Buchtipp

Irgendwann wollen sie alle an die Börse. Es gibt immer neue Interessierte, die Aktien kaufen wollen oder gar vom Daytrading leben möchten. Alle vereint der gleiche Wunsch, sich auch auf dem Finanzparkett zu bewegen, sie alle wollen Erfolg, Ruhm und Reichtum. In diesem Artikel kommt die ungeschminkte Wahrheit über die Welt der Börse zum Vorschein – was ist die Börse und wie funktioniert sie?

Es beginnt meist mit denselben Fragen: „Ich will Aktien kaufen – wie gehe ich vor?“ oder „Ich möchte auch mal an der Börse spekulieren, was muss ich wissen?“. Auf seine vielen Fragen zum Börsengeschehen bekommt der Interessent dann die immer gleichen Antworten; er soll sich einen Broker aussuchen, ein Aktiendepot eröffnen, Geld einzahlen und ein Wertpapier auswählen.

Der Börsenneuling lässt sich von dieser scheinbaren Einfachheit einnehmen und legt los. Doch Börse ist nicht einfach. Die gängigen Antworten sind nämlich nur die Rahmenbedingungen, um an der Börse zu spekulieren. Das Handeln an der Börse ist komplex.

Der Handel an der Börse gleicht dem Kampf vieler (meist) Männer in einem völlig verdunkeltem Raum. Der große Raum hat nur einen Ausgang, welcher gleichzeitig auch der Eingang ist. Von dort wird die Börse betreten und auch verlassen. Jeder kann dort eintreten. An der Börse fragt niemand nach Deiner Herkunft, nach Deiner Ausbildung oder nach Deinem Stand. Es gilt nur: hast Du Geld, dann darfst Du mitspielen. Hast Du keines, musst Du draußen bleiben.

Die Teilnehmer können keine anderen Teilnehmer sehen und versuchen nun, sich gegenseitig niederzuringen. Man irrt also über das Parkett. Immer, wenn ein Teilnehmer den anderen zu Boden schlägt, bedeutet das ein Plus auf dem Konto des jeweiligen Siegers. Der Gewinner bekommt den Einsatz des Verlierers. Keiner der Spekulanten weiß, wer ihm gegenübersteht. Es können große, starke Gegner sein (Fonds, Versicherungen) oder kleine, unerfahrene (Anfänger, Privatanleger), das weiß der Börsianer nicht. Jeder versucht, sich mit eigenen Mitteln über Wasser zu halten.

Die Swingtrader halten sich nur kurz auf dem Börsenparkett auf, springen in den Markt, ringen ein paar Gegner nieder und huschen schnell wieder heraus. Sie tanken Kraft und gehen wieder in den Markt, sobald sie sich wieder stark fühlen. Eine andere Sorte Trader, die Daytrader, arbeitet ähnlich, sie ist ebenfalls nur für einen kurzen Moment am Markt, bleibt aber länger im Raum. Meist stehen sie an der Wand (der Rücken ist dadurch vor Angriffen geschützt). Immer, wenn jemand an ihnen vorbei hastet, nutzen sie die Gelegenheit und bringen diesen zu Fall. Das gibt Plus auf dem Tradingkonto. Gleich nach dem erfolgreichen Geschäft orientieren sie sich zurück an die Wand, um die nächste Gelegenheit abzuwarten.

Die Großen kennen natürlich die Strategie der anderen. Nahe dem Ausgang und an den Wänden kann man viele andere Investoren abgrasen. Dort versuchen sie, die Kleinen einzufangen. So richtig an ihr Geld kommen die großen Anleger, indem sie ihr Fangnetz ausbreiten. Sie haben viel mehr Kapital und sind den anderen Anlegern schon dadurch körperlich sehr überlegen. Außerdem kennen sich die Großen, sie sprechen sich gelegentlich auch ab. Das heißt, dass mehrere Große sich gegenseitig festhalten und somit einen besonders großen Teil des Raumes abdecken können (viel Kapital bewegen).  Sie tun sich gegenseitig nicht weh, können aber die Kleinen leicht niederringen und deren Gelder einkassieren.

Die Großen haben zusätzlich die Macht, Meinungen an der Börse zu beeinflussen, sie veröffentlichen Analysen und sprechen Empfehlungen zum Kauf oder Verkauf bestimmter Aktien aus. Die Kleinen sind die Konsumenten, sie nehmen diese Informationen auf und treffen daraufhin Entscheidungen. Dass durch die Veröffentlichungen auch ein Vorteil für die Großen abfällt, ist naheliegend. Zum Beispiel wird eine Aktie zum Kauf angepriesen, damit viele diese auch kaufen. Tatsächlich will aber der institutionelle Anleger lediglich seine Bestände aus seinen Kundendepots veräußern. Durch die selbstgenerierte Kaufnachfrage kann er die eigenen Aktien zu guten Preisen verkaufen.

Viele erfahrene und große Investoren brauchen die Neulinge. Sie sind die Basis für ihren Gewinn. Die Neulinge kaufen, wenn die Erfahrenen verkaufen. Die Neulinge tauschen also ihr gutes Geld gegen teure Aktien. Das Geld bleibt solange im Raum, solange man sich in der Börse aufhält, es wechselt nur seinen Besitzer.  Alle Gewinne sind somit erst einmal Buchgewinne. Der erarbeitete Gewinn wird erst realisiert, wenn die Börse verlassen wird.

In dem dunklen Raum (Börse) kämpft jeder Anleger gegen andere, ohne dass der Einzelne weiß gegen wen. Deshalb sind die Börsianer immer so überrascht, wenn Aktien gekauft werden, obwohl der Markt  fällt: „Wer ist es, der Aktien kauft, wenn der Markt crashartig fällt?“ oder „Wer kauft noch, wenn sich Aktien im Kurs bereits verdoppelt haben?“ Da man nicht weiß, gegen wen gekämpft wird, kann man diese Fragen auch nicht beantworten, sondern nur spekulieren. An der Börse ist der Gegner nicht bekannt und die Gründe für einen Anstieg oder Fall der Kurse sind lediglich Beruhigung des eigenen Gemüts. Mit dem tatsächlichen Grund hat es nichts zu tun.

Da auch niemand weiß, wohin die anderen Marktteilnehmer im dunklen Raum rennen und wo sie sich aufhalten, muss man versuchen, sich eigene Kriterien zu suchen, durch die man sich Vorteile verschaffen kann. Zum Beispiel kann man nach Schrittgeräuschen Ausschau halten. Man wüsste dann, wo sich der Gegner befindet oder in welche Richtung er sich verdrückt, wenn der Markt beginnt heiß zu laufen.

Die Analyse von Bewegungen an der Börse findet ganz unterschiedlich statt. Jeder Investor findet seinen eigenen Weg, um die anderen niederzuringen. Damit der Teilnehmer einen Plan hat, muss das Durcheinander am Markt in analysierbare Bahnen gezwängt werden. In der (scheinbaren) Wirklichkeit nennt sich das dann zum Beispiel Chartanalyse. Die Teilnehmer versuchen durch das Zeichnen von Linien zu erahnen, wohin die Mehrheit im nächsten Moment rennen wird (wiederkehrende Bewegungen im Börsenraum). Die andere Analysemethode ist die Fundamentalanalyse, hier wird bewertet, ob ein/e Unternehmen/Aktie günstig ist. Dadurch weiß der Anleger, ob sich gleich alle Teilnehmer auf eine bestimmte Aktie (Ort in dem Börsenraum (Ecke, Wand, Tür)) stürzen werden. Aus der Analyse heraus versuchen sich die Investoren rechtzeitig zu positionieren. Dort kommen dann viele Marktteilnehmer zusammen und kämpfen um die Pluszeichen.

Viele Neulinge wissen nicht, was sie an der Börse erwartet. Aus diesem Grund verlieren die meisten Anleger auch ihr Geld beim ersten Versuch an der Börse erfolgreich zu sein.  Sie wissen weder über ihre Gegner Bescheid, noch über die Raumgröße und haben keinen Schimmer, welche Taktik sie anwenden sollen. Sie haben keine Orientierung. Sie treten ein, werden ausgenommen und verlassen die Börse wieder ohne Kapital. Deshalb spricht man auch oft von „blind in den Markt gehen„.

Die Börse ist keine Unterhaltung und schon gar keine sichere Einnahmequelle. An der Börse muss man sich jeden Euro hart erkämpfen. Es ist für die interessierten Neulinge wichtig, sich mit der Realität auseinander zu setzen. Der Handel  an der Börse ist hart umkämpft und unfair. Vieles, was an der Börse passiert, kann man nicht aus Büchern lernen. Wie die Börse wirklich funktioniert, kann man nur duch (leidvolle) Erfahrung lernen.

 

Mit freundlichen Grüßen

 

Ihr

start-trading Team

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