Indikatoren-Trading

Dem Trader wird beharrlich nahegelegt, sich seiner Emotionen zu entledigen. Diese würden ihn beim profitablen Handeln hindern. Emotionen sind z.B. Ärger & Wut, Verwunderung oder Freude. Die schlichte Wahrheit ist: seiner Emotionen kann man sich nicht entledigen, das wäre genauso wie einem Bären zu sagen, er sei ein Stofftier. Sie sehen, man verlangt Unmögliches. Ein Trader ist zuerst ein Mensch und so handelt er auch. Mal richtig und mal falsch. An der Börse, wie auch im richtigen Leben, weiß man immer erst im Nachhinein, ob eine Entscheidung richtig war.



Um sich der lästigen Emotionen zu entledigen hat man Handelssysteme erfunden. Diese Software würde dann nach vorgegebenen Regeln handeln und somit keine Bauchentscheidung mehr auslösen.


Es gibt nur ein Problem, Handelssysteme taugen im normalen Leben nichts. Es gibt auch bei einem Computerprogramm Schwächen. Entweder es funktioniert nur mit historischen Daten aber nicht mit aktuellen, oder es funktioniert in Trendmärkten, aber nicht in Seitwärtsphasen. Und wenn mal wirklich ein Programm erfunden wird, welches halbwegs gute Resultate erzielt, dann finden sich sofort windige Trader, welche die Logik entschlüsseln und sie sich zu nutze machen. Somit wird der Vorteil des Programms in kurzer Zeit eliminiert.


Kommen wir zurück zu unserem Trader. Dieser ist zunächst Mensch und das mit allen Stärken und Schwächen. Die Börse ist zum größten Teil Psychologie, der Trader kann seine Stärke nutzen und sich in andere Trader/Anleger hineinversetzen und deren Aktionen zu seinem Vorteil ausnutzen. Außerdem kann der Trader die Marktstimmung erfühlen und bewerten. Ob er sie auch in Profite wandeln kann ist noch nicht gesagt, aber er kann anhand der „gefühlten“ Börsenlage Entscheidungen treffen z.B. eine Position zu eröffnen, zu schließen oder erst gar keine zu eröffnen.


Das menschliche am Trader ist also ein Vorteil. Menschlich zu sein bedeutet, seine Emotionen zu leben. Emotionen leiten und manchmal verleiten sie auch und genau da sind wir wieder an der Börse. Auf dem Börsenparkett kommen die verschiedenen Emotionen/Menschen zusammen, manch einer harsch und wild, andere vorsichtig und beobachtend. Es gibt heiss gelaufene Schnelltrader und ruhige Valueinvestoren. Des einen Emotion ist des anderen Chance.


Nur weil Emotionen an der Börse zusammentreffen, kommen Geschäfte zu Stande. Mit jedem Geschäft verbindet der Trader eine Emotion. Manchmal ist es Gier, manchmal ist es Angst. Der eine Trader handelt aus Wut, weil er vielleicht wieder einmal den gleichen Fehler begeht, ein weiterer aus reiner Freude an der Sache, weil eine Serie von erfolgreichen Trades ihn anspornt.


Egal wie – die Emotion gehört zur Börse. Das ist auch der Grund, warum Trader immer wieder die gleichen Fehler machen, es sind alle Menschen. Da sie ihr Wesen nicht ändern und nicht aus ihrer Haut können, haben bereits in der Vergangenheit Trader dieselben Fehler gemacht und werden auch in der Zukunft diese nicht abstellen können.

Zunächst muss der Trader akzeptieren, dass er ein Mensch mit Emotionen ist. Es beruhigt schon mal zu wissen, dass alle anderen Trader auch nur mit Wasser kochen. Trotzdem gibt es Trader die öfter erfolgreich sind als andere, es ist also nicht nur Zufall. Die erfolgreichen Trader wissen um ihre Schwächen und haben die Disziplin, ihnen nicht nachzugeben.


Ein Beispiel: Der Markt dümpelt vor sich hin, eigentlich ist trading-technisch Pause angesagt, aber irgendwie reizt es den Trader doch, eine Position zu eröffnen. Es wird die Darstellung des Charts auf eine kleine Zeitebene geändert (z.B. 1min). Nun sieht der Chartverlauf aus wie eine Fliege, die an der Innenseite eines Fenster eingeschlossen ist, die Linien schießen hoch und runter, eine schnelle Wendung hier eine kurze Drehung dort. Nun hat der Trader also seinen Markt, die Kurse bewegen sich, kein langweiliges Dümpeln der Kurse mehr. Es passiert angeblich etwas und der Trader steigt ein indem er eine Position eröffnet. Durch den zu starken Zoom ist der Markt kaum zu handeln, denken Sie an ein Bild an der Wand, wenn Sie mit ihrer Nase direkt davor stehen, Sie werden kaum etwas vom Bild erkennen. Durch die in Wahrheit kleinen Kursabstände zu Widerständen und Unterstützungen muss jeder Einstieg ohne Puffer gehandelt werden, Ausstoppen ist die Regel und somit ist auch das Abschmelzen des Tradingkapitals vorprogrammiert.


Eine Position ist nicht immer zu eröffnen. Wer dem inneren Drang standhalten kann, hat schon viel gewonnen. Diese mentale Stärke macht den Unterschied zwischen Erfolg und Misserfolg.


Misserfolg ist Teil des Traderlebens, denn 80% der Trader verlieren regelmäßig Ihr Tradingkapital. Dabei hilft es auch nicht, sich Mut zu zureden indem man aus schlauen Börsenweisheiten zitiert wie z.B. „Jeder gute Trader war mindestens zweimal Pleite„.


Verlieren muss hier aber unbedingt relativ betrachtet werden. Die schwächeren Trader verlieren ihr Geld an die stärkeren Trader. Somit ist der Verlust des einen Trader der Gewinn des anderen.


Es wird immer schwächere Trader geben. Schwach deshalb, weil sie immer in die gleichen Muster verfallen und aus diesen nicht herauskommen.


Um aus dem Kreislauf zu entfliehen, kann sich der Trader nur selbst helfen. Kein Geld, kein Training, kein Coach, niemand wird ihm helfen können. Es ist wie mit dem Rauchen, der Raucher selbst hört auf damit und nur er entscheidet, keine Zigarette mehr anzurühren. Der Trader selbst muss sich ändern.


Dies ist die positive Seite der Tradermedallie. Jeder Trader, ob mit großem oder kleinem Tradingkonto, ob Profi oder Anfänger hat es in der Hand, seine Fehler abzustellen. Dabei kann er seinen Emotionen freien Lauf lassen, denn auf die Phase des Ärgers und der Wut wird zunächst Verwunderung (es scheint ja doch zu funktionieren) und eine Portion Überraschung hinzukommen, wenn er merkt, was alles in ihm steckt. Am Ende kann der Trader voller Freude gelassen zurückblicken, über seine Fähigkeit, Dinge aus eigener Kraft geändert zu haben.


Wir wünschen Ihnen viel Erfolg dabei.


Mit freundlichen Grüßen

Ihr
start-trading Team


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