Indikatoren-Trading

Obwohl die Börsen wie wild steigen, will doch keine richtige Euphorie aufkommen. Warum sollte der Ottonormalverbraucher sich auch freuen? Die Mehrheit der Menschen ist nicht an der Börse aktiv. Bei diesem künstlichen Anstieg der Finanzmärkte gewinnen nur wenige, aber die Mehrheit gewinnt nicht.

Man darf nicht aus den Augen verlieren, dass Gewinne einer kleinen Minderheit möglicherweise großen Schaden für die Gemeinschaft anrichten können. Daher muss man das große Ganze betrachten. Dieses sieht bedrohlich aus.

Aber der Reihe nach. Warum steigen die Märkte überhaupt? Weil die Zentralbanken, allen voran die amerikanische FED, die Märkte mit Geld fluten. Die letzte Entscheidung der FED ist, das Anleihen im Wert von 600 Mrd. Dollar aufgekauft werden sollen. Also wird wertloses Wertpapier entgegengenommen und dafür Dollars gutgeschrieben. Das nennt sich dann monetisieren. In der Umgangssprache bedeutet das: es wird Geld gedruckt. Die Märkte steigen also, weil mehr Geld im Umlauf ist und dieses über einige Ecken auch den Weg in die Aktienmärkte finden wird. Dadurch wird mehr künstliche Nachfrage nach Aktien generiert und die Börsen steigen, weil die Nachfrage größer als das Angebot ist. Die Investoren kaufen bereits heute, damit sie von Anfang an dabei sind. Die Ankündigung reicht bereits aus, um die Börsianer in Feierlaune zu versetzen.

Immer wieder weisen wir auf den wichtigen Punkt hin, dass es nichts im Leben umsonst gibt. Es ist kein Zaubermittel, einfach leeres Papier in den Drucker zu legen und dann wertvolle Dollars herauszubekommen. Das geht einfach nicht. Jeder der noch glaubt, so könnte man Volkswirtschaften oder Staaten retten, der irrt sich.

Die Gefahr, dass die Weltleitwährung Dollar völlig entwertet wird, ist permanent vorhanden. Durch den bereits begonnen Währungskrieg der Nationen werden nun auch Länder wie Japan oder China handeln müssen, um ebenfalls ihre Währungen zu schwächen. Eine schwache Währung macht die im eigenen Land produzieren Güter auf dem Weltmarkt günstiger und dadurch konkurrenzfähiger.

Der Weg des Gelddruckens ist falsch. Es gibt keine Theorie, dass dies jemals sinnvoll gewesen wäre. Daher steuern die USA blind in ihr Verderben. Die Märkte mit Geld zu fluten, bedeutet nur Blasen zu erzeugen. Schaut man in die Vergangenheit, sieht man was die lockere Geldpolitik der amerikanischen FED bewirkt hat. Erst war da die Dotcomblase, dann die Immobilienblase, jetzt bereits wieder die Aktienblase, und ganz aktuell ziehen die Rohstoffpreise an und werden die nächste große Blase darstellen. Zuviel Geld findet immer einen Weg, der sich nicht stoppen lässt. Der enorme Eingriff der FED in den Markt ist der falsche Weg, wenn man der schwächelnden Wirtschaft helfen will.

Die gängigsten Lehren, um in den Markt einzugreifen, sind die angebotsorientierte- und die nachfrageorientierte Wirtschaftspolitik. Bei der angebotsorientierten werden im Markt gute Rahmenbedingungen geschaffen, um die Investoren zum Handeln zu animieren. Zum Beispiel wird entsprechende Infrastruktur bereitgestellt, Steuererleichterungen werden in Aussicht gestellt usw., um eine Investition der Wirtschaftsteilnehmer zu ermöglichen. Bei der nachfrageorientierten Politik tritt für eine kurze Zeit der Staat als Nachfrager auf und generiert Nachfrage nach Strassen, Infrastruktur oder Militärgütern usw. Dadurch animiert er die Märkte den Kreislauf zu starten, indem Angestellte und Arbeiter Gehalt kassieren und es dann durch Konsum wieder ausgeben. Die Unternehmen, die von den staatlichen Aufträgen profitiert haben, haben Einnahmen und diese werden wieder reinvestiert usw. So kann sich die Wirtschaft erholen. Das sind die gängigen Lehren, wie man in den Markt eingreift.

Nun zu Amerika. Kennt irgendjemand eine Wirtschaftspolitik bei der nur Geld gedruckt wird? Die USA tut rein gar nichts um die Wirtschaft anzukurbeln. Konjunkturprogramme in der Vergangenheit haben nicht gefruchtet. Und weitere werden auch nicht fruchten können, da die amerikanische Wirtschaft marode ist. Sie können eine tote Pflanze mit frischem Wasser begießen so viel sie wollen. Die Pflanze wird nicht mehr blühen.

Was machen also die Märkte? Diese hängen an den Lippen des Notenbankchefs Ben Bernanke. Als wäre das Drucken von weiterem Papiergeld die Rettung aller Probleme, wird gehofft, die Leitzinsen mögen noch lange niedrig bleiben und Unmengen an neuen Dollars sollen in den Markt gepumpt werden. Das Volumen von Anleihen, die angekauft werden sollen, hat schon groteske Formen angenommen. Es ist davon auszugehen, dass die FED die Lage nicht mehr unter Kontrolle hat. Es ist wie eine Lüge. Korrigiert man sich nicht gleich zu Beginn, ist irgendwann der Zug abgefahren und man kann die Lüge nicht mehr offenlegen. So kann die FED nicht mehr weg von ihrem eingeschlagenen Weg.

Es gab in der Vergangenheit niemals eine Konjunkturerholung durch das Drucken von Geld. In der Regel wird der Schaden nur größer. Maßnahmen des Gelddruckens sind eigentlich Werkzeuge korrupter, meist ärmlicher Dritte Welt Länder. Nichts anderes macht die USA. Während die Länder der Dritten Welt aber nur ihre eigene Währung ruinieren und hauptsächlich ihrem eigenen Land schaden, ist das im Falle der USA ein Übel, welches die ganze Welt betrifft. Da die Amerikaner die Weltwährung Dollar besitzen und diese sich in fast jedem Depot, in jeder Geschäftskasse oder in jedem Devisenlager der Welt befinden, wird der Schaden immens.

Die Börsen feiern den Anstieg der Kurse durch das fast zinslose Geld der Notenbanken. Indizes steigen in ungeahnte Höhen. Korrekturen bleiben aus. Warnende Worte werden als Miesmacher abgetan. Viele Analysen werden verworfen, weil herkömmliche Analysemethoden kaum mehr greifen. Indikatoren verlieren ihre Aussagekraft. Zwei Beispiele: bei einem RSI Wert (Relative Strength Index) über 70 ist von einem überkauften Markt auszugehen und der Markt sollte korrigieren, doch bei vielen Werten klappt das gar nicht mehr. Wochenlang ist der RSI Index im roten Bereich und steigt sogar noch weiter an. Das zweite Beispiel sind die Bollinger Bänder, auch diese werden als Indikatoren gerne genutzt. Dabei wird davon ausgegangen, dass wenn die Kurse außerhalb der Bänder notieren, diese wieder zurück innerhalb der Bänder tendieren sollten. Bei einigen Indizes konnten die Anleger lange darauf warten. Die Indizes stiegen einfach weiter. Der Markt ist irrational geworden. Das ist unter anderem die ersten Auswirkung des Eingreifens der Zentralbanken in die Märkte, hier allen voran die amerikanische Zentralbank FED. Es kommt zu unkontrollierten, meist unerklärlichen Marktbewegungen.

Dass kaum jemand noch die Märkte versteht, zeigt wie irrational diese bereits worden sind. Die Kurse steigen, weil sie steigen. Das ist zwar nicht neu, doch das Ausmaß ist beängstigend. Wie weit kann man einen Ballon aufblasen? Während am Anfang der Ballon recht einfach mit Luft zu füllen ist, wird es am Ende immer schwieriger. Immer mehr Kraft muss aufgewendet werden, um die Blase noch zu vergrößern. Genau an diesem Punkt sind die Märkte. Mit aller Kraft müssen die Börsen steigen, um die Investoren bei Laune zu halten.

Die Medien helfen wieder einmal kräftig mit. Es wird eine Aura des Wohlstandes vermittelt. Alle Menschen scheinen von den Kursanstiegen zu profitieren. Jede Zeitung berichtet seitenlang über die super Kurszuwächse an den Börsen und über deren Gründe. Doch dem ist nicht so. Nur eine geringe Anzahl von Tradern, Anlegern und Investoren ist tatsächlich an den Märkten aktiv und nimmt teil an den kurzfristigen Veränderungen. Laut dem Deutschen Aktieninstitut (DAI) investieren nur 3,9% der Deutschen direkt in Aktien. Tatsächlich gewinnen derzeit nur die Banken mit ihrem Eigenhandel. Billiges Geld von der Zentralbank wird in die Märkte investiert, diese steigen dadurch, steigende Kurse erhöhen die Gewinne und animieren zu weiteren Käufen. Die Kurse steigen weiter. Ein sich selbsterfüllendes Ereignis. Wie zuvor bereits erwähnt, profitiert nur eine Handvoll Leute, die Mehrheit nicht. Es gibt kein Grund zur Freude.

Tatsächlich knallt der Ballon schon bald. Wenn der amerikanischen Zentralbank FED die Puste ausgeht und nichts Weiteres einfällt, als noch weiter pusten zu wollen, obwohl der Ballon bereits bis zum Bersten gefüllt ist, dann ist die Notlage offensichtlich. Wenn die Investoren verstehen, dass sie veräppelt wurden, dass es keine sich bessernde Wirtschaft gibt und auch keine steigenden Kurse, sondern nur manipulierte Kurszuwächse, dann fällt das Kartenhaus schnell in sich zusammen. Die Verluste werden dann nicht nur die Zocker betreffen, sondern die ganze Gemeinschaft. Denn bei dieser Art von Zockerei verlieren alle.

Es wird nämlich derzeit mit dem mühsam Ersparten der Bevölkerungen gezockt. Wenn ein Fonds zusammenbricht, dann verliert dieser nicht sein Geld, sondern das Geld von Erna, von Harald und von der Monika. Eben das Geld vom dem Otto-Normalbürger. Der Fonds verwaltet das Geld nur und wenn Verluste zu vermelden sind, dann hat es halt nicht anders sein sollen. Dem Fonds macht das erstmal nichts, da es ja nicht sein Geld war, das verloren wurde. Während die Fondmanager ihre Abfindungen einstecken und schon neue Positionen in Aussicht haben, wird das Ersparte der Otto-Normalbürger verloren sein.

Was machen die Versicherungen mit den ganzen Geldern der Leute? Auch diese investieren zum Teil ihre Einlagen am Finanzmarkt. Bei der Dotcom-Blase hat es einige Versicherungen an den Rand des Ruins getrieben, weil diese zu viele der Kundeneinlagen eingesetzt hatten, um im Finanzkasino mitzuspielen. Wenn also durch den riesigen Knall, welcher nicht abwendbar ist, auch Versicherungen Verluste erleiden, dann verlieren auch hier wieder viele Otto-Normalbürger ihr mühsam erspartes Geld.

Die Mehrheit der Menschen hat ihr Geld nur langfristig an den Finanzmärkten investiert. Zum Beispiel für die Altersvorsorge oder für die Altersrückstellungen, oder für die Kapitallebensversicherungen usw. Dieses Geld ist mitten im Finanzmarktdschungel und die Gefahr, dass es bald weg ist, ist groß.

Somit kann sich die Gemeinschaft über das irrationale Verhalten der Märkte nicht freuen. Auch wenn einige wenige scheinbar Spaß an den fortwährend steigenden Kursen haben – gesund ist das nicht. Denken Sie nur an den Fall einer Heuschrecke, die sich mit Gewalt in ein Unternehmen einkauft. Wenn ein Finanzunternehmen einen Betrieb übernimmt, diese ausnimmt, die Filetstücke versilbert und daraufhin nur noch ein kaputtes Unternehmen (Hülle) zurücklässt, dann ist das schön für die wenigen Gewinner, aber ganz schlecht für die Arbeiter und Angestellten, die ihren Arbeitsplatz verlieren und dann auch keine Steuern für die Gemeinschaftskasse zahlen können. Ganz schlecht ist es auch für die Gemeinschaft, weil diese nun für die vielen Arbeitslosen das Arbeitslosengeld mitverdienen muss. Schlecht letztendlich auch für die Gemeinde, weil die Steuereinnahmen durch den Betrieb wegfallen und weil nun Geld an die Arbeitslosen gezahlt werden muss, welches an anderer Stelle gebraucht werden könnte. Um es auf den Punkt zu bringen, ein paar wenige ergaunern sich den Reichtum auf dem Rücken der Gemeinschaft.

Diese Euphorie an den Börsen ähnelt dem obigen Sachverhalt. Nur wenige profitieren von dem Anstieg der Finanzmärkte, diese heizen den Anstieg noch an, weil die Gier nicht genug bekommt. Doch tatsächlich ist der Knall nicht mehr weit …und dann? Dann verlieren alle, denn die Masse kann nicht gewinnen.

 

Mit freundlichen Grüßen

 

Ihr

start-trading Team

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