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Gelegentlich gibt der Markt einem Investor rechtzeitig Signale für einen drohenden Abverkauf. Dies ist aktuell der Fall. Das bedeutet für die nahe Zukunft massiv fallende Kurse für Aktien und Indizes.


Folgender Chartausschnitt bietet hierfür ein Indiz. Er zeigt die letzten 6 Monate einiger ausgewählter Indizes in einer Benchmark Übersicht. Alle starten bei 100% und lassen sich damit vergleichen.



Den einzelnen Farben liegen folgende Indizes zugrunde:


Was fällt auf?

Die amerikanischen Indizes Dow Jones und Nasdaq-100 sind die letzten Monate besonders schwach unterwegs gewesen. Mit Aktienengagement konnten keine Gewinne erwirtschaftet werden.


Der grüne und der gelbe Chart

Die beiden amerikanischen Indizes notieren auf dem gleichen Level wie vor sechs Monaten. Außer den Transaktionskosten war also nichts gewesen. Die Situation der amerikanischen Wirtschaft und die Schwierigkeiten der FED sowie der Politik, die Konjunktur in Gang zu bringen, sind den Anlegern bewusst. Erst letzte Woche hat Präsident Obama noch ein Konjunkturpaket in Milliardenhöhe in Aussicht gestellt, diesmal mit Schwerpunkt Infrastruktur und Straßenbau. Wenn es also tatsächlich das allseits beschworene Wachstum geben würde, wäre ein neues Paket gar nicht nötig. Trotz anderslautender Beteuerungen gibt es kein Wachstum.


Die Investoren lassen sich nichts mehr vormachen. Die USA werden in eine schwere Depression abgleiten, egal welche gegenteiligen Meinungen in den Medien verkündet werden. Ein Land ohne Wirtschaft, ohne Industrie, welches jahrelang mit dem Konsum als Antriebsmotor gelebt hat, ist am Ende. Den Motor Konsum gibt es nicht mehr.


Die Anleger meiden den amerikanischen Markt, da keine Erfolgsaussichten auf Kursgewinne bestehen. Die Milliardengewinne der letzten Berichtssaison beruhen auf staatlich genehmigten Bilanzierungstricks. Verbindlichkeiten werden ausgelagert oder unrealistisch bewertet.


Dies ist für die Mehrheit der Marktteilnehmer nicht neu, man spielt das Spiel aber soweit mit, solange man eigene Profite erzielen kann. Institutionelle Anleger sind ihren Kapitalgebern verpflichtet und müssen Performance nachweisen, also investiert man wie in den letzten Monaten getan. Möglicherweise geht man am Ende dann auch gemeinsam unter, aber es ist für diese Marktakteure leichter zu erklären, dass der Markt eingebrochen ist, als zu erklären, warum man bei steigenden Kursen nicht investiert war.


Die Zusammenfassung für die US Märkte lautet: ein Aktienengagement in den letzten Monaten war ein Nullsummenspiel. Gestartet bei 100% auf der obigen Grafik, notieren die Kurse sechs Monate später immer noch bei ca. 100%.


Der rote Chart

Dies bringt uns zu dem roten Chartverlauf, nämlich dem des deutschen Leitindex DAX. Man erkennt schnell, dass sich der DAX im Vergleich zu den amerikanischen Indizes besser entwickelt hat.


Gestartet bei 100% notiert der Index nun bei 105%. Ein Grund zum Jubeln ist das aber nicht. Schaut man sich den ganzen Verlauf der letzten 6 Monate an, sieht man, dass der Index nicht vom Fleck kommt, die 105% wurden bereits im April erreicht, dann in jedem der Folgemonate noch einmal, also klebt der Index in diesem Bereich. Es geht nicht mehr vorwärts. Seit April diesen Jahres konnten die Anleger mit dem deutschen Aktienmarkt auch kein Geld mehr verdienen.


Sieht man sich den Kursverlauf im Vergleich mit den amerikanischen Indizes Dow Jones und Nasdaq-100 an, so fällt Folgendes auf: wenn die Märkte fallen, dann fällt der deutsche Index weniger und wenn er steigt dann umso schneller. Möglicher Grund ist die besonders gute Positionierung der Bundesrepublik im internationalen Vergleich. Sie ist stark im Export und ihre Unternehmen haben geringe Lohnkosten. Deutschland ist laut aktuellen Angaben des Statistischen Bundesamts Schlusslicht in Europa bezogen auf das Lohnwachstum im Zeitraum von 2000-2010. Durch diese Konstellation hat Deutschland Wettbewerbsvorteile. In einer kürzlich veröffentlichten Studie des Weltwirtschaftsforums (WEF) ist Deutschland unter den ersten fünf der wettbewerbsstärksten Länder der Welt und in Europa die Nummer Eins.


Dies erklärt, warum Kapital eher nach Europa fließt als nach Amerika. Die Unternehmen haben kurzfristig die besseren Aussichten. Doch machen sich die Investoren auch für Europa nichts vor. Die Schuldenlage der Staaten spricht für einen baldigen Staatsbankrott, der Sparzwang bei Staat, den Unternehmen und den Privaten führt zu einem massiven Rückgang der Nachfrage.


Aus denselben Gründen wie bereits oben erwähnt, müssen Investoren ihr Geld in den Märkten anlegen, ob es nun Sinn macht oder nicht. Lieber gemeinsam untergegangen, als alleine einen Trend verpasst.


Der rosa Chart

Kommen wir zum Sorgenkind in der obigen Grafik: dem Chart in rosa Farbe. Es zeigt den Philadelphia-Semiconductor-Index, dieser fasst die wichtigsten Unternehmen der Halbleiter-/Chipindustrie zusammen. Vertreten sind unter anderem Intel, Texas Instruments, ST Microelectronics oder auch Advanced Micro Devices. Dieser zeigt eine starke Underperformance gegenüber allen anderen Indizes. Besonders die letzten anderthalb Monate, also seit August, schwächelt dieser Index stark.


Warum ist dieser Sektorindex so wichtig?

Der Halbleiterindex gilt als Vorläufer der gesamten Wirtschaft. Halbleiterchips sind heute in fast jedem Gerät, in jeder Maschine, in jedem Auto vorhanden. Wenn also die Wirtschaft gut laufen sollte, dann fragen die Unternehmen vermehrt nach Produkten der Halbleiterindustrie nach. Wenn die Auftragslage gut ist, dann investieren die Anleger überdurchschnittlich in Aktien dieser Branche, das führt dann dazu, dass der Philadelphia-Semiconductor-Index steigt. Aktuell tut er das aber nicht, er fällt sogar recht dramatisch.


Der Startpunkt war vor sechs Monaten bei 100%, aber nach einem schnellen Anstieg auf 111% kannte der Index nur eine Richtung und fiel zwischenzeitlich bis auf 86%. Mit Investments in Aktien dieser Branche hat man in den letzten Monaten nur Geld verloren.


Wenn also der Vorläuferindex für die gesamt Wirtschaft so latent schwächelt, heißt das für den Gesamtmarkt nichts Gutes. Die Leitindizes können die Realität nicht ewig ignorieren. Die amerikanischen Indizes, sowie auch der deutsche DAX werden stark abgeben müssen, um wieder ins „normale“ Fahrwasser zurückzukehren. Das Kursziel für den DAX lautet 5401 Punkte.


Der schwarze Chart

Wenn Sie sich bisher gefragt haben, was der geheimnisvolle schwarze Chart anzeigt, welcher so außergewöhnlich stark alle anderen Indizes abgehängt hat, dann lautet die Antwort: Gold.


Die Stärke des Edelmetalls zeigt den Vertrauensverlust der Anleger in die Aktienmärkte und den Verlautbarungen der Politik. Die weiteren Aussichten sind gut, der Goldindex wird weiter steigen. Nächstes Ziel für den Goldpreis lautet 1435$/oz.


Die Kleinanleger sollten sich nicht verunsichern lassen. Das ist augenblicklich leichter gesagt als getan. Der Markt schlägt dauernd Haken, da kann man wohl auch durcheinander kommen. Die einfache Begründung lautet, die Markteilnehmer wissen nicht mehr weiter. Die Orientierungslosigkeit lässt sich anhand der des Kursverlaufs der letzten beiden Handelstage anschaulich verdeutlichen, sehen Sie selbst: Die Anleger sind vollkommen durcheinander. Geht es nun rauf oder doch runter?



Die Unsicherheit der Märkte ist bildlich gesprochen greifbar. Welche Begründung wird den ersten Stein umstoßen, welche noch so scheinbar unerwartete Nachricht bringt die Verkaufslawine in Gang? Die Märkte warten nur darauf, dass der Verkaufsknopf gedrückt werden kann. Dann verkaufen alle Markteilnehmer gleichzeitig.


Der bald einsetzende Abverkauf kann getrost als Crash bezeichnet werden. Noch wird in den Köpfen der Marktteilnehmer versucht, ein mögliches neues Jahreshoch als Ziel zu etablieren. Daran soll geglaubt werden, um weiter in den Markt zu investieren. Der DAX soll auf ein neues Jahreshoch gehievt werden. Ob dieses erreicht wird oder nicht, spielt aber für den Marktverlauf im Herbst 2010 keine Rolle. Ab einem möglichen Startpunkt zwischen 6290 oder 6450 liegt die zu fallende Höhe bei ca. 1000 Punkten.


Die Zusammenfassung

Die Betrachtung der oberen Benchmark-Grafik bringt es auf den Punkt. Seit Monaten steigen die wichtigen Aktienindizes nicht mehr. Der Halbleiterindex als Vorläufer gibt nach. Gold als Werterhaltungsinvestment gewinnt stark an Wert. Bekanntlich spricht ein Bild mehr als tausend Worte.


Mit freundlichen Grüßen


Ihr

start-trading Team

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