geld weg. Leiht sie Griechenland kein Geld mehr, dann ist Griechenland pleite. Versucht sie eine Beteiligung der Gläubiger, dann könnte diese als Umschuldung/Schuldenschnitt vom Markt gewertet werden. Sofort würden die Ratingagenturen den Zahlungsausfall bestätigen und alle Kreditausfallversicherungen würden aktiviert werden. Die so genannten Retter (EU-Länder, EZB, IWF) haben Angst vor dem Ernstfall, denn sie wissen nicht, wie die Konsequenzen aussehen werden.

 

Wallstreet Banken bereiten sich auf einen Staatsbankrott der USA vor„.  So titelte die Financial Times am Montag und berichtete über die drohende Staatspleite der USA. Diese würde eintreten, wenn die Haushaltsverhandlungen nicht zu einem Ergebnis kommen würden. Aus diesem Grund würden sich mehrere Großbanken auf den Notfall vorbereiten und Staatsanleihen der USA verkaufen (respektive den Verkauf bereits einplanen).

 

Es muss für die heutigen Aktienkäufer klar sein, dass viele Länder sparen müssen und nicht mehr soviele Güter kaufen werden wie in der Vergangenheit. Die USA hat kein Geld mehr (Schuldenobergrenze ist bereits erreicht), China will sparen, die EU Länder müssen sparen. Deutschland wird die Exportraten der Vergangenheit nicht mehr erreichen können. Dementsprechend werden die Unternehmen weniger verkaufen können. Und als weitere Folge gibt es wenig Phantasie, dass die Aktienkurse weiter steigen können. Das Potential für den DAX ist gering.

 

Wenn es also keinen fundamentalen Grund gibt, warum Aktien steigen sollten, warum tun sie es dann doch? Folgende zwei Gründe sprechen für kurzfristig steigende Kurse: wie in der aktuellen Daxanalyse veröffentlicht, läuft eine technische Reaktion auf die zuvor stark  gefallenden Kurse. Dies ist an der Welle 2 zu erkennen. Zweitens am Freitag  den 17. Juni steht wieder ein großer Verfallstag an, ein dreifacher Hexensabbat. Es verfallen zahlreiche Index-Futures und -Optionen sowie Aktienoptionen an den Terminbörsen. Die großen Marktteilnehmer versuchen nun, den DAX an die Marke zu hieven, an der ihre Wetten am günstigsten für sie ausgehen werden. Marktgerüchten zufolge liegt dieser Bereich bei 7300-7320 Punkten.

 

Kurzfristig steigende Kurse sind zwar schön anzusehen, aber sie sind nicht der Beginn einer neuen Aufwärtsbewegung. Dieser Daxanstieg ist technisch bedingt, aber nicht von Dauer. Lassen Sie sich nicht von der kurzfristigen Euphorie anstecken, lassen Sie lieber die Anderen zugreifen.

 

Mit freundlichen Grüßen

 

Ihr

start-trading Team

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