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Die USA und Deutschland streiten sich. Dabei ist die sonst so zurückhaltende und passive Ausdrucksweise der Kritik, den offenen Anschuldigen und Schuldzuweisungen gewichen. Die USA fordert mehr Ausgaben, Deutschland möchte lieber Ausgaben kürzen.


Wie war das, wenn jemand am Ertrinken ist? Genau – dann schlägt er um sich. Eben dies tun die USA derzeit in Form von Paul Krugman, seines Zeichens Nobelpreisträger und George Sorros, seines Zeichens Investorlegende.


Was ist geschehen?

In seinem Interview mit dem Handelsblatt (hier) sprach sich der Professor der renommierten Princeton Universität dafür aus, dass Europa und besonders Deutschland nicht sparen sollten, sondern mehr Geld ausgeben sollen. Sparanstrengungen wären das falsche Signal, wenn die Wirtschaft noch nicht in Gang gekommen sei. Die negativen Auswirkungen wären verheerend. Im selben Interview spricht sich der Nobelpreisträger Krugmann auch gegen den deutschen Axel Weber als nächsten EZB Präsident aus, weil Weber vorrangig die Geldwertstabilität als seine Aufgabe sieht.


Diese Schelte wollte der deutsche Wirtschaftsweise Wolfgang Franz so nicht stehen lassen. Im folgenden Handelsblatt Artikel (hier) wundert sich Franz über die konjunkturellen Empfehlungen jenseits des Atlantiks. Er verteidigte die Haltung der Bundesrepublik und ebenso Axel Weber, den jetzigen Präsidenten der deutschen Bundesbank. Franz fragt, wo die Finanzkrise ihren Ursprung nahm und fordert Fakten.


Krugman, erbost über die Antwort aus Deutschland, wollte die Widerrede so nicht stehen lassen und legte in seinem Blog der NY Times nach (hier). Die Finanzkrise sei nicht nur durch die USA entstanden, auch Deutschland hätte die Immobilienblase mitfinanziert und damit eine Mitschuld. Für Europa mit Axel Weber als EZB-Präsident prophezeite er eine grauenvolle Zukunft (hier).


Die Investorlegende George Sorros sieht ebenfalls schwarz für Europa und befürchtet ein Auseinanderbrechen der Währungsunion als Folge der deutschen Sparpolitik (hier).


Die Details können sie anhand der Links nachlesen.


Auch Obama und Merkel diskutieren:

In der Zwischenzeit hat sich Präsident Obama mit einem offenen Brief an die G20-Mitglieder gewandt, dass Sparanstrengungen dem weltweiten Wachstum schaden könnten. Die EU und Bundeskanzlerin Merkel halten dagegen und wollen keine weiteren Schulden.


Die USA, hier repräsentiert durch Krugman und Sorros, scheinen nichts aus ihren Fehlern gelernt zu haben. In der Vergangenheit war die äußerst freigiebige Geldpolitik die Ursache für eine Blase nach der anderen. Man erinnere sich an die dotcom-Blase, auch genannt new-economy-Blase, an den Aktienmärkten. All die ausufernden Übertreibungen haben ihren Ursprung darin, dass zu viel Geld zur Verfügung stand.


Wie war das damals nach der dotcom-Blase?

Zu Beginn des Jahrhunderts: als Antwort auf die massiven Kursstürze an den weltweiten Börsen und der enormen Unternehmenspleiten vornehmlich in der IT Industry senkte die US-Notenbank FED die Zinsen rapide und überschwemmte die Wirtschaft wieder einmal mit Geld. Der kranke Patient USA konnte sich also nicht auskurieren, sondern wurde mit Schmerzmitteln auf den Beinen gehalten.


Das neue Geld begann sich seinen Weg zu suchen. Da Aktien zuvor viel Geld vernichtet hatten, mieden die Investoren zunächst den Aktienmarkt und investierten lieber in Immobilien. Die Preise waren fair und die Zinsen attraktiv. Die Ersten kauften sich Immobilien, die Nachfrage stieg und die Preise begannen zu steigen. Das war der Beginn für die Immobilienkrise. Durch die niedrigen Zinsen konnte jeder Person ein Angebot zum Kauf einer Immobilie unterbreitet werden und da die Preise sowieso stiegen, machte man sich keine Sorgen. Nicht der Kreditnehmer und auch nicht die Kredit gebende Bank. Im Gegenteil, durch den regelmäßigen Wertzuwachs durfte sich der US-Bürger noch höher verschulden, das freute die Bevölkerung, konnte man doch mehr auf Pump konsumieren.


Das war auch der Zeitpunkt, an dem undurchsichtige Finanzprodukte das Licht der Welt erblickten: Absicherungsprodukte auf Immobilienkredite, Derivate usw. Durch die immer noch günstigen Zinsen, gepaart mit der gefühlten Sicherheit, dass man ja Wohneigentum besitzt (welches für immer im Wert steigen sollte), floss auch ein Teil des Geldes wieder in den Aktienmarkt zurück. Die Aktien begannen auch zu steigen und gaben all denjenigen Recht, welche investiert waren, auch wenn das Investment auf Pump war. Die Verschuldung ging weiter und immer mehr US Bürger gerieten in den Strudel dieser Abwärtsspirale. Es fühlte sich an wie ein immerwährender Reichtum, aber in Wirklichkeit war es ein kranker Patient, welcher dringend Hilfe benötigt.


Und nun?

Mit dem Platzen der Immobilienblase und dem Aufkommen der Finanzkrise ist die USA wieder an dem Punkt angelangt, dass der Patient USA immernoch nicht geheilt ist und weiter Hilfe benötigt. Was ist also die Antwort der Verantwortlichen? Noch mehr Geld in den Wirtschaftskreislauf pumpen. Die US Notenbank refinanziert jegliches Ramschpapier, sei es noch so wertlos oder giftig, und zahlt dafür US-Dollar aus. Die Zinsen sind wieder historisch niedrig in einer Spanne von 0 bis 0,25%. Mit ihrer Sitzung am 24.Juni hat die US-Notenbank FED bekräftigt, dass sie diese niedrigen Zinssätze weiterhin beibehalten wolle, vermutlich sogar bis ins nächste Jahr.


Das bedeutet, der Irrsinn geht weiter und das Land USA torkelt weiter umher, zwar noch auf den Beinen, aber wie lange noch? Es ist in diesem Zusammenhang wichtig zu erwähnen, dass auch die europäischen Länder mit „mehr Schulden machen“ ihre Probleme wegradieren wollten, aber nicht in diesem extremen Ausmaß wie die USA.


Welche Haltung ist nun richtig?

Es treffen hier zwei ganz unterschiedliche Weltbilder aufeinander. Auf der einen Seite die amerikanische Ideologie, dass Wachstum über allem steht. Dafür werden Risiken eingegangen und auch Bedenken bezüglich z.B. Inflation außer Acht gelassen. Es steht u.a. in den Statuten der US-Notenbank (FED), dass sie auch zum Wohle der Wirtschaft und des Wachstums handeln soll.


Anders in Europa. Die europäische Zentralbank ist angehalten, sich nur um die Geldwertstabilität zu kümmern. Die Wirtschaft ist Aufgabe der Politik und nicht die der Zentralbank. Hier muss erwähnt werden, dass die EZB im Frühjahr 2010 eingeknickt ist und mit der Entscheidung, Ramschanleihen zu monetisieren jegliches Vertrauen verspielt hat. Im Zuge der Rettung für hochverschuldete EU-Staaten hat sie sich von der Politik reinreden lassen und ist zum Handlanger degradiert worden. Sie hilft nun der Politik und handelt nach deren Vorgaben. Die Rettungsbemühungen haben Vorrang vor der Stabilität der europäischen Gemeinschaftswährung EURO.


Deshalb hat die USA, respektive Krugmann, soviel Angst, dass der deutsche Bundesbankpräsident Axel Weber die EZB Führung übernimmt. Weber vertritt nämlich die deutsche Einstellung, dass die Geldwertstabilität oberstes Priorität hat, dass Inflation bekämpft werden muss und die Zentralbank eigenständig ist und bleiben sollte. Zu keiner Zeit würde sich die Zentralbank unter Webers Führung von der Politik etwas diktieren lassen. Bevor es die EZB gab, war die Bundesbank in Deutschland eine mächtige Institution und hat die „starke D-Mark“ geschützt – eben aus den obigen Gründen.


Der derzeitige schriftliche Schlagabtausch zeigt die ausweglose Situation der vereinigten Staaten; wenn ein so wirtschaftlich starkes Land wie Deutschland (eventuell auch andere Europastaaten) spart, dann werden die USA kaum noch Produkte verkaufen können. Die letzten Einnahmen brechen weg und das wird dann ihr Ende sein. Denn die eigenen Bürger sind ja bereits bis zum Hals verschuldet und werden keine US-Produkte konsumieren können, keine Autos kaufen und auch nicht in der Lage sein, Immobilien zu erwerben usw.


Es ist der bekannte Griff nach dem letzen Strohhalm. Bekommt die USA Deutschland und Europa nicht vor den Karren gespannt, dann wird der amerikanische Traum bald ausgeträumt sein.


Die Krise geht weiter:

Die Diskussion ist nur Schein. Es geht darum, Zeichen zu setzen und um Vertrauen bei den Investoren zu buhlen. Dabei ist das Sparkonzept der EU (Deutschland) minimal im Verhältnis zum Bruttosozialprodukt. Also sparen sollte nicht missverstanden werden im Sinne von eisern sparen. Das gleiche Bild war zuvor schon in Griechenland zu beobachten: das Land soll sparen, kann aber nicht. Auch hier dienen die Ankündigungen von Sparmaßnahmen nur der Beruhigung der Investoren, der Ratingagenturen und der Gewinnung von Zeit.


Beide Wege, ob nun die Märkte mit Geld zu fluten oder die Ausgaben zu verringern, führen zum gleichen Ergebnis: nämlich, dass eine weiter ausartende Krise vor uns steht. Es ist nicht möglich, diese zu bekämpfen. Diese enorm angehäuften Schulden sind nicht mehr bezahlbar. Ein wirklich massives Sparen ist für kein Land umsetzbar, da die Bevölkerung entweder bereits ausgepresst ist oder wie in Spanien, Italien, Griechenland und Frankreich zu beobachten, die Leute nicht bereit sind, die Schulden der Krise abzutragen, da sie sie nicht verschuldet haben. Für die USA gilt: noch einmal den amerikanischen Patienten mit billigem Geld vollzupumpen ist nicht mehr möglich, da der Patient nicht mehr auf diese Art der Reizung reagiert. Für die Zukunft steht eine Phase des Gesundschrumpfens auf dem Plan, das gilt für alle Nationen, ebenso wie für Unternehmen und Privatleute.


Die USA lenken von ihrem großem Schuldenproblem ab. Sie selbst konnten bisher keine Krise lösen, indem noch mehr Schulden gemacht wurden. Diese Art der Vorgehensweise verschiebt die Probleme nur in die Zukunft. Andere Nationen jetzt auch weiter in die Schuldenkrise treiben zu wollen, ist dreist und zeigt, wie groß die Not der Amerikaner ist.


Es ist immer falsch, Geld auszugeben, welches man nicht hat. Ein Sprichwort sagt: „Strecke deine Füße nur soweit aus, soweit deine Decke reicht„. Die USA haben ganz schön kalte Füße.


Mit freundlichen Grüßen


Ihr

start-trading Team

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