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Ein amerikanischer Traum, in Form eines Börsenganges der General Motors Company, wird uns vorgeführt. Seien Sie gerührt von diesem vor Kraft strotzenden und Gewinne erwirtschaftenden Unternehmen, welches noch vor wenigen Jahren am Boden zerstört war. Ja, der amerikanische Traum lebt. Egal ob es einer Firma wirklich dreckig geht oder wenn die Lage hoffnungslos wirkt, im Land der unbegrenzten Möglichkeiten ist es immer wieder möglich, in den Ring zurückzukommen und es allen anderen zu zeigen. General Motors ist ein Gewinner und das soll die ganze Welt sehen.


Sollte Ihnen bisher noch nicht übel geworden sein, dann dürfen sie getrost weiterlesen. Was derzeit geschieht, ist unfassbar und doch Realität. Ein Rückblick in Kürze: die völlig marode Autoschmiede aus Detroit, General Motors, muss im Jahre 2008 Konkurs anmelden. Der amerikanische Staat springt als Retter ein und pumpt Milliarden Steuergelder in das Unternehmen. Somit gehören 60% des Unternehmens dem Steuerzahler. General Motors kommt unter Gläubigerschutz, dass sich in den USA Chapter 11 nennt. Alle Schulden werden erst einmal nicht bedient


Knapp zwei Jahre nach der Pleite kommt das Unternehmen General Motors wieder zurück an die Börse, und wie. Das Unternehmen macht wieder Gewinne, die Party könnte daher nicht schöner sein. Alle Medien machen einen riesigen Hype, sie feiern diese amerikanische Kraftleistung, die USA (in diesem Fall GM) hat es geschafft, wieder ganz groß zu werden.


Genau seit gestern, am Donnerstag den 18. November 2010, wird die General Motors Aktie wieder an der Börse gehandelt. Neue frische 478 Millionen Aktien sind zu 33 Dollar je Aktie ausgegeben worden. Das macht satte 22,7 Milliarden Dollar, was der größte Börsengang aller Zeiten ist. Die amerikanische Gigantonomie kennt halt keine Grenzen.


Schattenseiten werden ausgeblendet.


Verschwiegen wird, dass alle Aktionäre, die Anteile an der ursprünglichen Unternehmung General Motors (vorher Corporation) besitzen, leer ausgehen. Das Geld muss abgeschrieben werden. Der Börsengang mit dem gleichen Namen General Motors (jetzt Company) wird als neues Unternehmen behandelt – ohne Bezug zur ursprünglichen GM. Auch hier könnten die Medien bessere Schlagzeilen erfinden als: „GM kommt wieder zurück“ oder „General Motors feiert Comeback“, denn tatsächlich ist GM ein ganz neues Unternehmen.


Verschwiegen wird auch, dass der Staat – der Retter in der Not – 43 Milliarden Dollar für die Rettung bezahlt hat und jetzt durch den Börsengang nur einen Bruchteil davon zurück erhält, nämlich 13,62 Milliarden Dollar. Das klingt noch nicht nach dem großen Geschäft, das man versucht nach außen hin darzustellen.


Abschließend bleibt Folgendes festzuhalten: es ist erschreckend, welche abstrusen Formen amerikanische Rettungsaktionen angenommen haben. Und noch schlimmer ist, dass die Bevölkerung nicht hinter die Fassade schaut, um den Trugschluss zu erkennen.


Indem das Unternehmen General Motors so tut, als hätte es nie Schulden gehabt, diese mit Hilfe des Staates einfach wegradiert, und dann strahlend wieder von vorne anfängt, ist ein Schlag ins Gesicht jeglichen marktwirtschaftlichen Handelns. Ebenso ist es unter Wettbewerbsgründen ein völlig falsches Signal, ein amerikanisches Unternehmen auf diesem Weg nach vorne zu schieben, während alle anderen Autounternehmen ihre Schulden bedienen müssen. Das ist kein fairer Wettbewerb, den sich die Amerikaner doch immer so gerne wünschen.


Die USA macht einen Fehler nach dem nächsten. Sie stolpern nur von einem Problem zum anderen. Dabei zeigt sich, dass die USA nichts aus ihren bisherigen Fehlern gelernt haben. Eine Gesundung für die amerikanische Wirtschaft steht immer noch aus. Dazu gehört auch, dass marode Firmen und Unternehmen, die schlecht gewirtschaftet haben, eben Pleite gehen müssen. Sonst gibt es keine Erneuerung. Damit ist dieser Tag kein Tag zum Feiern für unsere amerikanischen Freunde, sondern ein Tag zum Trauern. Doch die Illusion ist perfekt und nur darauf kommt es im Land der unbegrenzten Möglichkeiten an.


Noch ein Vergleich zum Schluss: die Vorgehensweise, dass einfach Papier bedruckt wird (in diesem Fall 478 Millionen Aktien), um dadurch Dollars einzunehmen ist die Gleiche, als wenn der amerikanische Staat leeres Papier in seine Druckerpresse legt und auf der anderen Seite bedruckte Dollarnoten heraus bekommt. Mit dem bedrucken von wertlosem Papier hat Amerika bestens Erfahrung.


Mit freundlichen Grüßen


Ihr

start-trading Team

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