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Es ist nicht einfach als realistischer aktieninteressierter Anleger dieser Tage. Ist man doch überzeugt, dass die Krise noch nicht ausgestanden ist, dass noch viele Leichen im Keller der Unternehmen liegen und es die Wirtschaft erst noch richtig erwischen wird. Wider besseren Wissens steigt die Börse immer weiter.


Bei 4000 Punkten im DAX kaufen andere spekulative Anleger Aktien und hoffen auf viel höhere Kurse. Unser, nennen wir ihn realistischen Anleger, ist überzeugt von seiner Meinung und belächelt das Treiben der Anderen. Denn Folgendes ist offensichtlich: Der Wirtschaft geht es schlecht, es hat sich noch nichts an den Strukturen und Kapazitäten verändert, es kann gar nicht mit den Märkten hochgehen. Der Anleger weiß, dass auch die Aktien noch nicht steigen können, wenn es kein Licht am Ende des Horizonts gibt.


Bei 4500 Punkten fällt das Lächeln nicht mehr so leicht, denn die Börse (DAX) ist bereits knapp 1000 Punkte gestiegen. Es gibt bereits Gewinner. Diejenigen nämlich, welche in das fallende Messer gegriffen haben, und bei Kursen um 3600 Punkte Aktien gekauft haben. Diejenigen, welche das größte Risiko überhaupt eingegangen sind, können sich nun mit Kursgewinnen brüsten.


Bei 5000 Punkten ist der Leitindex DAX bereits 1400 Punkte vom seinem Jahrestief gestiegen. In den Medien ist die Erholung der Wirtschaft ausgemachte Sache. Konjunkturindikatoren zeigen nach oben. Unternehmensergebnisse sind besser als erwartet. Fonds und Experten kommen zu Wort. Diese nennen Beispiele wie folgt: dass Unternehmen A bei 20 Euro ein klarer Kauf war (heute bei 50 Euro). Unternehmen B hat 5 Euro gekostet (heute 18) da konnte man nur zugreifen. Unterschwellig wird suggeriert, dass der realistische Anleger einen Fehler gemacht habe, denn diese günstigen Kurse hätte man erkennen müssen.


Unser Anleger schüttelt den Kopf. Jetzt haben die Börsen über 1400 Punkte gewonnen und er selbst noch nichts. Die realistische und eigentlich richtige Wahrnehmung hat ihm keinen einzigen Cent beschert. Und das geparkte Geld bringt bei diesen geringen Zinsen keine Einnamen. Die Akteure rennen ins Verderben, denkt sich unser realistische Anleger und wartet weiter. Stattdessen rennen die Spekulanten von einem Jahreshoch zum nächsten.


Bei 5500 Punkten ist die Wahrnehmung des passiven Anlegers soweit getrübt, dass nur noch die täglichen Kurssteigerungen eine Rolle spielen. Der Börsenindex DAX hat bereits knapp 2000 Punkte gewonnen, dass sind über 50% in sechs Monaten. Da sind Unternehmensaktien, welche sich verfünffacht oder gar verzehnfacht haben. Nicht nur Zockeraktien – nein – auch Unternehmen aus dem DAX haben sich verdoppelt. Überall ist nun von einer V förmigen Erholung der Wirtschaft die Rede. Schnell soll zu alter Rentabilität und Auftragslage zurückgefunden werden.


Erste Zweifel überkommen unseren Anleger: Wenn nun der DAX doch weiter steigt? Der Anleger hat gewartet, ist sich der wirtschaftlichen Gefahren bewusst, aber was bringt das Wissen über die marode Wirtschaft, wenn es kein Geld in seine Taschen spült? Als Anleger will man natürlich sein Kapital vermehren. Da hilft es nicht, an der Seitenlinie zu stehen und zuzuschauen.


Die Situation der Aktienkäufer ist eindeutig. Die Fonds müssen noch investieren, diese sitzen auf vielen Kundengeldern, welche auch in den Markt wollen. Da sind die Banken, welche günstiges Geld von den Notenbanken bekommen und es im Eigenhandel in die Märkte stecken. Die Notenbanken haben die Märkte mit billigem Geld geflutet, dieses findet sich in der Spekulation wieder. Die technische Analyse sieht noch viel Potential nach oben. Die Lage ist klar. Die Märkte wollen steigen, ob nun mit unserem realistischen Anleger oder ohne ihn.

Rückblickend haben sich die Märkte steil nach oben bewegt. Manchmal gab es sogar tagelang keine Minustage. Es ging nur hoch und höher. Erwartete Korrekturen waren Mangelware. Der Markt wollte steigen.


Der realistische Anleger weiß zwar immer noch über die Probleme der Wirtschaft Bescheid, aber was interessiert das schon die Märkte. An den Börsen wird die Zukunft gehandelt und diese ist gut. So viele gute Unternehmensergebnisse sprechen für sich. Die Analysten sehen sich die Unternehmensdaten an und raten zum Kauf. Von neutral auf kaufen von „halten“ auf „akkumulieren“. Ja es werden wieder Aktien gekauft. Man soll sich nicht gegen den Trend stellen, man soll mit dem Trend schwimmen. Es ist glasklar, die Märkte werden weiter steigen.


Bei 5600 Punkten schwindet die eigene Meinung unseres realistischen Anlegers und fügt sich der vorherrschenden übermächtigen Meinung an. Der Druck, der auf dem realistischen Anleger lastet, wird zu groß. Der Druck der Märkte, der Medien, der Experten erschlägt die bescheidene Ansicht des kleinen Anlegers und zwingt ihn, sich in die Menge der Schafe einzureihen, welche zur Schlachtbank geführt werden.


Man darf die eigene Meinung nicht so leicht hergeben. Es ist falsch, seine eigene Überzeugung über Bord zu werfen, nur weil die Mehrheit eine ganz andere Meinung vertritt. Es ist wichtig, an seiner eigenen Meinung festzuhalten, denn das ist es, was der Anleger als richtig empfindet. Wenn Sie selbst zu dem Entschluss gekommen sind, dass die Märkte übertreiben und dass die aktuelle Euphorie ohne Fundament ist, dann bleiben Sie bei Ihrer Meinung.

Wechseln Sie nicht die Fronten, werden Sie nicht vom Bären zum Bullen. Sie haben bisher richtig gehandelt und haben keine Aktien gekauft. Sie wissen, dass es aus Chance Risiko Perspektive falsch gewesen wäre, die letzten Monate Aktien zu kaufen. Bleiben Sie bei Ihrer Vorsicht. Ihre Meinung haben Sie selbst erarbeitet. Sie selbst haben noch vor Monaten die wirtschaftliche Lage als noch brenzlig angesehen, seit dem hat sich an den fundamentalen Rahmenbedingungen nichts geändert. Daher gibt es keinen Grund, diese Überzeugung nun aufzugeben. Ihre Meinung ist viel Wert, halten Sie daran fest.



P.S. Die Märkte werden in kurzer Zeit mit der Distributionsphase beginnen. Dabei wechseln die Aktien von den großen Marktteilnehmern, welche ihre Aktien im Tief gekauft haben, in die Hände der kleinen Anleger. Diese geben immer weiter dem Druck nach und wechseln in Massen in das Lager der Bullen (Marktteilnehmer, welche auf steigende Kurse setzen) und sehen für die Zukunft positiv. Während sich die meist privaten Anleger über ihren Aktienerwerb freuen, verabschieden sich die großen Markteilnehmer leise vom Markt. Übrig bleiben die kleinen Anleger, welche wieder einmal auf dem falschen Fuß erwischt werden. Die meist privaten Anleger besitzen dann die Fülle der Aktien und die Märkte beginnen zu fallen. Um das Täuschungsmanöver zu kaschieren, wird zunächst noch von den institutionellen Anlegern von einer gesunden Korrektur gesprochen werden. Das Märkte, die viel gestiegen sind, auch mal ein paar Punkte abgeben, ist ganz normal, wird berichtet werden. Wenn dann die Märkte doch weiter fallen, weil die Flut an Aktien welche abgestoßen wird, nicht abnimmt, dann nimmt das Elend seinen Lauf, und die Verluste bei den privaten Anlegern weiten sich aus. Die Kurse fallen, die Nachrichten werden wieder schlechter, die Konjunkturdaten auch und die Medien untermalen das mit Schreckenszenarien bis? – ja bis der Druck wieder zu groß wird.


Mit freundlichen Grüßen

Ihr
start-trading Team

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