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Es geht momentan um die Zukunft der Eurozone. Um das Ende der Gemeinschaftswährung und auch den Austritt einzelner Länder. Die Nachrichten überschlagen sich mit Meldungen über eine drohende Entwertung des Vermögens, das mögliche Ende des Euros oder gar eine Währungsumstellung zurück zur DM.


Die letzten Wochen sind geprägt durch eine Nachrichtenflut über den Euro sowie einer Angstmacherei „dass der Euro nicht mehr gut ist“ und „dass die Deutschen sich ihre Mark wieder zurückwünschen“, das Ganze wird flankiert durch das Schüren von Inflationsängsten und Artikeln über Gold.


Es ist schon etwas eigenartig, dass der Wunsch nach „der starken D-Mark“ mit dem Wunsch des „EU- Austritts“ so vehement und so konzentriert thematisiert wird. Kaum eine Woche vergeht, in der nicht ein großes Publikumsblatt die Zukunft des Euros und der europäischen Gemeinschaft in Frage stellt. Was ist die Absicht dahinter? Eine sinnvolle Berichterstattung kann es nicht sein, denn dann hätten die Medien über die Gefahren für den Euro berichten müssen, als der Euro/US-Dollar Kurs noch bei über 1,50$ notiert hat. Haben sie aber nicht.


Dass Medien einen großen Einfluss auf die Bevölkerung haben, weiß man nicht erst seit den TV-Kampagnen in den USA für einen Irakkrieg. Ohne einen triftigen Grund hat man die Bevölkerung eines großen Landes dazu gebracht, für einen Krieg zu stimmen, den sie gar nicht wollten.


Verfolgt man die Medien in Deutschland fällt sofort die „Anti-EU-Haltung“ auf und die Sorge vor einem „Wertverlust des Euros“ dominiert. Dabei wird der Wunsch nach der starken D-Mark unterstrichen.


Zumeist wird über die Pleitenachbarn geschimpft. Zu hohe Löhne und zu frühe Verrentung sind nur wenige Gründe, mit denen die Zeilen gefüllt werden. Somit wird der Anschein erweckt, wir Deutschen arbeiten hart und die Anderen leben auf unsere Kosten. Das ist unwahr.


Die Deutschen waren jahrelang Exportweltmeister und haben auf Kosten der EU-Nachbarn gute Geschäfte gemacht. Um die deutschen Produkte zu kaufen und damit die Umsätze in Deutschland zu erhöhen, mussten die anderen Länder Schulden machen. Heute sind deren Schulden so hoch, dass diese Länder kein frisches Kapital mehr bekommen. Darüber hinaus gilt hier zu beachten: auch Deutschland hat massiv Schulden, nur sind die Investoren bereit, Deutschland noch Geld zu leihen und den Mittelmeerländern aber nicht mehr. Wir schrieben bereits „Griechenland ist überall„. Schimpfen Sie nicht zu laut über die Nachbarn, es kann auch bald Deutschland treffen.


Nun, mit der Sorge um die Zukunft der EU verbinden sich Folgethemen, welche in den Medien aufgegriffen werden. Wenn die EU zur Transfergemeinschaft verkommt, also die starken Länder wie Deutschland zahlen müssen für die schwachen Länder wie Griechenland, dann kann doch Deutschland auch gleich aus der EU aussteigen, so der Tenor der Blätter. Damit würde man das Geld des Steuerzahlers nicht aus dem Fenster werfen.


Auch hier ist ein wichtiger Punkt unbeleuchtet. Deutschland lebt von den Nachbarländern. Genauso wie die Industrienationen der dritten Welt regelmäßig mit Krediten helfen, deren Kredite stunden oder auch mal erlassen, so dient das immer dem gleichen Zeck. Lieber ein Land, welches die deutschen Produkte kauft oder Deutschland die Rohstoffe liefert, als ein totes Land, was niemandem mehr nützt. Somit ist eine Pleite aus Sicht der Politik auf jeden Fall zu verhindern. Tatsache ist aber, dass sich eine Pleite nicht verhindert lässt (siehe auch Artikel: hier).


In der TV Sendung „Maybrit Illner“ vom 13. Mai sagte der Deutsche Bank Chef Ackermann, dass er „bezweifle dass Griechenland in der Lage sein werde, seine Kredite zurückzuzahlen„. Am Folgetag ging ein Aufruhr durch die Medien, wie konnte ein so wichtiger Mann solch eine Aussage tätigen und damit die Märkte nervös machen? Man ging sogar soweit, dass man die Kursverluste an den Börsen am Freitag den 14. Mai unter anderem den Aussagen des Vorstandschefs in die Schuhe schob.


Auch hier schlafen die Medien. Die Medien hätten schon viel früher berichten können, dass eine finanzielle Hilfe nicht zu einer Rettung führt. Dafür wäre ein Interview gar nicht nötig. Denn das Griechenland die Kredite nicht zurückzahlen kann, sagt doch bereits der gesunde Menschenverstand. Die Einnahmen des Landes sind zu gering und die Ausgaben zu hoch; wenn Sie ein Produkt für 200 Euro verkaufen müssen, weil der Marktpreis nicht mehr erlaubt und Sie produzieren es für 300 Euro, weil die Kosten entsprechend hoch sind, dann machen Sie mit jedem Geschäft 100 Euro miese, dass frisst Ihr Kapital auf. Stellen Sie sich vor jemand leiht Ihnen nun 1000 Euro als Hilfskredit, was ändert sich? Nichts. Sie gewinnen etwas Zeit. Das Problem ist aber nicht gelöst und Sie werden bald wieder Geld brauchen. Das wissen auch die Investoren, deshalb ist der Euro schon wieder gefallen und notiert unter 1,24 US-Dollar.


In allen Blättern wird auf die Pleiteländer eingedroschen. Dabei wird eines nicht erwähnt, was ist mit Deutschland? Muss Deutschland nicht auch sparen? Hat Deutschland nicht auch mehr Schulden, als die Bürger vielleicht schultern können? Wenn die Kanzlerin am 14. Mai auf dem Kirchentag sagt; „die Deutschen haben jahrzehntelang über ihre Verhältnisse gelebt – jetzt muss überall eisern gespart werden„, dann liegt die Schizophrenie dieses Themas darin, dass die Medien schreiben „Kanzlerin stimmt die Bürger auf hartes Sparen ein“ anstatt zu fragen, wer denn das Land die letzten Jahre so tief in die Schulden geführt hat?


Nein die Medien sind blind, wenn es drauf ankommt und laut, wenn es ums Wiederholen geht. So wird das nichts mit ehrlicher Berichterstattung.


Die Medien machen es den Konsumenten nicht leicht. Es fehlt an einer klaren Strategie der Berichterstattung, besonders an Aufklärungsarbeit. Die Medien müssen aufwecken und Licht ins Dunkel bringen, sie müssen klärend nachfragen und Themen verständlich rüberbringen.


Vermutlich ist die konzentrierte Berichterstattung über das Ende der EU und der europäischen Währung ein Vorbote einer sich abzeichnenden Entwicklung. Der Bürger soll schonend mit folgendem Thema vertraut gemacht werden: dass ein Ende der Eurozone bevorsteht.


Wenn es dann zum Ende der Eurozone und der gemeinsamen Währung kommt, werden die Konsumenten nach einer „eigenen Währung“ hungern und grimmig gegenüber den Nachbarn sein. Somit werden tiefgreifende Änderungen wohlwollender von der Bevölkerung aufgenommen und harte Einschnitte eher ertragen.


Diese These, dass es bald zu einem Auseinanderbrechen der EU kommt, stützt auch die aktuelle Berichterstattung der spanischen Zeitung El Pais vom 14. Mai. Der französische Präsident Sarkozy hat Anfang Mai bei einem Ministertreffen in Brüssel einen Rückzug seines Landes aus der Eurozone angedroht, wenn bestimmte Bedingungen zur Griechenlandhilfe nicht erfüllt werden.


Man erkennt ganz deutlich, dass einige Länder, welche für die Nothilfen zahlen müssen, ganz schnell aus der EU austreten können (und wollen), wenn die Stimmung kippt. Auch Deutschland gehört zu den Nettozahlern in der EU.


Die Europäische Union war eine Idee von Frankreich und Deutschland. Wie konnte man mit wenig Bürokratie und ohne Zollbarrieren seine Produkte mehr Menschen zugänglich machen? Die Idee für ein gemeinsames Europa wurde geboren, dabei war immer die Absicht, dass Deutschland und Frankreich einen Nutzen aus dieser Idee ziehen – nur solange war die Idee eine gute Idee. Nun, die letzten 10 Jahre haben die Europagründer gute Geschäfte gemacht, da aber nun die anderen Länder in der Schuldenkrise stecken und keine weiteren Produkte mehr kaufen können, ist die Idee vom tollen Europa hinfällig. Deutschland und Frankreich versuchen nun den Spieltisch zu verlassen.


Wenn Deutschland aus der Währungsunion aussteigen sollte, würde die aktuelle Diskussion um eine bevorstehende Währungsumstellung zurück zur D-Mark natürlich Sinn machen. Das würde das Ersparte (in Euro) der Bevölkerung sofort beschneiden, denn die Politik würde durch ein Umtauschverhältnis versuchen, sich seiner Euro Verbindlichkeiten teilweise zu entledigen. Unter diesen Umständen ist es auch verständlich, warum die Deutschen in den letzten Tagen ca. 1Mrd Euro zum Kauf von Gold aufgebracht haben. Denn Gold ist im Moment das einzig Sichere, wo sie ihr Geld anlegen können. Aus diesem Grund steigt der Goldpreis von einem Rekordhoch zum nächsten. Am 14. Mai mussten zwischenzeitlich mehr als 1000€/uz bezahlt werden.


Die Idee von Europa und dem Euro ist ausgeträumt, zurück bleiben ein Haufen Schulden, deren sich die Politiker zu entledigen versuchen werden. Das wird dann auf nationaler Ebene geschehen, jeder wird sich selbst der Nächste sein. Die naheliegendste Lösung wird der Weg über eine Inflation sein. Auch wenn die beschriebene Situation absehbar ist, werden die Medien erst wieder ernsthaft darüber berichten, wenn das Kind schon in den Brunnen gefallen ist.


Mit freundlichen Grüßen


Ihr

start-trading Team

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