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Es ist immer die gleiche Vorgehensweise, die die Herren und Damen aus Brüssel anwenden, wenn es um Hilfen für einen von der Pleite bedrohten Staat geht. Zuerst heisst es vollmundig „ein EU Land kann nicht Pleite gehen„, dann – oh Schreck – das Pleiteland benötigt doch Hilfe, denn alleine kommt es nicht aus dem Schuldensumpf heraus. Es wird schnell Hilfe versprochen, ein Rettungs- oder Hilfsfonds wird aufgelegt oder bestehende Fonds werden erweitert – schnell steht das Geld für die Rettung bereit. Man will ja die Finanzmärkte beruhigen.

 

Bevor das Geld ausgezahlt werden kann, wird erst noch böse mit dem Finger auf das jeweilige Pleiteland gezeigt. Es hagelt Ermahnungen und Anschuldigungen. Jahrelang habe das von der Pleite bedrohte Land geschlampt und seine Kosten nicht unter Kontrolle gehabt. Das bankrotte Land hat viel zu viel an seine Bürger ausgezahlt, so sagt man, die Löhne seien zu hoch und die Renten auch. Dann wäre da noch der Konsum, ja da sind sich die EU-Leute aus Brüssel einig, das Land hat zu lange über seine Verhältnisse gelebt. Zuviel importiert und zu wenig exportiert.

 

Nun zur Auszahlung.  Bevor das passieren kann, muss das Pleiteland versprechen, dass es ordentlich sparen wird. Überall, wirklich überall soll der Rotstift angesetzt werden. Dann sind die EU-Regierenden zufrieden. Und noch eines wird ganz klar über die Medien kommuniziert: „dies eine Ausnahme„, eine Rettung eines anderen Staates kommt nie wieder vor. Jedes Land muss sich selbst um seine Schulden kümmern, wird beteuert. Dann klopfen sich die EU-Politiker auf die Schultern, als hätten sie wirklich etwas Tolles geleistet und überweisen die (Steuer)Millarden.

 

So lief das ab, als Griechenland Pleite ging. Nie wieder sollte einem anderen EU-Land geholfen werden. Das wurde klar kommuniziert, um ja keine Nachahmer aufkommen zu lassen. „Es wird keine Hilfen mehr geben„, wurde gebetsmühlenartig wiederholt. Das Hilfsverbot für verschuldete Staaten steht auch in den Maastricht Kriterien, aber in der Not dürfen EU-Politiker  natürlich ihre eigenen Regeln aussetzen.

 

Während Griechenland noch als eine Ausnahme hingestellt wurde, erschien plötzlich Irland auf der Bildfläche. Es brennt lichterloh im Norden Europas und das keltische Land braucht dringend Hilfe. Genauso wie Irland im Boom als keltischer Tiger gefeiert wurde und dabei die heutigen Schulden anhäufte, genauso euphorisch wurde es noch vor wenigen Monaten für seinen strikten Sparwillen gelobt. „Seht her“ hiess es, Irland will sich alleine aus dem Schuldensumpf befreien. „Die mühen sich“. „Irland schafft das schon„, hiess es weiter, Irland ist nicht Griechenland, wurde betont. Es ist nicht das mediterrane Gemüt, das sich Zeit lässt bei der Lösung der eigenen Probleme. Mit dieser Lobhuddelei sollten die Finanzmärkte beruhigt werden.

 

Doch dann braucht Irland doch EU-Hilfe. Es reicht halt in diesem Fall nicht, sich zu mühen. Schnell wird die Argumentation aus Brüssel angepasst. Zur Erinnerung: man wollte ja zunächst nicht helfen. Nun kommen auch Brüssel versönliche Töne. Das Land tue doch alles, um sich aus dem Schuldenstrudel zu strampeln, heisst es, die könne man nicht hängen lassen. Also werden doch schnell wieder Milliarden locker gemacht und überwiesen.

 

In Brüssel und in den jeweiligen Nettozahler-Nationen (unter anderem Deutschland), tritt man schnell wieder vor die Mikrofone. „Um es ein für alle mal klar zu stellen, die aus dem Hilfsfonds bereitgestellten Gelder für Irland sind eine große Ausnahme„. Das kommt dem Leser doch bekannt vor. Gab es das nicht schon einmal?

 

Das Muster ist immer wieder gleich. Zuerst wird eine Rettung ausgeschlossen, dann wird verbal unterstützend eingewirkt, indem die Anstrengungen des jeweiligen Pleitelandes gelobt werden, dabei wird stets betont, dass nicht geholfen wird und auch keine Gelder fliessen werden, um dann letztendlich (natürlich ausnahmsweise) doch zu helfen. Das Geld der Steuerzahler wird überwiesen.

 

Wie ging es weiter?

Als nächstes war Portugal, das schöne Land am Mittelmeer, dran. Lange Zeit auch als Wackelkandidat gehandelt, konnte es sich bis vor wenigen Wochen hinter den Pleiten von Griechenland und Irland verstecken. Die Märkte wussten aber schon, dass Unheil naht, denn die Zinsen für Ausfallversicherungen stiegen bereits massiv an. Als dann Portugal doch in den Fokus der Medien und der Finanzmärkte geriet, musste die EU handeln. Sie begann wieder einmal,  das bekannte Muster abzuspulen, wenn ein Pleitestaat Hilfe benötigt.

 

Portugal muss sich selbst helfen“ das war ganz klar. „Muss mehr in Industrien investieren„, erklärten Wirtschaftsexperten von ihrem hohen Ross herunter. Nur von Wein und Tourismus lässt es sich nicht leben in einem Staat. „Wo kommt die EU hin, jedem Land unter die Arme zu greifen?“ wurden Entrüstungen laut. „Portugal wird es schon schaffen„, sind die anfeuernden Kommentare aus den EU-Staaten. Auch die Portugiesen stemmten sich lange Zeit gegen eine Finanzhilfe. Wenn ein selbständiges Land sich nicht mehr selbst mit Kapital versorgen kann, bedeutet das die inoffizielle Bankrotterklärung. Diese Blöße will sich keine Regierung geben.

 

Es ließ sich nicht mehr abwenden, was unvermeidbar war. Auch die Portugiesen beantragten Hilfe aus dem Rettungsfonds der EU.

 

Es ist immer das gleiche Spiel wie bei allen anderen Ländern auch, die zuvor eine Pleite offenbaren mussten. Erst Griechenland, dann Irland, dann Portugal. Und was passiert gerade? Gerade wird den Spaniern Mut zugeprochen. Die Spanier müssen nun endlich ihre Sparkassen Probleme lösen, sie sollen u.a. die Gewerkschaften in die Knie zwingen um geringere Arbeitslöhne durchzusetzen usw., heisst es aus den EU-Ländern.

 

Es ist also wieder mal Zeit den Spaniern guten Rat zu geben. Klugsch..eissen lässt sich natürlich immer leicht, wenn man nicht direkt betroffen ist. Mit der verbalen Unterstützung der EU will man den Spaniern Hoffnung machen, dass sie ihre Finanzprobleme selbst lösen können. Ach ja – nicht vergessen, der positive Grundton zu Spanien dient natürlich dazu, die Märkte zu beruhigen.

 

Auch bei Spanien wird sich das gleiche Muster wieder bewahrheiten. Schauen Sie zu, wie sich die Geschichte wiederholt. Eine Staatspleite kann zuerst nicht passieren und am Ende folgt doch die Rettung, weil das Land zahlungsunfähig ist.

 

Ohne Zweifel ist Folgendes (und jeder weiss es, der es wissen will);  Spanien wird auch bald eine Pleiteerklärung abgeben! Das iberische Land wird sich auch von der EU retten lassen (müssen).

 

Wenn ein Leser daran seinen Zweifel hat, dann kann er gerne diesen Artikel ausdrucken und über sein Bett hängen. Die Frage ist nicht, ob Spanien Pleite gehen wird, sondern wann.

 

Mit freundlichen Grüßen

Ihr

start-trading Team

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