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Dieser Artikel geht auf die fast schon komischen Marktbewegungen des DAXes der letzten Wochen ein. Dabei jagt eine Kapriole die nächste. Mal geht es um 100 Punkte rauf, um am nächsten Tag wieder 100 Punkte zu fallen. Die Börsianer haben es schwer an den Märkten. Doch woher kommt dieses Durcheinander?


Derzeit wird den Tradern viel zugemutet. Besonders die schnellen Kursbewegungen im DAX sind nichts für schwache Nerven. Plötzlich und für die meisten Marktteilnehmer unerwartet erleidet der Index einen Schwächeanfall, verliert schnell 60-70 Punkte, um dann, wie der Phönix aus der Asche, wieder aufzuerstehen. Es folgen dann 80-100 Punkte „reversal“ nach oben und der DAX steht da, als wäre nichts gewesen oder schließt sogar im Plus. Am Ende des Handelstages kann kein Marktteilnehmer sich einen Reim darauf machen. Das Resultat ist Verwirrung bei den Börsianern.


Besonders übel wurde den Tradern auch gestern, am Dienstag, den 28.September, mitgespielt – diesmal intraday.

Der Tageschart sieht wie folgt aus:


Quelle: Deutsche Börse


Chartverlauf im Detail:

Direkt nach Eröffnung verlor der DAX 60 Punkte bis zur Marke von 6200 Punkten. Dann passierte den Vormittag über nichts und der Index bewegte sich, man kann allerdings kaum von Bewegung sprechen, in einer kleinen Range von ca. 20 Punkten. Kurz vor der Mittagszeit kam dann der riesige Schub von 100 Punkten. Ohne Zwischenpause und ohne Luftholen schoss der Index nach oben. Erreicht wurden 6311 Punkte. Dort begann wieder das gleiche Spiel wie unten. In einer Range von wieder nur 20 Punkten passierte für einige Stunden nichts. Während die Trader warteten, ob nun ein Angriff auf neue Jahreshochs folgen würde, folgte eine starke Abwärtsbewegung ab 15 Uhr. Auch hier wieder eine stattliche Anzahl von Punkten, nämlich etwas mehr als 100 Punkte. Bei ca. 6200 Punkten wieder angelangt, gelang es den Käufern diesen Bereich zu verteidigen. Die Kraft reichte sogar, den Index wieder nach oben zu treiben. Die letzte Stunde schob sich der Index kontinuierlich wieder hoch bis in den Bereich 6280 Punkte, also wieder 80 Punkte plus. Wer bisher an das Gute und Ehrliche im Markt geglaubt hatte, der war bedient.


„Was soll das?“ fragen sich die Marktteilnehmer.

Dieses Hin und Her hat Methode. Man macht die Marktteilnehmer mürbe, sozusagen orientierungslos. Anleger, die in fallende Kurse investieren wollen, trauen sich nicht mehr. Anleger, die auf steigende Kurse setzen wollen, tun das und glauben, der Markt werde nie wieder fallen. Analysten bewerten: der Markt könnte steigen, aber der Markt könnte auch fallen. Das Durcheinander ist also groß und das ist auch gewollt so.


Die Zermürbung der DAX Investoren im Bereich 6200-6300 Punkte geht nun knapp zwei Wochen lang – und sie scheint zu wirken…


Wohin führt die Zermürbung?

Ziel ist es, die Orientierung der Anleger durcheinander zu bringen. Wenn die Marktteilnehmer blind der Masse folgen wollen (Credo: „die Märkte steigen immer weiter „) und die Euphorie keine Grenzen kennt, dann haben alle diejenigen, welche die Fäden im Hintergrund ziehen, alles richtig gemacht. Die Profis werden short sein und die Ahnungslosen Aktien kaufen wollen.


Zwei Tipps, die den Marktteilnehmern von Nutzen sein können:

Erstens: wenn das Durcheinander groß ist, halten Sie sich zurück. Manchmal hilft es, einen Schritt zurückzugehen und die Marktbewegung aus der Distanz zu verfolgen. Ganz ohne offene Position. Das hat schon oft geholfen, wieder einen klaren Kopf zu bekommen.


Zweitens: reden Sie sich nicht ein, eine (bereits passierte) Marktbewegung hätten sie unbedingt mitmachen sollen. Im Nachhinein sich selbst vorzuwerfen „der Markt ist gestiegen und der Trader war nicht dabei“ ist falsch. Nachträglich kann sich jeder auf den Marktverlauf einen Reim machen. Denken Sie daran, der Markt hätte auch 100 Punkte weiter fallen können (in unserem obigen DAX Bild). Die Illusion, Profite verpasst zu haben, ist eine der größten an den Märkten.


Noch eine Beigabe zu dem zweiten Tipp: hätten Sie nämlich gewusst, was der Markt machen wird, hätten Sie die Bewegung auch gehandelt. Zu Beginn der Bewegung wussten Sie aber nicht, was der Markt machen wird, daher lief der Markt ohne Sie los. Der Trader darf sich keinen Vorwurf machen. Behalten Sie also einen kühlen Kopf, das Durcheinander ist gewollt.


Derzeitiger Stand:

Die Absturzgefahr ist groß. Hier können Sie noch einmal unseren Artikel über den drohenden Absturz lesen: hier. Ein schneller Einbruch der Kurse wird die Zermürbung beenden. Dabei haben sich die Märkte die Gründe bereits zurechtgelegt. Eine Abstufung des Ratings für Spanien wird diskutiert, die Bankenkrise in Irland ist akut, ein weitere Abstufung der Bonität von Irland wird besprochen, die schlechte finanzielle Lage der USA und deren Währung Dollar oder die kommende Berichtsaison. Was auch immer als Vorwand für den Absturz genommen wird, die Märkte sind stark anfällig für eine lange Zeit der Kursverluste.



Wie wird der Absturz eingeleitet?

Die Börsenteilnehmer neigen dazu, für eine Umkehr am besten eine Uhrzeit genannt zu bekommen. Zum Beispiel wie folgt: am Morgen können Sie noch long gehen (auf steigende Kurse setzen) und um Uhrzeit X ist es soweit, alle können sich „short“ positionieren (auf fallende Kurse) und der Markt fällt sofort wie ein Stein. So ist die Börse nun einmal nicht. An der Börse hat die Mehrheit Unrecht. Der Zerfall der Kurse kommt meist überraschend. Überraschend heißt jedoch nicht, jemand schleicht sich von hinten an und erschlägt den Bullen (Bulle ist ein Synonym für steigende Kurse), sondern die Masse merkt nicht, was vor sich geht. Da wären wir wieder bei der Desorientierung der Marktteilnehmer. Deshalb ist die Desorientierung auch so wichtig und beabsichtigt. Wenn die Zermürbung wirkt und keiner mehr weiß, was der Markt macht, dann ist der Nährboden für Kursverluste gelegt.



Zwei Wege bieten sich für den Beginn der Abwärtsbewegung an:

Die erste Möglichkeit: der Markt kann jederzeit einbrechen und eine Verkaufslawine auslösen. Wie gesagt, die Absturzgefahr besteht bereits. Bisher hat der Bereich 6120/6200 allerdings gehalten.


Die zweite Möglichkeit: der Markt wird noch einmal auf ein neues Jahreshoch gehievt. Dies würde viele Marktteilnehmer in den Markt strömen lassen, da dies als trendbestätigend für weiter steigende Kurse gedeutet würde. Zur Überraschung aller bricht der Markt daraufhin massiv ein. Es wird dann von einem Fehlausbruch die Rede sein.


Bei beiden Möglichkeiten ist der Weg nach unten lang. Knapp 900 Punkte sollten die Kursverluste betragen. Ziel: 5401 Punkte.


Lassen Sie sich nicht vom Marktverlauf zermürben.


Mit freundlichen Grüßen


Ihr

start-trading Team

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