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Wenn über das Land Amerika geredet wird, dann dominiert meist die Wallstreet. Diese berühmte Straße im Stadtteil Manhattan, an der die weltgrößte Börse ihren Sitz hat, nämlich die New York Stock Exchange. Sie gilt als die Quelle des nie endenden Geldflusses. Sie gilt als Zentrum der Macht.  Sie gibt den Takt vor und alle anderen Börsen weltweit müssen folgen. Wenn an diesem besonderen Ort Aktienkurse steigen, Unternehmen blendende Quartalszahlen ausweisen und Gewinner gefeiert werden, dann darf nicht vergessen werden: die Wallstreet ist nicht Amerika.

Wenn die Wallstreet auf Sendung geht, dann malt sie ein Bild eines erfolgreichen und wohlhabenden Landes Amerika. Im folgenden Artikel steht Amerika stellvertretend für die USA (Nordamerika). Sie zeigt Menschen, die sich mehr Sorgen um ihre Manolos machen als um die Kriminalitätsrate in ihrer Stadt. Und sie zeigt Menschen, die ein Vermögen für eine Flasche Wein ausgeben, das oftmals mehr ist als das Jahreseinkommen des Durchschnitt-Amerikaners. Aber Amerika sind nicht die erfolgreichen Investmentmanger der Banken in New York und auch nicht die smarten Börsenreporter, die von Geld und Ruhm berichten.

Tatsächlich besteht Amerika aus meist fettleibigen Menschen, die Erna oder Jim heißen und ihren Pickup über ein karges Land steuern. Das ist Amerika. Die Mehrheit der Amerikaner interessiert sich gar nicht dafür, was an der Wallstreet passiert. Außer wegen ihren Alterspensionen, die sind nämlich an die Aktienperformance verschiedener Unternehmen gebunden. Diese Konstellation führt dann dazu,  dass die Unternehmen im Laufe der Zeit meist zahlungsunfähig werden und die Menschen im Alter ohne Geld dastehen.

Es wird den Europäern gern ein Amerika der schlauen Köpfe gezeigt, welche in Elite Unis wie Harvard oder Princeton studiert haben und nun die Firmen an der Wallstreet mit ihrem Wissen beglücken. Stattdessen herrscht Bildungsnotstand in dem Land der unbegrenzten Möglichkeiten. Aber das wird ausgeblendet. Gewinner soll das Land hervorbringen, dass die Mehrheit aus Verlieren besteht, wird verschwiegen.

Während an der Wallstreet die Manager von Banken und Investmentgesellschaften sich mit Sonderboni und Millionengehältern das Leben versüßen, muss die Mehrheit sehen, wie sie ihren Lebensunterhalt bestreitet. Die meisten Amerikaner sind schlecht bezahlt und brauchen mehrere Jobs, um über die Runden zu kommen.

Die Wallstreet zeigt die Erfolgreichen, sie zeigt diejenigen, die es zum Millionär geschafft haben. Die vielen anderen in Amerika, die immer noch Teller waschen müssen, die  zeigt niemand. In den USA kann man in den unzähligen Shoppingmalls viele ältere Menschen beobachten, die Werbezettel oder an den Probierständen Kostproben verteilen und bei Wal-Mart aushelfen müssen, weil sie nicht genug zum Leben haben. Für diese Menschen gilt: anstatt Altersruhestand muss weiter gearbeitet werden. So ist das wirkliche Amerika.

Die Immobilienblase ist nicht vorüber, wie die Wallstreet die Menschen glauben lassen will. Der Immobilienmarkt ist immer noch in einem schlechten Zustand. Viele Objekte sind von der Zwangsvollstreckung bedroht. Tatsächlich vermieten Amerikaner ihr Haus und leben in ihren Gartenhäusern, nur um die nächste Rate des Darlehens bezahlen zu können. Die Lage für die Mehrheit der Amerikaner ist schlimm. Über 42 Mio. sind auf Lebensmittelmarken angewiesen.

Für die Europäer wird der Anschein erweckt, die Amerikaner sind jederzeit informiert, weil dauernd CNN läuft und die Bevölkerung auf dem Laufenden hält. Das ist ein Trugschluss. CNN gibt es nur gegen Geld über Satellit oder im gebührenpflichtigen Kabelfernsehen. Wenn also eine Eilmeldung durch das Bild von CNN flimmert, dann merken das die wirklichen Amerikaner außerhalb der Wallstreet gar nicht. Die Mehrheit der Amerikaner guckt nämlich Talkshows, von morgens bis abends, dauernd, immer, jederzeit. Vielleicht noch eine Sportübertragung am Wochenende, aber das war es dann auch. Lokale Sender bieten viel Werbung und wenig Inhalt. Das ist das, womit der durchschnittliche Amerikaner konfrontiert ist. Das ist die Realität.

Wäre die Wallstreet als Aushängeschild nicht vorhanden, gäbe es die Weltleitwährung Dollar nicht, dann wäre die USA ein Dritte-Welt-Land. Verarmt, kaputt und weiter auf dem Weg des Niedergangs.

Die Wallstreet ist nicht Amerika.

 

Mit freundlichen Grüßen

 

Ihr

start-trading Team

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